Bertelsmann/EMI Fusion mit Fragezeichen

Die Entscheidung über einen Zusammenschluss der Bertelsmann-Musiksparte mit dem britischen Konzern EMI rückt näher. Allerdings sind noch einige Fragen offen.


Hofft auf gnädige Stimmung in Brüssel: Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff
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Hofft auf gnädige Stimmung in Brüssel: Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff

New York - Nach den bisherigen Plänen soll die Bertelsmann Music Group (BMG) in der EMI Group aufgehen. Das daraus resultierende börsennotierte Unternehmen solle zu 50,01 Prozent Bertelsmann gehören, schreibt das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe. Mit einer Zahlung an die Aktionäre wolle Bertelsmann die Kontrolle über den neuen Musikkonzern erhalten. Der genaue Betrag würde noch diskutiert, könnte sich aber zwischen einem und eineinhalb Pfund pro EMI-Aktie bewegen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Insgesamt könnte Bertelsmann die Zusatzzahlung an die Aktionäre zwei Milliarden Euro kosten.

Auch bei der Leitung des neuen Unternehmens seien noch Fragen offen, so die Zeitung. Trotz der Mehrheitsbeteiligung könnte sich Bertelsmann bereit erklären, den EMI-Managern die Führungsrolle zu überlassen. Nach einer der diskutierten Möglichkeiten würden der EMI-Chef Ken Barry und der zukünftige BMG-Chef Rudi Gassner das Unternehmen für eine Zeit zusammen leiten. Danach könnte Ken Berry alleiniger Chef des Konzerns werden.

Die größten Probleme könnten jedoch die europäischen und US-amerikanischen Kartellbehörden bereiten. Durch eine Fusion würde mit einem Umsatz von etwa 17 Milliarden Mark und einem Marktanteil von rund 24 Prozent der weltgrößte Musikkonzern entstehen. Bertelsmann soll bereits Gespräche mit der EU-Kommission führen, um kartellrechtliche Bedenken zu zerstreuen. Angeblich sind EMI und BMG bereit, sich von einigen Musiklabels zu trennen. Erst vor kurzem waren die Verhandlungen zwischen EMI und Warner Music, der Musiksparte des US-Medienkonzerns Time Warner, an den Einwänden der EU-Wettbewerbshüter gescheitert.



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