Beste deutsche Karriere-Websites Post ganz vorne, Blamage für McKinsey

Welche Unternehmen informieren auf ihren Web-Seiten am besten über Job-Chancen? Welche speisen potentielle Bewerber mit PR-Phrasen ab? In einer Umfrage haben Studenten die besten deutschen Karriere-Sites gewählt. SPIEGEL ONLINE zeigt die Ergebnisse exklusiv.

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Hamburg – "International aufgestellt" sind die meisten, und "dynamisch" sowieso: Auf ihren "Jobs und Karriere"-Seiten im Internet bieten Großunternehmen oft nur ödes Eigenlob-Einerlei. An den Bedürfnissen von Studenten, die sich im Web über potentielle Arbeitgeber informieren wollen, geht das vorbei. "Job-Suchende ärgern sich darüber, dass Unternehmen im Internet immer wieder dieselben Phrasen benutzen", sagt Torgil Lenning.

Es geht auch anders: Zum fünften Mal hat Lennings Unternehmensberatung Potentialpark in einer Umfrage die 30 besten deutschen Karriere-Seiten von Unternehmen ermittelt. Ganz vorne landet die Deutsche Post, auf Platz zwei folgt die Unternehmensberatung Boston Consulting. Der Mischkonzern ABB platzierte sich auf Position drei (siehe Bildergalerie und Links zu Tabellen unten).

Die Deutsche Post Chart zeigenals Gewinner sei ein Paradebeispiel für den Schub, den gut überlegte Relaunches bringen können, sagt Lenning. Zwar wurde die Seite des Bonner Konzerns schon 2006 zur besten deutschen Karriere-Website gewählt – in den Vorjahren aber hatte sie mehrfach miserabel abgeschnitten.

Daraus zogen die Bonner ihre Lehren und überarbeiteten ihr Angebot. "Die Post hat sich sehr genau überlegt, welche Informationen für Job-Suchende im Internet wirklich wichtig sind und welche Funktionalitäten eine Karriere-Seite braucht", sagt Lenning. Er lobt zum Beispiel, dass die erneuerte Seite Jobangebote für sämtliche Post-Konzernsparten und -Ableger bündelt – und auch auf Chancen bei der Postbank und der Post-internen Consulting-Abteilung verweist.

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Aufsteiger des Jahres 2007 sind die Wirtschaftsprüfer von KPMG – ihre Karriere-Webseite verbesserte sich im Vorjahresvergleich von Platz 44 auf Platz 4. Generell zeigt sich am Ranking, dass Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften besonders intensiv und erfolgreich um junge Talente wetteifern. So landen auch Deloitte, Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers in den Top 10 der beliebtesten deutschen Karriere-Websites.


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Zu den Absteigern gehört McKinsey: Der stolze Top-Berater, dessen deutsche Karriereseite 2006 noch auf Rang drei lag, ist in diesem Jahr auf Position 13 abgestürzt. Immerhin schlägt er sich besser als Konkurrent Roland Berger - dessen Karriereinfo-Seite auf Position 45 landete.

Bergab ging es im Deutschland-Ranking auch für Shell (von Platz 4 auf 20) und BMW (von Rang 16 auf 26).

"McKinsey hat nicht einmal unbedingt etwas falsch gemacht", sagt Lenning. "Aber sie haben ihre Karriere-Seite auch nicht nennenswert weiterentwickelt – und deswegen konnten andere an ihnen vorbeiziehen." Die Bedürfnisse und Wünsche von hoch qualifizierten Job-Suchenden, die sich im Web umsehen, würden sich nun einmal ähnlich schnell wandeln wie das Internet insgesamt. Folge: Firmen müssen sich ständig mühen, ihre Jobportale zu optimieren.

Deutsche Konzern-Sites schneiden bei US-Studenten gut ab

So hat der Trend zu Web-2.0-Anwendungen inzwischen auch die Bewerberinfo-Seiten erreicht. Immer mehr Unternehmen experimentieren mit Blogs oder Podcasts. "Aber noch sind sowohl Bewerber als auch Konzerne nicht ganz sicher, welche Rolle das 'Recruiting 2.0' in Zukunft spielen soll", sagt Lenning. Schon stärker verbreitet sind Video-Elemente. Europaweit werden sie laut Potentialpark auf einem Drittel der großen Konzernseiten für den Bewerberfang eingesetzt - Tendenz deutlich steigend.

Chance und Risiko liegen bei diesen relativ neuen Formen nah beieinander: "Gut gemachte Videos können Informationen über ein Unternehmen transportieren, die sich in Text oder Bilder nicht vermitteln lassen", meint Lenning. Wenn Videos "sehr schnell und sehr billig" produziert würden, sei das Potential für eine Blamage aber groß.

Lennings Beraterfirma führt ähnliche Umfragen auch europaweit und in den USA durch. Ein Befund: Oft schneiden die Karriere-Seiten deutscher Konzerne beim ausländischen Publikum hervorragend ab. So wurde die Seite der Deutschen Post auch europaweit von 5318 Studenten zur besten Karriere-Seite gewählt. Ebenfalls in den Europa-Top-10 landete die Deutsche Bank. In den USA haben Studenten das Jobinfo-Angebot der Deutschbanker sogar zur Nummer eins gewählt. Bertelsmann schaffte es in der US-Liste auf Platz 10.

Lenning hat eine erstaunliche Erklärung für das international gute Abschneiden deutscher Konzerne parat: "Die deutschen Universitäten sind traditionell sehr zurückhaltend, was Kooperationen mit Konzernen betrifft." Die Talentsucher deutscher Unternehmen könnten also nur mit Einschränkungen direkt an der Uni um Bewerber buhlen. Darum hätten sie sich andere Methoden überlegt, früh an ihrer Selbstpräsentation im Web gefeilt - und das komme ihnen international nun zu gute.



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