Betrugsprozess Pfui-Rufe für die Haffa-Brüder

Geschichte wollte er schreiben, und das scheint EM.TV-Gründer Thomas Haffa tatsächlich zu gelingen - auf unerwartete Weise. Ab heute steht er mit Bruder Florian wegen Kursbetrugs vor Gericht. Ein historischer Prozess, in dem mit den Exzessen des Neuen Marktes abgerechnet werden dürfte.


Wie süß war doch das Leben: Promi-Chef Haffa wie er sich am besten gefiel
DPA

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München - Sollten die Haffas verurteilt werden, drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Vorstandschef und dem früheren Finanzvorstand die bewusste Veröffentlichung falscher Zahlen und Prognosen vor. Beide hätten beabsichtigt, den Börsenkurs der EM.TV-Aktie positiv zu beeinflussen. Der Prozess hat am Morgen begonnen, die beiden Brüder wurden von Pfui-Rufen geprellter Aktionäre begrüßt.

Da in dem Verfahren wegen fehlender Präzedenzfälle juristisches Neuland betreten wird, ist der Ausgang offen. Verteidiger Rainer Hamm will einen Freispruch für seine Mandanten erreichen, die jede böse Absicht bestreiten. Richterin Huberta Knöringer rechnet mit einem langen Prozess. Bislang sind neun Verhandlungstage geplant.

Die Haffas gehörten in der Börseneuphorie bis vor zwei Jahren zu den Stars des Neuen Markts. Für das Jahr 2000 hätten die Haffas zunächst einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von mehr als 300 Millionen Euro angekündigt, so die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. In der Folge hätten die Brüder dann bewusst falsche Halbjahreszahlen vorgelegt und wider besseres Wissen vor Investoren und in Interviews immer wieder ihre falschen Prognosen bekräftigt. Erst Anfang Dezember 2000 senkte EM.TV die Gewinnprognose vor Steuern und Zinsen auf 50 Millionen Euro. Tatsächlich machte der Konzern im Jahr 2000 dann rund 1,4 Milliarden Euro Verlust.

Vor allem die Kleinanleger setzen große Hoffnungen in das Verfahren. Ihre Chancen, nach einer Verurteilung zumindest einen Teil ihrer Verluste auf dem Zivilrechtsweg einklagen zu können, würden nach Einschätzung von Aktionärsschützern im Falle einer Verurteilung deutlich steigen. Bislang hatten die Gerichte nahezu alle Schadenersatzklagen abgeschmettert.



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