Hauptstadtflughafen Bosch beklagt Planungschaos am BER

Die Baufirma Bosch hat offenbar massive Zweifel an einer Fertigstellung der Brandmeldeanlagen im Hauptstadtflughafen BER geäußert. Das Unternehmen soll nach in Aussicht gestellten Strafzahlungen mit Arbeitsverweigerung gedroht haben.

Gepäckausgabe im Flughafen Berlin Brandenburg (BER)
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Gepäckausgabe im Flughafen Berlin Brandenburg (BER)


Pannen, Verzögerungen und immer wieder neue Probleme: Der neue Berliner Großflughafen sorgt seit Jahren beständig für negative Schlagzeilen. Nun hat Baufirma Bosch offenbar massive Zweifel an einer Fertigstellung geäußert, wie die "Bild am Sonntag" berichtet.

In einem Brief vom 31. Mai 2017 an die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg schrieb das Unternehmen demnach: "Derzeit sieht Bosch keine Grundlage für eine Finalisierung der Inbetriebsetzung der Brandmeldeanlagen."

Permanente Planungsänderungen würden laut Bosch bereits erbrachte Leistungen zerstören. Zwar versuche der Flughafen durch vorgezogene Funktionstests parallel zu den Bauarbeiten eine Inbetriebsetzung zu beschleunigen, die Baufirma warnt aber vor Aktionismus und unnötigen Kosten.

Im Schreiben heißt es: "Wir äußern hiermit eindringlichst unsere Bedenken, dass bereits Ihnen vorliegende Prüfberichte der Sachverständigen ihre Gültigkeit verlieren und durch die Sachverständigen zurückgezogen werden."

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BER: Die peinlichsten Pannen

Bosch habe eine Woche später ein Mahnschreiben vom Flughafen bekommen, berichtet die Zeitung weiter. Die Firma hätte geforderte Leistungen nicht oder nur teilweise erbracht, daher würden bei der nächsten Abschlagsrechnung 80.000 Euro einbehalten. Zudem könnten Schadensersatzforderungen bis zu einer Million Euro pro Verzugstag fällig werden.

Als Bosch daraufhin gemeinsame Arbeitstermine absagte und so die Zusammenarbeit beenden wollte, zog der Projektleiter des neuen Fluggastterminals, Peter Hermann, die angedrohten Strafen "im Interesse für den Geist unserer Zusammenarbeit" zurück.

Eröffnungsziel 2018

Der Flughafen kann nach zahlreichen Umplanungen, Technikproblemen und Baumängeln seit mehr als fünf Jahren nicht in Betrieb gehen. Der Kostenrahmen wuchs seit Baubeginn 2006 von zwei auf 6,5 Milliarden Euro. Einen Eröffnungstermin will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup noch im Sommer nennen. Erklärtes Ziel ist ein Start 2018. Sicher ist das aber noch nicht.

So zweifelt zum Beispiel der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert, an einer Eröffnung im kommenden Jahr. "Ich persönlich glaube nicht, dass es 2018 noch gelingen kann", sagte der SPD-Politiker. Da der Bund neben den Ländern Berlin und Brandenburg einer der Gesellschafter des BER ist, beschäftigt sich der Verkehrsausschuss im Bundestag regelmäßig mit dem Thema. Burkert leitet das Gremium seit 2014.

Nach fünf geplatzten Terminen hatte Flughafenchef Lütke Daldrup 2018 als Ziel für die Eröffnung ausgegeben. Auf die Kritik hin verwies er auf die am Bau beteiligten Firmen. "Der Eröffnungstermin hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, mit den fünf entscheidenden Baufirmen - Bosch, Caverion, Siemens, T-Systems und ROM - verbindliche vertragliche Regelungen über die Restbauleistungen und Termine zu treffen", sagte Lütke Daldrup. Seit rund zwei Monaten werde intensiv darüber verhandelt. "Wenn es gelingt, mit den Firmen belastbare Vereinbarungen zu treffen, dann ist 2018 noch möglich."

Die Baufirmen verdienen daran, dass der Flughafen nicht fertig wird. Seit 2012 werden sie auf Stundenbasis angefordert. Lütke Daldrup hatte zuvor bekannt, dieses System nicht mehr fundamental ändern zu können. Für die laufenden Gespräche stellte er aber ein Ende in Aussicht: "Wir rechnen mit einem Abschluss der Verhandlungen im Spätsommer."

wit/dpa



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