Bieterkonsortium Gerangel um Flugsicherung

Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Deutsche Flugsicherung privatisiert werden. Die größte Airline des Landes und der größte Touristikkonzern wollen diese Chance nutzen - und zusammen mit anderen Partnern ein Gebot abgeben.


Frankfurt am Main - Lufthansa Chart zeigen-Chef Wolfgang Mayrhuber selbst bestätigte heute die Absichten, ein Konsortium deutscher Unternehmen aus der Luftfahrt und Touristikbranche zu bilden. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, diese nationale Lösung diene auch dazu, den Einstieg eines internationalen Finanzinvestors zu verhindern. "Wir sind bereit, in einem Konsortium mitzuinvestieren." Auf jeden Fall müsse man verhindern, dass ein ausländisches Unternehmen zum Zuge komme, das überhöhte Renditeansprüche erfüllen wolle.

Lufthansa-Jumbo in Frankfurt: Kleinere Airlines sorgen sich
DPA

Lufthansa-Jumbo in Frankfurt: Kleinere Airlines sorgen sich

Auch TUI-Chef Michael Frenzel bekundete gegenüber der "Financial Times Deutschland" Interesse, sich über die Tochter Hapag-Fly an einem Bieterkonsortium zu beteiligen. Zu den Partnern, die über ein gemeinsames Gebot nachdenken, gehören außerdem Air Berlin, dba, und die LTU. Vertreter der fünf Unternehmen kommen heute in Frankfurt am Main zu einem Arbeitstreffen zusammen. Eine Entscheidung wird dort aber noch nicht erwartet.

Der Privatisierungsprozess bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) wird von den kleineren Airlines und der TUI mit Argusaugen beobachtet. Sie fürchten eine mögliche Dominanz der Lufthansa und wollten ihr nur einen Anteil von weniger als 50 Prozent zugestehen. So sagte Frenzel, wichtig sei, dass die DFS-Anteile über mehrere Partner verteilt würden und keiner eine Mehrheit halte - das würde zu "Verwerfungen" führen. Wenn eine Fluggesellschaft eine Majorität erlange, könnte sie die Möglichkeit haben, bei Konkurrenten höhere Gebühren für die Lotsendienste durchzusetzen, warnte der TUI-Chef.

Drei-Viertel-Privatisierung geplant

Auch ein dba-Sprecher sagte: "Es geht darum, dass wichtige Fluggesellschaften bei Fragen der Flugsicherung - wie Gebühren und Qualität - mit im Boot sind." Die Flugsicherung habe eine Monopolstellung, und es sei wichtig, dass die wichtigsten Kunden beteiligt seien. In anderen Ländern wie Großbritannien und Frankreich seien die Fluggesellschaften auch an den Flugsicherungen beteiligt.

Die DFS soll nach den Plänen der Bundesregierung 2006 zu drei Viertel privatisiert werden. Einen Einstieg erwägt auch der größte deutsche Baukonzern Hochtief, der im In- und Ausland bereits an einigen Flughäfen beteiligt ist. Ob die Privatisierung noch 2006 über die Bühne geht, ist offen. Branchenexperten erwarten einen Kaufpreis von mehreren hundert Millionen Euro.



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