Bertelsmann-Studie Deutschland ist für Globalisierung gut gerüstet

Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nimmt die Bundesrepublik bei Forschung und Entwicklung eine Vorreiterrolle ein. Defizite sehen die Autoren bei den Themen Arbeitsmarkt, Bildung und Integration.

Gütersloh - Deutschland kann sich der Globalisierung stellen. Eine Vorreiterrolle nimmt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich besonders in der Umweltpolitik sowie in der Forschung und Entwicklung ein, teilte die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag mit. Deutlich schlechter als andere westliche Industriestaaten schneidet Deutschland dagegen bei den Themen Arbeitsmarkt, Bildung und Integration ab.

Im Vergleich zu den an der Spitze stehenden skandinavischen Staaten seien hier vor allem eine wenig nachhaltige Gesundheitsreform, Mängel in der Kleinkindbetreuung und eine hohe Arbeitslosigkeit auffällig. Hinzu kommen laut Studie geringe Bildungschancen von Menschen mit Migrationshintergrund sowie ein kompliziertes und undurchsichtiges Steuersystem.

Insgesamt stellten die Forscher fest, dass Länder mit einer hohen Demokratiequalität die Herausforderungen der Globalisierung besonders erfolgreich bewältigen könnten. Nicht primär Wirtschaftswachstum, sondern gutes Regieren in einer demokratischen Ordnung förderten die soziale Gerechtigkeit, erklärten die Wissenschaftler. Die skandinavischen Länder, aber auch die Niederlande und Neuseeland, die bei der Qualität der Demokratie Spitzenergebnisse erzielten, erreichten demnach ebenfalls in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung oder Umwelt die besten Ergebnisse.

Für die Studie untersuchten die Forscher anhand speziell entwickelter Indikatoren den Reformbedarf und die Reformfähigkeit aller 30 Staaten in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Im sogenannten Management-Index hat die Bertelsmann-Stiftung die Reformfähigkeit der jeweiligen Länder dargestellt. In den Index sind 149 Teilaspekte eingeflossen. Ein Wert von zehn entspricht perfekter Reformfähigkeit, ein Wert von null bedeutet Reformunfähigkeit.

Management-Index der Bertelsmann-Stiftung *

Norwegen 8,5
Dänemark 8,1
Finnland 7,9
Schweden 7,9
Island 7,4
Neuseeland 7,4
Irland 7,0
Kanada 7,0
Niederlande 6,7
Österreich 6,5
Australien 6,5
USA 6,5
Schweiz 6,5
Luxemburg 6,3
Deutschland 6,3
Großbritannien 6,1
Südkorea 5,9
Slowakei 5,6
Ungarn 5,6
Portugal 5,6
Japan 5,5
Mexiko 5,4
Spanien 5,1
Frankreich 5,1
Belgien 4,9
Italien 4,9
Tschechien 4,8
Türkei 4,7
Polen 4,1
Griechenland 3,3
* 10 = perfekte Reformfähigkeit; 0 = reformunfähig
Quelle: Bertelsmann-Stiftung
wal/AP
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