Bewertungsverlust Sachsen LB droht Schaden von 500 Millionen Euro

Kein Ende der US-Hypothekenkrise: Nach der Industriebank IKB soll jetzt auch die Sachsen LB vor einem Verlust von 500 Millionen Euro stehen. Grund sind ebenfalls Geschäfte mit zweitklassigen Immobilienkrediten.


Hamburg - Die Sachsen LB soll nach Informationen des SPIEGEL über eine irische Gesellschaft in den USA in sogenannte Subprime-Kredite in Höhe von über drei Milliarden Euro investiert haben. Aus dem Geschäft mit den zweitklassigen Immobilienkrediten drohen nun Bewertungsverluste von mindestens 500 Millionen Euro.

Hauptgebäude der Sachsen LB: Landesbanken stützen mit 17,3 Milliarden Euro
DPA

Hauptgebäude der Sachsen LB: Landesbanken stützen mit 17,3 Milliarden Euro

Um die Liquidität der öffentlich rechtlichen Bank zu sichern, sind die Deka Bank sowie die anderen Landesbanken gestern mit einem Kreditrahmen von 17,3 Milliarden Euro beigesprungen. Dafür verlangten und erhielten die Banken eine Garantieerklärung des Landes Sachsen.

Die Sachsen LB dementierte die Informationen allerdings. "Das ist Unsinn", sagte ein Banksprecher heute. "Wir erwarten keine erhöhten Wertberichtigungen aus dem gemanagten Portfolio", fügte er hinzu. Die SachsenLB ist die zweite deutsche Bank nach der IKB, die wegen der Folgen der US-Hypothekenkrise mit Milliardengarantien gestützt werden muss.

Die von der Landesbank-Tochter Sachsen LB Europe verwaltete Gesellschaft Ormond Quay habe sich aufgrund des derzeit schwierigen Marktumfelds bei so genannten Commercial Papers (CP) nicht mehr ausreichend refinanzieren können, hieß es. Die Bonität der gesamten Bank sei dadurch in Frage gestellt worden. CPs sind Anleihen mit einer sehr kurzen Laufzeit. Durch das Einspringen des Sparkassen-Pools könnten die Papiere nun bei ihrer Fälligkeit eingelöst werden. Dieser Pool bestehe "primär" aus Landesbanken, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Einbußen durch US-Engagement

Bei der Mittelstandsbank IKB war vor etwa drei Wochen Ähnliches passiert: Die Bank hatte sich mit einem Fonds am US-Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen verspekuliert und musste von ihrem Hauptaktionär - der staatseigenen Förderbank KfW - mit einer Liquiditätslinie von 8,1 Milliarden Euro gestützt werden. Die KfW erwartet bei der IKB aus heutiger Sicht einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro aus dem US-Engagement. Die Summe wird zu 70 Prozent von der KfW aufgebracht, 30 Prozent übernehmen die Verbände von privaten Instituten, Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Auf die ohnehin als finanzschwach geltende Sachsen LB kommen durch das US-Engagement Ergebniseinbußen zu. Die Umstellung der Refinanzierung der Ormond-Quay-Struktur wird das Jahresergebnis der Sachsen LB belasten", teilte die Bank mit. Der Freistaat Sachsen betonte, für alle möglicherweise aus dem Fonds entstehenden Verluste zu haften. Ormond Quay unterliege der sogenannte Grandfathering-Regelung. Diese besagt, dass das Land bis zum Jahr 2015 Garantien für alle Verbindlichkeiten der Bank gewährt. Die Regeln wurden nach dem Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung im Jahr 2005 vereinbart.

Die Finanzaufsicht BaFin begrüßte die schnelle Lösung. Dies zeige die Solidarität der deutschen Banken vor einem derartigen Problem. "Die Sparkassen-Finanzgruppe hat damit erneut schnell, marktgerecht und verantwortungsvoll ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt", sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Für die anderen von der SachsenLB betreuten Zweckgesellschaften - Georges Quay und Sachsen Funding - sei ausreichend Liquidität vorhanden, teilte die Landesbank mit. Die daraus entstehenden Finanzierungsverpflichtungen könnten erfüllt werden.

sam/Reuters



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