SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

05. Januar 2007, 17:11 Uhr

BenQ-Mobile-Pleite

Spekulationen um zweiten Kaufinteressenten

Für den insolventen Handyhersteller BenQ Mobile gibt es einem Zeitungsbericht zufolge einen weiteren ernsthaften Interessenten. Zur Rettung des Unternehmens haben sich zudem Nordrhein-Westfalen und Bayern grundsätzlich offen für staatliche Bürgschaften gezeigt.

München - Sowohl die Sprecherin von Insolvenzverwalter Martin Prager als auch unternehmensnahe Kreise und Arbeitnehmervertreter hätten bestätigt, dass ein strategischer Investor die Unternehmensgruppe übernehmen wolle, hieß es in einem Bericht der "Welt". Bei dem Interessenten soll es sich um ein Investorenkonsortium handeln, das von einem in Amerika lebenden Deutschen angeführt wird. Bewegung gebe es zudem bei der ebenfalls insolventen Service-Tochter Inservio GmbH in Bocholt. Der dafür zuständige Insolvenzverwalter Michael Pluta sei sich mit einem französischen Investor über einen Verkauf weitgehend einig geworden.

Insolvenzverwalter Prager: Hoffnungsschimmer für frühere BenQ-Mobile-Mitarbeiter
Getty Images

Insolvenzverwalter Prager: Hoffnungsschimmer für frühere BenQ-Mobile-Mitarbeiter

Schon gestern hatte eine von dem Münchner Rechtsanwalt Andreas Kloyer vertretene deutsch-amerikanische Investorengruppe Interesse an einer Übernahme der ehemaligen Handysparte von Siemens geäußert. Damit hatte es zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer für die früheren Beschäftigten von BenQ Mobile gegeben. 2500 der ehemals 3000 Mitarbeiter sind seit dem Jahreswechsel vorübergehend bei Beschäftigungsfirmen angestellt.

Derweil haben sich Nordrhein-Westfalen und Bayern grundsätzlich offen für staatliche Bürgschaften gezeigt. "Falls es für den Standort München zu einer Fortführungslösung kommt, werden wir die rechtlichen Möglichkeiten für staatliche Bürgschaften ausschöpfen", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU). Auch in Nordrhein-Westfalen wurde nicht ausgeschlossen, dass sich das Land mit einer Bürgschaft an der Rettung von BenQ Mobile beteiligt. Eine der interessierten Investorengruppen hatte ein Engagement der beiden Länder gefordert.

Einladung an Investor

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) lud die deutsch-amerikanische Investorengruppe, die BenQ Mobile komplett übernehmen will, für kommenden Montag zu einem Gespräch ein. "Wir wollen schnell wissen, ob eine tragfähige Lösung für den insolventen Handyhersteller BenQ Mobile mit den Standorten Kamp-Lintfort und Bocholt möglich ist", sagte Thoben.

Ziel des Gesprächs sei es, die Eckpunkte des von den Kaufinteressenten vorgeschlagenen Übernahmemodells und mögliche Unterstützungsmaßnahmen durch die Landesregierung abzuklären. Dazu seien auch Insolvenzverwalter Martin Prager, die Finanzierungspartner der Investorengruppe, Arbeitnehmervertreter und Mitarbeiter der bayerischen Staatsregierung eingeladen worden.

Zuvor hatte die Investorengruppe über einen Anwalt erklären lassen, sie wolle mit zunächst 800 Beschäftigten weiter Handys in Deutschland entwickeln und herstellen. Allerdings ist die Kaufofferte an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Daher war in Branchenkreisen vor allzu großen Hoffnungen gewarnt worden.

Siemens will nicht zahlen

Der ehemalige Eigentümer der BenQ-Handysparte - der deutsche Siemens-Konzern - hat nach Informationen der "Wirtschaftswoche" die letzte Rate von 100 Millionen Euro nicht an das taiwanesischen BenQ-Unternehmen überwiesen. "Wir haben uns nun im Einvernehmen mit BenQ in Taiwan geeinigt, dass wir die noch ausstehende Summe von 100 Millionen Euro nicht zahlen", zitierte das Magazin Siemens-Sprecher Marc Langendorf.

Siemens hatte sich bei Abgabe seiner Mobilfunksparte an BenQ zur Zahlung von 400 Millionen Euro verpflichtet. Die letzte Rate von 100 Millionen Euro war Ende 2006 fällig. Siemens hat die Summe im Konzern behalten. Dem Vernehmen nach will Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die Summe nutzen, um Garantieleistungen für Handys zu finanzieren, so das Magazin.

Denn bis jetzt seien alle Siemens-BenQ-Handys mit zweijährigen Siemens-Garantien ausgeliefert worden. Die so entstandenen Verpflichtungen erfüllte bis zur Insolvenz die BenQ-Mobile-Tochter Inservio. Siemens habe seither 20 Millionen Euro an Inservio gezahlt, um den Garantiebetrieb zu sichern.

tim/AP/dpa-AFX

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung