Berliner Pannen-Airport BER-Aufsichtsrat fordert detaillierten Bericht ein

Und was ist es diesmal? Wegen Problemen mit der Statik wurden die Bauarbeiten am Hauptstadt-Airport gestoppt, der Eröffnungstermin 2017 ist in Gefahr. Nun soll die Flughafengesellschaft nach SPIEGEL-Informationen Aufklärung leisten.

Tower am BER: Erhebliche Überschreitungen von Gewichtsbelastungen
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Tower am BER: Erhebliche Überschreitungen von Gewichtsbelastungen

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Die Zweifel an dem geplanten Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens wachsen nach dem jüngsten Baustopp. Der BER-Aufsichtsrat wird sich am Freitag mit den neuesten Problemen beschäftigen. Bis dahin soll die Flughafengesellschaft nach SPIEGEL-Informationen einen detaillierten Bericht zum Terminal-Dachschaden vorlegen. Die Untersuchung soll nicht nur dokumentieren, wie es zur Jahreswende 2011/2012 zum unkontrollierten Einbau zu schwerer Ventilatoren kommen konnte und wer dafür die Verantwortung trägt.

Die Aufsichtsräte erwarten auch, dass die Flughafengesellschaft bereits erste Maßnahmen aufzeigt, wie die Terminal-Statik sichergestellt wird und welche Auswirkung etwaige Dachsanierungsarbeiten auf den Zeitplan und auf die Kosten haben.

Die für den BER zuständige Behörde hatte die Bauarbeiten in der Haupthalle am Montag gestoppt. Grund seien "erhebliche Überschreitungen" von Gewichtsbelastungen im Gebäudedach, teilte der Landkreis Dahme-Spreewald mit. Der Baustopp werde frühestens aufgehoben, wenn ein Prüfingenieur die Standsicherheit nachgewiesen habe.

Die Flughafengesellschaft hatte schon am Freitag vorsorglich Teile des Terminals gesperrt. Zuvor war bekannt geworden, dass in drei von 20 Deckenabschnitten zu schwere Rauchgasventilatoren eingebaut worden waren.

Schon bevor die Statikprobleme bekannt wurden, wackelte der geplante Eröffnungstermin im Herbst 2017 gewaltig. Kurz bevor am vorigen Freitag die neue Hiobsbotschaft das Flughafenmanagement erreichte, musste Technikchef Jörg Marks bei der Sitzung des Projektausschusses des BER-Aufsichtsrates einräumen, dass sich das Bauende um vier Monate verzögern wird. Mit einer Fertigstellung sei nicht vor Sommer 2016 zu rechnen. Der heute von Landkreis Dahme-Spreewald verhängte Baustopp könnte selbst diesen anvisierten Termin in Frage stellen, wird in Aufsichtsratskreisen befürchtet.

Skepsis in Brüssel

Auch die weitere Finanzierung des BER ist noch keineswegs gesichert. Zwar hatten die Flughafengesellschafter, der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, bereits im vorigen Jahr beschlossen, weitere 2,2 Milliarden Euro in den BER zu investieren. Allerdings müssen die Gelder von der EU-Kommission in Brüssel noch freigegeben werden. Doch das Notifizierungsverfahren zieht sich länger hin als von der Bundesregierung erwartet. Nun rechnet Berlin mit einem Bescheid aus Brüssel nicht vor November, erwartet wurde die Notifizierung schon vor der Sommerpause.

Die Kommission aber, so heißt es in BER-Aufsichtsratskreisen, habe weitere Unterlagen von der Bundesregierung angefordert. Offenbar wachsen in der EU-Kommission Zweifel, ob weitere Milliarden für den BER noch mit dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar sind.

insgesamt 76 Beiträge
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Alfred Ahrens 21.09.2015
1. Offensichtlich bekommt der AUFSICHTSRAT all die Defizite nur durch die Presse mit.
Vielleicht sollte man mal Profis da ranlassen und nicht Leute, die Steuergelder und Investitionen nicht kontrollieren können.
ein-berliner 21.09.2015
2. Mal ehrlich
Was erwarten Sie eigentlich von alten Seilschaften aus alten Zeiten?
hermi16 21.09.2015
3. hui
unkontrollierter Einbau, so was aber auch. Und jetzt markiert der Aufsichtsrat den starken Mann.
auf_dem_Holzweg? 21.09.2015
4. oh mein gott ein Bericht ist angefordert
nach Jahren der Fehlplanung wollen (WER eigentlich) jetzt einen detaillierten Bericht? Na dieser wird die gleiche Qualität enthalten wie das Management, der Aufsichtsrat und die zuständigen Politiker. Das ganze Thema sollte man unter einer Teerschicht begraben und Schwamm drüber, dann hätte Berlin wenigstens einen schönen zentralen Parkplatz!
mina2010 21.09.2015
5. Kann es sein, dass wir hier grenzenlos verar... werden?
2011 sollte BER in Betrieb gehen, nach aktuellem Stand kann es bestenfalls ein Rohbau gewesen sein. Trotzdem wurde der Steuerzahler, der diese Ausgeburt an Inkompetenz bezahlen darf, bis zum letzten Moment in dem Glauben gehalten ... Alles ist im Plan. Nun 4 Jahre später, nach unendlichen Fortschrittsbeteurungen, stellen wir fest, oh ein Problem mit der Statik ... ach Elektrik ist auch nicht fertig, aber Firma ist Pleite ... und Brandschutz ist nach 4 Jahren immer noch nicht okay. Wir reden hier nicht mehr von Pannen, sondern von exorbitanter Inkompetenz auf allen Ebenen. ... Und ... keiner ist verantwortlich ... aber Bürger ... Du darfst auch noch die fetten Abfindungen für Nichtskönner bezahlen, während Wowi seinen wohl nicht verdenten Ruhestand geniesst. Irgenwas läuft hier grundlegend falsch....
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