Benzin- und Dieselpreise steigen Der teure Shutdown-Sprit

Mitten im zweiten Shutdown schnellen die Preise für Benzin und Diesel nach oben. Kraftstoffe sind so teuer wie noch nie in dieser Pandemie. Ist die neue CO₂-Abgabe schuld daran?
Wie kann es sein, dass Benzin und Diesel plötzlich wieder so teuer sind?

Wie kann es sein, dass Benzin und Diesel plötzlich wieder so teuer sind?

Foto: Sven Hoppe / dpa

So manchem Pendler werden die verschärften Homeoffice-Regeln gefallen. Erst recht bei diesen Spritpreisen! Wer dieser Tage eine Tankstelle ansteuert, muss seinen Kraftstoff so teuer bezahlen wie noch nie in dieser Pandemie. 

1,414 Euro kostete der Liter Super und 1,247 Euro der Liter Diesel am Montag im Bundesdurchschnitt, wie das Portal benzinpreis.de  errechnet hat. Das sind die höchsten Preise seit Ende Februar 2020. Damals, als das Virus sich breitmachte in Europa. Und zwei verheerende Crashs an den internationalen Rohölmärkten auslöste.

Wie kann es sein, dass Benzin und Diesel plötzlich wieder so teuer sind, als gäbe es keinen Zusammenbruch des weltweiten Flugverkehrs – und keine Shutdowns, die das öffentliche Leben in Deutschland und anderswo lahmlegen? All das müsste die Nachfrage doch eigentlich sinken lassen, und damit auch die Preise.

Ein kleiner Teil des Preisanstiegs erklärt sich durch die neue CO₂-Abgabe. Sie hat den Benzinpreis zum Jahreswechsel um etwa sieben Cent und den Dieselpreis um acht Cent je Liter erhöht. Im Gegenzug bekommen Fernpendler eine erhöhte Pendlerpauschale oder eine Mobilitätsprämie.

Entscheidend aber sind laut ADAC die Ausschläge am Rohölmarkt. »Die zeitweise extreme Entwicklung des Benzinpreises innerhalb der vergangenen zwölf Monate«, sagt Stefan Gerwens, Leiter des Verkehrsressorts beim Automobilverein, »spiegelt den dramatischen Preisverfall am Ölmarkt und die schrittweise Erholung wider«.

Der Ölmarkt hat sich radikal gewandelt

Nie zuvor haben die internationalen Rohölbörsen solche Kapriolen erlebt wie vor neun Monaten. Am 20. April stürzte der Preis für ein Fass (159 Liter) der US-Standardsorte WTI im New Yorker Handel bis auf minus 40 Dollar. Erstmals in der Geschichte dieses Marktes mussten Verkäufer Geld dafür bezahlen, dass ihnen jemand das Zeug abnahm. So überflüssig war der sonst so kostbare Stoff zu jener Zeit.

Doch seither hat sich der Ölmarkt gewandelt. Radikal. Das zeigen Daten der US-Energiebehörde EIA. Demnach war von Juni bis Dezember die weltweite Nachfrage in jedem einzelnen Monat höher als das Angebot.

»Der Einbruch der Weltwirtschaft war stark, aber die Erholung war auch kräftig. Die Ölnachfrage spiegelt das wider.«

Dora Borbély, Rohstoffstrategin der Dekabank

Zum einen drosselten große Produzenten ihre Förderung: allen voran die OPEC-Staaten. Sie verringerten ihren täglichen Ausstoß zeitweise um mehr als acht Millionen Fass pro Tag. Auch russische oder amerikanische Ölunternehmen kürzten ihr Angebot.

Zum anderen verbrannte die Menschheit bald wieder mehr Erdöl. Der erste Nachfrageschub kam mit den Lockerungen nach der ersten Corona-Welle im Westen und dem Aufschwung in China. Im Nordhalbkugel-Herbst ging der Verbrauch dann noch weiter nach oben, trotz der zweiten Viruswelle.

»Der Einbruch der Weltwirtschaft war stark, aber die Erholung war auch kräftig. Die Ölnachfrage spiegelt das wider«, sagt Dora Borbély, Rohstoffstrategin der DekaBank. Die derzeitigen Lock- und Shutdowns seien für die Wirtschaft längst nicht so folgenschwer wie die Maßnahmen der ersten Welle.

»In so gut wie allen Ländern wird die Industrie weitgehend von den Lockdowns ausgeklammert«, sagt Borbély. Die globalen Lieferketten seien diesmal weitgehend intakt geblieben. »Das hält die Konjunktur trotz der höheren Infektionszahlen relativ hoch.« Und damit auch die globale Nachfrage nach Erdölprodukten.

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Der Dienstleistungssektor wird zwar teils hart getroffen. Allerdings verbrauchen Restaurants, Hotels oder Handelsbetriebe generell relativ wenige Erdölprodukte. Umso mehr Sprit benötigen dafür in normalen Zeiten die Fluggesellschaften. Der Kollaps des internationalen Luftverkehrs hat deshalb auch beträchtlichen Anteil daran, dass der weltweite Ölverbrauch noch immer niedriger ist als vor der Pandemie.

Zurzeit verbrennt die Menschheit laut EIA-Schätzungen pro Tag knapp 94 Millionen Fass (je 159 Liter). Das sind rund drei Millionen Fass weniger als im Januar 2020.

Obwohl die globale Nachfrage in diesem Monat sinken dürfte, ist der Rohölpreis seit Jahresanfang noch mal spürbar gestiegen. Mehr als 56 US-Dollar kostete ein Fass der Nordsee-Standardsorte Brent in den vergangenen Tagen, so viel wie seit fast elf Monaten nicht mehr.

Maßgeblich verantwortlich hierfür ist Saudi-Arabien. Der bei Weitem größte Ölproduzent der Opec hat seine Förderung freiwillig um eine Million Fass gekürzt, um das Angebot knapp und die Preise oben zu halten.

»Aber diese Strategie wird Saudi-Arabien nicht lange durchhalten«, sagt Expertin Borbély voraus. Viele Opec-Mitglieder brauchen Geld nach dem Horrorjahr 2020 mit teuren Lockdowns und schwachen Petro-Erlösen. Gerade bei diesen Preisen ist die Verlockung groß, das Kartell zu brechen – und mehr auf den Markt zu werfen.

Zudem ist die Gefahr nicht gebannt, dass die Weltwirtschaft und mit ihr der Ölverbrauch abermals einbricht: etwa wenn sich Virusmutationen rapide ausbreiten oder die Impfkampagnen nicht so laufen wie erhofft.

Borbély ist deswegen überzeugt: »Die 50-Dollar-Marke wird nicht die nächsten Monate halten.« Dann würde auch der Sprit an Deutschlands Zapfsäulen wieder günstiger werden. Und sich besser einfügen ins triste Pandemiebild.

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