Französischer Unternehmer Bernard Tapie ist tot

Er kaufte Adidas und den Fußballklub Olympique Marseille: Der französische Unternehmer und frühere Minister Bernard Tapie ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren, wie seine Familie mitteilte.
Der französische Unternehmer und Ex-Minister Bernard Tapie ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Der französische Unternehmer und Ex-Minister Bernard Tapie ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Foto: Emmanuel Dunand / AFP

Der französische Geschäftsmann und frühere Adidas-Besitzer Bernard Tapie ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 78 Jahren, wie seine Familie der Zeitung »La Provence« sagte. Tapie war ein schillernder und in Frankreich höchst umstrittener Manager und Ex-Politiker. In Deutschland war er vor allem als ehemaliger Adidas-Besitzer bekannt. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand war Tapie in den Neunzigerjahren Minister für Städtebau.

Tapie wurde am 26. Jan. 1943 in Paris geboren. Seine Mutter war Krankenschwester, der Vater Heizungsmonteur. Seine Familie wohnte in den ärmlichen Pariser Vororten, schon mit 14 Jahren begann Tapie zu arbeiten. Später war er unter anderem Rennfahrer und verkaufte als Popsänger rund 100.000 Platten. Von den späten Siebzigerjahren an betätigte er sich als Investor. Fast ohne Kapital kaufte er sanierungsbedürftige Firmen, um sie einige Jahre später mit Gewinn wieder abzustoßen. Die »Frankfurter Rundschau« bezeichnete ihn einst als »Sanierungskünstler« und »Idol des schnellen Geldes«.

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Bernard Tapie: Schillernd und umstritten

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Im Jahr 1990 erwarb Tapie für rund 600 Millionen D-Mark 80 Prozent von Adidas. 1991 stockte er seine Anteile weiter auf. Seine anfänglichen Sanierungsversprechen konnte er allerdings nicht einhalten. Bis Februar 1993 verkaufte Tapie den Sportartikelhersteller an ein Konsortium. Ein folgender Rechtsstreit zog sich über Jahrzehnte. Im Juli 2019 wurde er in der Adidas-Affäre vom Vorwurf des Betrugs und der Hinterziehung öffentlicher Gelder freigesprochen.

Im Jahr 1986 hatte Tapie auch die Mehrheit an dem Fußballklub Olympique Marseille (OM) gekauft, der damals schlecht spielte. Tapie wurde Präsident und trug in den folgenden Jahren durch geschickte Personalentscheidungen und eine solide Finanzierung bei, dass OM mehrfach französischer Meister wurde und auch auf europäischer Ebene zu den Spitzenteams gehörte.

In den Neunzigerjahren verurteilt

1993 wurde dem Verein vorgeworfen, durch Bestechung ein Saisonspiel gekauft zu haben. In der Folge entzog der nationale Fußballverband Tapie 1994 die Lizenz für jegliche Tätigkeit im französischen Fußball und verurteilte den Verein zum Zwangsabstieg in die zweite Liga. Wegen der Schmiergeldaffäre wurde er Ende 1995 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Schon zuvor musste Tapie Privatinsolvenz anmelden.

Tapie litt seit Jahren an Krebs. In den vergangenen Monaten hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert.

sep/nck/Reuters/AFP
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