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VERSICHERUNGEN Bereit zum Verzicht

Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen zwingt den Deutschen Ring zu drastischen Sparmaßnahmen.
aus DER SPIEGEL 31/1979

Die Manager des Deutschen Rings brauchten nur eine halbe Stunde zu zittern, dann war es geschafft: Ohne ein Wort der Kritik billigte die Hauptversammlung der Deutscher Ring Lebensversicherungs-AG das wohl schlechteste Jahresergebnis des Unternehmens.

Ohne Gegenstimme wurde der Vorstand entlastet, obwohl er eine kostspielige Fehlentscheidung zu verantworten hatte. Über die Tochterfirma BVK hatten die Ring-Manager das große Geschäft mit Lebensversicherungen für Gastarbeiter machen wollen; sie mußten rund 30 Millionen Mark abschreiben (SPIEGEL 24/1979).

Doch die Aktionäre wurden rechtzeitig mit einem Opfer besänftigt. Vier Tage vor der Hauptversammlung im Juli nahm der langjährige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rings, Günther Palm, 57, versehen mit einer stattlichen Abfindung, seinen Hut und trat, wie Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Stelbrink lakonisch mitteilte, »in den Ruhestand«.

Auch Mehrheitsaktionär Rudolf August Oetker (über 70 Prozent des Ring-Kapitals), der wegen eines Beinbruchs der Aktionärsversammlung fernblieb, suchte Streit zu vermeiden. Er sei, ließ er ausrichten, »betroffen« über die im SPIEGEL geäußerte Kritik an der unveränderten Dividende von 14 Prozent. »Wenn es im Interesse des Unternehmens liegt«, so Oetker, wäre er »bereit, auf einen Teil seiner Dividende zu verzichten«.

Das aber, befand der Ring-Aufsichtsrat, sei nun doch nicht nötig. Denn bereits vier Wochen vor der Aktionärsversammlung hatte Vorstandsmitglied Hans Grutschus dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) wortreich erläutert, wie die Ertragslage des Unternehmens verbessert werden soll. Optisch unschöne Mittel wie Dividendenkürzung wurden dabei ausgeschlossen.

So werden die 3741 Mitarbeiter des Deutschen Rings die Hauptlast der Sparmaßnahmen, zu denen sich der Vorstand gegenüber der Aufsichtsbehörde verpflichtete, zu tragen haben. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen die Betriebskosten »um mehr als 20 Millionen Mark« senken.

Natürlich wird stramm rationalisiert. Von den 77 Abteilungen der Hamburger Generaldirektion sollen »mittelfristig« bis zu 20 gestrichen und damit 10 bis 15 Prozent der Verwaltungskosten eingespart werden. Einige der sieben Landesdirektionen und bis zu zehn Bezirksdirektionen -- bedroht sind unter anderen die Filialen in Delmenhorst, Ludwigsburg, Ravensburg und Siegen -- fallen ganz der »Neustrukturierung des Vertriebssystems« zum Opfer.

Doch damit nicht genug. In einem mehr als 60 Punkte umfassenden Katalog »kurzfristig wirkender Strategien und Maßnahmen« sagte der Ring-Vorstand dem Aufsichtsamt zu, den Werbe-Etat drastisch zu kürzen -- von 7,7 auf 2,2 Millionen Mark.

Da selbst durch so harte Sparmaßnahmen der 30-Millionen-Verlust im Gastarbeiter-Geschäft nicht voll auszugleichen ist, gehen die Ring-Manager ans Eingemachte. Durch den Verkauf »stiller Reserven des Wertpapierbestandes« sollen fünf bis zehn Millionen Mark erlöst werden. Die »Veräußerung von Anlagevermögen« und der Verkauf eines Grundstücks in Bremen sollen weitere 2,5 Millionen Mark bringen.

Ein Grundstück in München wird im Herbst für rund zwölf Millionen Mark verkauft werden. Der Käufer steht schon fest: Mehrheitsaktionär Rudolf August Oetker.

Zu der Roßkur hatten sich die Ring-Manager erst auf Drängen des Berliner Aufsichtsamtes entschlossen. Seit Jahren moniert die Behörde, daß der positiven Beitragsentwicklung (siehe Graphik) ungewöhnlich hohe Verwaltungskosten gegenüberstehen. Auch die Rückerstattungsquote -- Kennziffer für die Aufschläge auf die auszuzahlenden Lebensversicherungen schien den Berlinern viel zu gering.

Als der Deutsche Ring dann im Herbst vergangenen Jahres den 30-Millionen-Verlust der BVK meldete, drohte das Aufsichtsamt. einen Zwangsverwalter einzusetzen.

Ob die Berliner ihre Drohung nach Prüfung des Sparplans zurückziehen, ist ungewiß. Denn inzwischen zeigte sieh, daß die Herren des Ringes es nicht immer so ganz genau mit ihren Absichtserklärungen nehmen.

Kaum hatten sie der Aufsichtsbehörde zum Beispiel mitgeteilt, »weitere Sicherheitsmaßnahmen werden nicht mehr durchgeführt, auch wenn sie schon geplant sind«, da besann sich der Vorstand anders: Für die Sicherung des Verwaltungsgebäudes orderte er mehrere elektronische Kameras und automatische Türverschlüsse.

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