Bericht über Euro-Hilfe China will sechs Milliarden in Spanien investieren

China macht Ernst mit seinen Ankündigungen zur Euro-Hilfe: Einem Zeitungsbericht zufolge will Peking spanische Staatsanleihen im Wert von sechs Milliarden Euro kaufen - in Portugal und Griechenland hatte der Exportweltmeister zusammengerechnet nur halb so viel investiert.
Chinas Vizeministerpräsident Li, Spaniens König Juan Carlos: Hilfe aus Asien

Chinas Vizeministerpräsident Li, Spaniens König Juan Carlos: Hilfe aus Asien

Foto: Manuel H De Leon/ dpa

Madrid - Seit Wochen bringt China sich als Euro-Helfer in Stellung, nun werden die Maßnahmen offenbar konkreter: Peking will nach Informationen der Zeitung "El País" spanische Staatsanleihen im Wert von rund sechs Milliarden Euro kaufen. Dies habe Vizeministerpräsident Li Keqiang bei seinem Besuch in Spanien zugesagt, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür allerdings nicht.

China sei bereit, so viele spanische Staatspapiere zu kaufen, wie es an portugiesischen und griechischen Anleihen zusammen hält. Dies laufe auf eine Summe von sechs Milliarden Euro hinaus, heißt es in dem Bericht.

Li selbst hatte zuletzt angekündigt, China habe Vertrauen in den spanischen Finanzmarkt und werde deshalb seine Käufe von Staatsanleihen fortsetzen. Zahlen nannte er allerdings nicht. Die Volksrepublik verstehe sich als verantwortungsbewusster, langfristiger Investor, hatte Li in einem Gastbeitrag für "El País" geschrieben.

Das Handelsministerium in Peking gab nun bekannt, China habe seine Bestände an europäischen Staatsanleihen erhöht, darunter auch spanische Schuldtitel. Peking sei zuversichtlich, dass europäische Länder wie Spanien ihre Krise überwinden werden.

Brüderle fordert mehr Offenheit von Peking

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) forderte China auf, seinen Riesenmarkt stärker für deutsche Firmen zu öffnen - dabei hatte Li erst am Mittwoch für mehr deutsche Investitionen in China geworben. Peking würde noch zu oft einheimische Unternehmen gegenüber der ausländischen Konkurrenz bevorzugen, sagte Brüderle dem "Handelsblatt". Am Donnerstagabend soll Li zum Auftakt eines dreitägigen Deutschland-Besuchs in Berlin ankommen.

Li will zunächst mit Brüderle und deutschen Top-Managern über gemeinsame Projekte beraten. Die Autobauer Volkswagen und Daimler sowie Mittelständler wollen Verträge mit chinesischen Partnern unterzeichnen. Am Freitag stehen Treffen mit Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) auf dem Programm.

Französische Anleihen heißbegehrt

Im Gegensatz zu Spanien ist Frankreich beim Verkauf seiner Staatsanleihen nicht auf chinesische Hilfe angewiesen. Mit ihrer ersten Emission von Staatspapieren in diesem Jahr stieß die französische Regierung auf eine starke Nachfrage. Frankreich nahm am Donnerstag fast neun Milliarden Euro für die Anleihen mit Laufzeiten bis 2020, 2026 und 2029 ein. Die Rendite für eine zehnjährige Anleihe liegt derzeit am Zweitmarkt bei 3,37 Prozent. Das sind ungefähr 0,5 Prozentpunkte mehr als im November, als zuletzt eine zehnjährige französische Staatsanleihe auf den Markt gebracht wurde.

Erst am Mittwoch hatte Deutschland eine zehnjährige Anleihe auf den Markt gebracht und stieß dabei auf gute Nachfrage bei Investoren. "Diese Auktionen laufen gut, und das ist wichtig für die Psychologie des Marktes, weil Ende vergangenen Jahres durchaus auch Sorgen um die AAA-Länder kursierten", sagte Patrick Jacq von BNP Paribas. "Der Markt sollte sich jetzt beruhigen."

hut/Reuters/dpa
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