BER-Eröffnung "Es gibt keine große Party, wir machen einfach auf"

Mit neunjähriger Verspätung soll Berlins neuer Flughafen den Betrieb aufnehmen. Grund zum Feiern sieht BER-Chef Lütke-Daldrup angesichts der Vorgeschichte nicht: "Wir deutschen Ingenieure haben uns geschämt."
Flughafenchef Lütke-Daldrup: Eröffnung in der Coronakrise

Flughafenchef Lütke-Daldrup: Eröffnung in der Coronakrise

Foto: Patrick Pleul / dpa

Wegen der jahrelangen Verzögerungen plant der Chef des Berliner Airports, Engelbert Lütke Daldrup, zur bevorstehenden Eröffnung des neuen Flughafens am 31. Oktober keine große Feier. Durch die Probleme beim Bau des Großflughafens seien Berlin und ganz Deutschland zur "Lachnummer" geworden. "Wir deutschen Ingenieure haben uns geschämt", sagte der Manager am Dienstag in Berlin.

Auch die Kostensteigerung von rund 2,7 auf knapp sechs Milliarden Euro sei nicht akzeptabel. Deshalb könne man sich nicht mit dem Projekt brüsten. "Es gibt keine große Party, wir machen einfach auf." Nach dem ersten Spatenstich 2006 wurde die für 2011 angepeilte Eröffnung des Airports immer wieder verschoben.

Wegen der Coronakrise benötigt die Flughafengesellschaft FBB laut Lütke Daldrup von den Eigentümern Berlin, Brandenburg und dem Bund 2020 rund 260 Millionen Euro zusätzlich. Wie viel die öffentliche Hand in den kommenden Jahren zuschießen müsse, hänge stark ab vom Verlauf der Virus-Pandemie und den Folgen für den Flugverkehr.

Der Manager betonte aber: "Bis 2024 benötigen wir eine Unterstützung." Die Coronakrise stelle Airlines und Flughäfen vor große Probleme und sorge für "die größte Krise des Luftverkehrs seit dem Zweiten Weltkrieg".

So dürfte die Zahl der Passagiere in Berlin im kommenden Winterhalbjahr nur ein Viertel der sonst üblichen Größenordnung betragen. "Wir befürchten, dass wir bis 2024 brauchen werden, um wieder das Niveau vor der Krise des Jahres 2019 zu erreichen." Im laufenden Jahr werde die Zahl der Passagiere an den Flughäfen Tegel und Schönefeld insgesamt auf rund zehn Millionen einbrechen - von knapp 36 Millionen 2019.

dab/Reuters