Bertelsmann-Börsengang Unstimmigkeiten zwischen Eigentümern und Vorstand

Streit bei Bertelsmann: Der Milliardenpoker um den Börsengang des größten europäischen Medienkonzerns geht in eine neue Runde. Auf der morgigen Hauptversammlung der Bertelsmann AG wird eine Vorentscheidung für die Zukunft des Konzerns erwartet.


Gütersloh - Während Familie Mohn, Eigentümerin von Bertelsmann, auf jeden Fall verhindern wolle, dass Teile des Unternehmens an die Börse gebracht werden, zeigten sich der Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen und etliche weitere Vorstände solchen Ideen gegenüber als durchaus aufgeschlossen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Informationen aus unternehmensnahen Kreisen.

Hintergrund der Differenzen bei Bertelsmann ist, dass der belgische Investor Albert Frère von der belgischen "Groupe Bruxelles Lambert" (GBL) sein Recht wahrnehmen will, sein Aktienpaket der Firmenanteile an der Börse zu platzieren. Die Familie Mohn hat ihrerseits das Recht, mit einem Rückkaufangebot zu reagieren.

Laut dem Bericht der Zeitung scheut die Familie Mohn die Kontrolle durch den Kapitalmarkt. Sie plane Frère in bar abzufinden, dafür einen Kredit aufzunehmen und anschließend Teile des Konzerns zu veräußern, um die Schulden zu tilgen, so die Zeitung. Die Frage nach der Höhe der Abfindung entzweit beide Seiten bisher. Während GBL von einem Preis nahe fünf Milliarden Euro ausgeht, taxiert Bertelsmann den Wert des 25-Prozent- Pakets zwischen drei und vier Milliarden Euro.

Frère, der 25,1 Prozent der Bertelsmann-Anteile kontrolliert, hatte die Bertelsmann-Aktien 2001 im Tausch gegen Anteile an der größten privaten Fernsehsender-Gruppe Europas, der heutigen RTL Group (Luxemburg) erworben. Fünf Jahre lang wurde er mit einer Garantiedividende von jährlich 120 Millionen Euro abgegolten. 

Die Unstimmigkeiten über den Börsengang würden mittlerweile sogar das traditionell sehr enge Verhältnis zwischen Thielen und Eigentümerin Liz Mohn belasten, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" weiter. Mohn habe Thielen vorgeworfen, die Abwehrschlacht gegen einen Börsengang nicht entschieden genug voran zu treiben. 

Bertelsmann hatte im vergangenen Jahr hervorragende Zahlen vorgelegt: Mit einem Umsatz von fast 18 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro konnte der Medienkonzern glänzen. Bertelsmann war beim Aufkommen der Börsenspekulationen im Januar von Analysten bereits in den Kreis möglicher DAX-Kandidaten gerückt worden.

anr/dpa/ddp



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