Berlin Fahrgäste empört über neue Bahnhof-Sperrung

Chaotische Szenen am Hauptbahnhof Berlin: Weil sie die Sicherheitsmacken des Milliardenbaus noch nicht behoben hat und ein neuer Sturm aufzog, hat die Bahn das Gebäude erneut für mehrere Stunden evakuiert. Fahrgäste wurden im Regen nach draußen geschickt - und zeigten wenig Verständnis.


Berlin - Schon wieder: Der Hauptbahnhof wurde am frühen Nachmittag zum inzwischen zweiten Mal binnen weniger Tage wegen drohender Sturmböen geräumt und gesperrt. Bei heftigem Regen und starkem Wind forderten Bahnmitarbeiter und Bundespolizei die Reisenden und Besucher am Nachmittag auf, das Gebäude zu verlassen. "Sicherheit heißt das allerhöchste Gebot", begründete ein Bahnsprecher die Maßnahme. Es handle sich um einen vorsorglichen Schritt wegen möglicher Sturmböen der Särke acht und mehr.

Menschenauflauf bei der Evakuierungsaktion: "Es ist total unkoordiniert"
DPA

Menschenauflauf bei der Evakuierungsaktion: "Es ist total unkoordiniert"

Nachdem der Deutsche Wetterdienst ein Abflauen des Windes meldete, beschloss die Bahn, den Bahnhof ab 20 Uhr wieder zu öffnen.

Die erneute Räumung führte bei vielen Reisenden zu massiver Verärgerung und Kritik an der Bahn. "Es ist total unkoordiniert, keiner sagt, wie man sich verhalten soll", erklärte ein Reisender Reuters TV. Das Unternehmen habe offenbar aus den Vorkommnissen in der Orkannacht nichts gelernt. Beim Durchzug des Orkans "Kyrill" war in der Nacht zum Freitag ein tonnenschwerer Stahlträger von der Fassade herabgestürzt, der Bahnhof wurde zum ersten Mal etliche Stunden geschlossen.

Nach der neuerlichen Sperrung am Sonntag irrten Bahn-Kunden umher. Sie wussten nicht, wie sie an ihr im Bahnhof aufgegebenes Gepäck kommen sollten und versuchten, ihre weitere Reise zu organisieren.

S-Bahnen im innerstädtischen Verkehr durchfuhren den Bahnhof am Nachmittag und frühen Abend ohne anzuhalten. Der Fern- und Regionalverkehr wurde weitgehend unterbrochen. Zunächst war lediglich der oberirdische Bereich des Bahnhofes gesperrt. Im Verlaufe des Nachmittags wurde auch der Zugang zum unterirdischen Bereich des Bahnhofes nicht mehr gewährt, wie ein Bahnsprecher sagte.

Die Bahn hatte sich nach den Beschädigungen durch den Orkan "Kyrill" und der dadurch bedingten Sperrung des Bahnhofes entschlossen, bei drohenden Sturmböen ab Windstärke acht die Station aus Sicherheitsgründen zu schließen, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, die die Räumung organisierte. Zudem war damit begonnen worden, die Stahlteile in der Fassade mit Blechen zu verschweißen, damit sie Unwettern Stand halten.

Für Sonntag lag eine amtliche Unwetterwarnung für den Berliner Raum vor. Der Deutsche Wetterdienst befürchtete Sturmböen in einer Stärke zwischen 60 und 85 Kilometer pro Stunde. Das entspricht einer Windstärke von sieben bis neun.

Die Deutsche Bahn wies unterdessen einen Zeitungsbericht zurück, wonach ein Sicherheitsrisiko am Berliner Hauptbahnhof längst bekannt gewesen sei. Die Bahn habe ein Gebäude übernommen, bei dem sie davon habe ausgehen müssen, dass es nach allen Regeln der Technik geplant, genehmigt, gebaut und abgenommen worden sei, sagte ein Sprecher. Ein gerichtlich bestellter Gutachter untersuche die Ursache für den Absturz des Stahlträgers. "Es besteht kein Sicherheitsrisiko am Berliner Hauptbahnhof."

Der "Tagesspiegel am Sonntag" hatte berichtet, der Absturz des Trägers hätte wahrscheinlich verhindert werden können. Bereits in der Planungsphase habe sich herausgestellt, dass die Querträger vor der Glasfassade bei starkem Sturm abstürzen könnten. Eine relativ einfache Sicherheitsmaßnahme habe man aber nicht ergriffen.

