Bertelsmann Scharfe Töne von Schmidt-Holtz

Bei der Bertelsmann Music Group (BMG) soll kräftig saniert und umstrukturiert werden. BMG-Chef Schmidt-Holtz erwägt auch einen drastischen Personalabbau.


BMG-Chef Schmidt-Holtz will den Konzern auf Kurs bringen
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BMG-Chef Schmidt-Holtz will den Konzern auf Kurs bringen

Hamburg - "Bei BMG gab es ein totales Missverständnis von Dezentralisierung", sagte Rolf Schmidt-Holtz nach einer Managerkonferenz in Madrid der "Financial Times Deutschland". "Jeder baute sein eigenes Königreich, und teilweise haben die Abteilungen sogar gegeneinander gearbeitet. Das ist unglaublich, und damit muss jetzt Schluss sein."

Die Gütersloher Muttergesellschaft Bertelsmann, in deren Vorstand Schmidt-Holtz ebenfalls vertreten ist, drängt mit Blick auf eine mögliche Notierung von Bertelsmann-Anteilen in allen Unternehmensbereichen auf Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung. Medienberichten zufolge soll die BMG in dem zum 30. Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2000/2001 einen Verlust von mehr als 150 Millionen US-Dollar verzeichnen. Umstrukturierungen und Personaleinsparungen sollen den Musikkonzern nun wieder auf Kurs bringen.

Auf der Konferenz in Madrid sei auch über Entlassungen gesprochen worden, sagte eine BMG-Sprecherin. Entscheidungen über den Personalbestand gebe es allerdings noch nicht. BMG erwägt unternehmensnahen Kreisen zufolge die Entlassung von mehreren hundert Mitarbeitern. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 5000 Mitarbeiter, davon rund 700 in Deutschland.

Schmidt-Holtz zufolge will sich BMG künftig verstärkt auf die verbesserte Ausschöpfung des Künstler-Potenzials konzentrieren. "Es gibt bei BMG große Repertoire-Potenziale, die noch optimaler ausgeschöpft werden müssen", sagte der BMG-Chef. "Es ist uns in der Vergangenheit leider nicht ausreichend gelungen, internationale Superstars in dem Maße hervorzubringen, wie es eigentlich sein müsste."

Bei BMG sind Künstler wie Eros Ramazotti, Christina Aguilera und Santana unter Vertrag. Die BMG-Sprecherin nannte den europaweit erfolgreichen Italiener Ramazotti als Beispiel, wie künftig die Werke von BMG-Künstlern über die Grenzen der eigenen Länder hinaus vermarktet werden könnten.



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