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Start-up Berliner Fintech Billie sammelt 100 Millionen Dollar ein

Investoren pumpen gigantische Summen in deutsche Start-ups aus der Finanzszene. Ein schwedischer und ein chinesischer Geldgeber spielen dabei eine besondere Rolle. So auch bei Billie.
aus DER SPIEGEL 43/2021
Billie-Gründer Christian Grobe, Aiga Senftleben und Mattias Knecht (v.r.n.l.)

Billie-Gründer Christian Grobe, Aiga Senftleben und Mattias Knecht (v.r.n.l.)

Foto: Billie

Die Serie großer Finanzierungsrunden für junge deutsche Finanztechnologie­firmen (Fintechs) setzt sich fort. Das Berliner Fintech-Start-up Billie – spezialisiert auf Forderungsfinanzierung – hat von alten und neuen Geldgebern 100 Millionen Dollar eingesammelt und erreicht damit rechnerisch eine Bewertung von 640 Millionen Dollar, etwa viermal so viel wie bisher.

Angeführt wird die Runde von dem britischen, auf die Finanzbranche spezialisierten Risikokapitalgeber Dawn Capital. Auch der chinesische Internetkonzern Tencent, der in Deutschland unter anderem bereits an der Smartphone-Bank N26 beteiligt ist, investiert in Billie. Weiter dabei ist unter anderem Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer.

Die größte strategische Bedeutung aber hat der Einstieg des schwedischen Fintech-­Riesen Klarna. Der Zahlungsdienstleister hat gerade eine Kooperation mit Billie angekündigt und untermauert diese nun mit einer Beteiligung, zunächst im einstelligen Prozentbereich.

Klarna gilt als führender Anbieter für den Ratenkauf und den Kauf auf Rechnung beim Onlineshopping. Das Modell ist auch als »Buy-now-pay-later« bekannt und wird von Verbraucherschützern kritisch gesehen, sie warnen, Kunden könnten über den Ratenkauf in eine Schuldenspirale geraten. Klarna hat diesen Vorwurf stets zurückgewiesen.

Neuer Zugang zu einem großen Kundenstamm

Während Klarna diese Dienste für private Konsumenten anbietet, will Billie das gleiche Angebot für Geschäftskunden (B2B) etablieren. Da viele Klarna-Partner, etwa Baumärkte, sowohl Privat- als auch Firmenkunden bedienen, bekommt Billie Zugang zu einem großen Kundenstamm. Mit dem neuen Geld will die Firma ins Ausland expandieren und die IT, das Risikomanagement sowie die Betrugsprävention stärken.

Bislang hat Billie seit Gründung Transaktionen im Wert von rund einer Milliarde Euro vorfinanziert, von der Kooperation mit Klarna erhofft man sich einen Wachstumssprung. Gründer von Billie sind Aiga Senftleben sowie Matthias Knecht und Christian Grobe, die 2014 bereits die Kreditplattform Zencap gegründet und später an den Konkurrenten Funding Circle verkauft hatten. Risikokapitalgeber investierten zuletzt Hunderte Millionen in Fintechs wie Billie, kürzlich profitierten davon N26 und die Handelsplattform Trade Republic.

mhs
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