Der neue Hauptbahnhof nahe dem Regierungsviertel war Ende Mai vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden. Er hatte rund eine Milliarde Euro gekostet.

itz/Reuters/dpa



insgesamt 589 Beiträge
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DJ Doena 26.05.2006
1.
@sysop: Langsam wirds unübersichtlich: 2 identische Themen am gleichen Tag? http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=491 Schon für den ersten Thread scheint sich ja niemand außer mir interessieren zu können. ;-)
österreicher, 26.05.2006
2. Gigantismus UND Wunderwerk!
Der hamburgische Starachitekt, Meinhad von Gerkan, hat mit dem neuen Berliner Hauptbahnhof sowohl dem typisch-berlinerischen, preußisch-wilhelminischen Gigantismus gehuldigt, als auch ein architektonisches "Wunderwerk" geschaffen. Was von Gerkan mit den Flughafenbauten in Hamburg und Stuttgat begonnen hat, das hat er in Berlin mit dem grandiosen Hauptbahnhofsgebäude vollendet. Schade, dass die Kleingeister innerhalb der Deutschen Bahn und im Berliner Senat dem großartigen Entwurf von Gerkans nicht voll gefolgt sind.
DrKnow 26.05.2006
3. Wer kann das ertragen?
Ich fahre jeden Tag an dem Ding vorbei und kann mir ehrlich gesagt kein 'urbanes Umfeld' vorstellen, welches so ein Ding ertragen kann. Erinnern möchte ich in dem Zusammenhang an Monstren wie den Bahnhof in Rom, an das Riesenrad in london oder das Expo Gelände in Hannover. Keine Integration stattgefunden, sie stehen immer noch wie von Ausserirdischen dort gelandet an ihren jeweiligen Plätzen - und so wird es bis in alle Ewigkeit sein.
bfr123 26.05.2006
4. Gigantismus?
Sicher, der neue Hauptbahnhof hat etwas gigantisches - aber das ändert nichts an der Notwendigkeit dieses Bauwerks. Kritiker die jetzt den "Tod" des Bahnhofs Zoo betrauern sollten sich daran erinnern, dass er bei der ursprünglichen Planung vor ca 120 Jahren auch nichts weiter als ein Regionalbahnhof war. Der Kreis schliesst sich einfach nur. Das Herr Mehdorn kein ästetisches Empfinden besitzt ist nichts neues, dies erleben wir als Bahnkunden jeden Tag. Zum Beispiel der Umbau der neuen "alten" ICE 1 Züge. Die Sitzabstände nähren sich auch in der ersten Klasse immer mehr den Sitzabständen in der "Holzklasse" der Billigflieger an - der Unterschied ist lediglich der Fahrpreis, der steht im Gegensatz zur Bahn nämlich wenigstens in einer vernünftigen Relation zum Platzangebot. Und noch eines sei bemerkt: Der Bau des gesamten Empire State Buildings in New York Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, immerhin damals das grösste Gebäude der Welt, dauerte von der Grundsteinlegung bis zur Eröffnung gerade einmal 11 (in Worten: elf!) Monate. Der Berliner Hauptbahnhof dagegen dauerte 11 (in Worten: elf!) J a h r e!! Es lebe der Fortschritt - aber ich freue mich trotzdem auf den neuen Bahnhof!
axelanne, 26.05.2006
5. Angemessen
Berlin ist nun einmal die Hauptstadt Deutschlands geworden, nachdem Bonn dafür eine horrende Ablösesumme erhalten hatte. Die (halbe) Regierung ist hier und auch das Parlament, der Deutsche Bundestag und vieles mehr. Berlin wird inzwischen weltweit für eine Metropole gehalten, und das ist zutreffend.. Da mußte folgerichtig auch ein neuer Hauptbahnhof her. Der ist nun gelungen, insbesondere architektonisch und eisenbahnverkehrstechnisch. Wir danken der Deutschen Bahn und ganz besonders dem Bauleiter Herrn Hany Azer, der zuerst die Spree unterquerte, um dann einen solch gelungenen neuen Berliner Hauptbahnhof darüber zu setzen. Hoffentlich nimmt Herr Azer sich jetzt eine Ruhezeit, díe er verdient hat.
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