Terrormiliz in Syrien Schutzgeld an IS – Baustoffkonzern zahlt 795 Millionen Euro Strafe

Weil der Zementkonzern Lafarge in Syrien ungestört Geschäfte machen wollte, zahlte er hohe Summen an die Terrororganisation »Islamischer Staat«. Nach der Fusion mit einem US-Konzern muss der nun dafür geradestehen.
Blick in die Zementröhre: Vergehen von Lafarge kommen Holcim nun teuer zu stehen

Blick in die Zementröhre: Vergehen von Lafarge kommen Holcim nun teuer zu stehen

Foto: FRANCK FIFE / AFP

Der Baustoffkonzern Holcim muss tief in die Tasche greifen, um ein Klageverfahren in den USA zu beenden. Dabei geht es um frühere, vom französischen Zementkonzern Lafarge in Syrien begangene Vergehen.

Laut einer Mitteilung des Unternehmens vom Dienstagnachmittag hat sich Holcim im Vergleichsverfahren mit den US-Justizbehörden auf eine Geldstrafe in Höhe von 777,78 Millionen US-Dollar geeinigt. Das entspricht etwa 795 Millionen Euro.

In dem Rechtsfall geht es um Vergehen, die Lafarge mit seinen Aktivitäten in Syrien begangen hat. Lafarge und die syrische Firma Lafarge Cement Syria (LCS) hätten sich in einem Fall der Abrede zur materiellen Unterstützung von als terroristisch eingestuften Organisationen in Syrien schuldig bekannt, schreibt Holcim dazu. Stattgefunden habe das »während des syrischen Bürgerkriegs zu einer Zeit intensiver Gewalt und unter dem Druck terroristischer Gruppen«. LCS habe damit versucht, »gravierende Sicherheitsprobleme in der Umgebung seines Zementwerks zu bewältigen«.

Lafarge hatte sich über Jahre mit den wechselnden Machthabern in Syrien arrangiert. Für den ungehinderten Zugang zu Rohstoffen, Arbeitern und Ausrüstungen, so das Ergebnis einer französischen Untersuchung im Jahr 2018, zahlte der Zementhersteller Millionen von Dollar an bewaffnete Islamisten und ihre Verbündeten. Darunter war demnach auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). So konnte die Firma inmitten des syrischen Bürgerkriegs den Weiterbetrieb eines Zementwerks nordöstlich von Aleppo sichern.

Der Zeitraum, um den es nun in dem US-Verfahren geht, reicht vom August 2013 bis Oktober 2014. 2015 hatten Holcim und Lafarge fusioniert, Holcim war nach eigenen Angaben zu keinem Zeitpunkt in Syrien tätig.

Weitere Ermittlungen in Frankreich

Die US-Justizbehörde (DoJ) habe in ihrem Verdikt festgehalten, dass Holcim nicht an den umstrittenen Aktivitäten in Syrien beteiligt gewesen sei. Laut der Behörde hätten ehemalige Lafarge- und LCS-Führungskräfte die Aktivitäten vor und nach der Fusion verheimlicht. Die DoJ habe außerdem darauf hingewiesen, dass Holcim über ein umfassendes Compliance-Programm verfüge und kein unabhängiger Compliance-Monitor notwendig sei, schreibt Holcim weiter.

Auch in Frankreich laufen Ermittlungen gegen Lafarge. Dabei geht es um den Vorwurf der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Lafarge erklärt dazu, das Unternehmen kooperiere umfänglich mit den französischen Behörden, werde sich aber gegen als »ungerechtfertigt« angesehene juristische Schritte zur Wehr setzen.

Die Holcim AG sitzt im Schweizer Kanton Zug und ist einer der größten Baustoffhersteller der Welt. Weltweit arbeiten knapp 70.000 Mitarbeiter für den Konzern. Lafarge hatte sich im Jahr 2015 mit dem Schweizer Konkurrenten zusammengeschlossen. Der neue Konzern hieß zunächst LafargeHolcim, bevor das Lafarge aus dem Namen gestrichen wurde. Lafarge besteht aber als eigene Marke weiter.

mamk/dpa-AFX/AFP
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