Bieter-Wettstreit Allianz prüft Kauf von Postbank

Deutsche Bank, Commerzbank - und jetzt auch die Allianz: Europas größter Versicherer hat einen Zeitungsbericht zufolge Interesse am Kauf der Postbank. Dem drohenden Preiswettkampf kann der Konzern entspannt entgegenblicken: 2007 fuhr er einen Rekordgewinn ein.


Frankfurt - Postbank kaufen, Dresdner Bank verkaufen? Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge plant die Allianz ein Gebot für die Postbank abzugeben. Der Versicherungskonzern könne damit elegant seine Probleme mit der Dresdner Bank lösen. 2007 hatte sich der Betriebsgewinn der Banktochter auf 730 Millionen Euro halbiert.

Allianz: Aktionären winkt fette Dividende
DPA

Allianz: Aktionären winkt fette Dividende

Dem Bericht zufolge hat es bereits erste Gespräche mit der Post gegeben. Auch mit der Deutschen Bank und der niederländischen ING habe der Logistikkonzern Kontakt wegen der Postbank gehabt, berichtet die "FTD". Interesse an der größten deutschen Filialbank bekundeten auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Der neue Post-Chef Frank Appel hatte kürzlich erklärt, die Entscheidung zur Zukunft der Postbank gehöre zu seinen vordringlichen Aufgaben. Appels Vorgänger Klaus Zumwinkel, der wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung zurückgetreten war, hatte angekündigt, nach dem Wegfall des deutschen Briefmonopols Anfang 2008 über die Zukunft des Instituts zu entscheiden.

Einem Bieterwettkampf dürfte Allianz-Chef Michael Diekmann relativ gelassen entgegenblicken: 2007 fuhr der Versicherer den Rekordgewinn von acht Milliarden Euro ein - eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg leicht auf gut 102 Milliarden Euro. Den Löwenanteil trug die Schadens- und Unfallversicherung bei. Das stärkste Wachstum verzeichneten die Lebens- und Krankenversicherung sowie die Vermögensverwaltung. Das Eigenkapital der Allianz-Gruppe sank von 50 auf 48 Milliarden Euro.

Den Aktionären winkt dank der guten Ergebnisse eine fette Dividende: Der Versicher kündigte an, für das abgelaufene Jahr seine Dividende um 45 Prozent auf 5,50 Euro zu erhöhen.

Als Sorgenkind bezeichnete Diekmann die Dresdner Bank: Zwar sei das Versicherungsgeschäft rund gelaufen, aber der Bereich Investmentbanking wurde von den Turbulenzen am Kreditmarkt gebeutelt und musste 1,3 Milliarden Euro abschreiben. Daraus zieht die Allianz nun ihre Konsequenzen und streicht bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort 450 Arbeitsplätze. Sie beschäftigt weltweit rund 6000 Mitarbeiter.

sil/AFP/Reuters/AP



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