Bilanz Der Einzelhandel sieht Licht am Ende des Tunnels

Weihnachten sei Dank: Die Kaufleute können das Jahr 2000 als Erfolg verbuchen. Die Internet-Händler blieben von der befürchteten Katastrophe verschont.


AP

Berlin - Der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, sagte, der Einzelhandel erwarte für das Gesamtjahr 2000 einen Umsatz, der nominal wie real um zwei Prozent über dem des Vorjahres liege. Auch das Weihnachtsgeschäft sei mit einem Umsatz von etwa 27 Milliarden Mark um zwei Prozent höher als 1999. Dieser Zuwachs sei zwar keine Trendwende, aber ein Hoffnungsschimmer, sagte Franzen.

Erleichterung für die Internet-Händler

Auch die deutschen Internet-Händler blicken auf ein gelungenes Weihnachtsgeschäft zurück. "Wir sind mit unserem Online-Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. Wir werden unser Ziel deutlich übertreffen, dieses Jahr insgesamt Bestellungen im Wert von 500 Millionen Mark allein über 'quelle.de' zu erzielen", sagte der Vertriebsvorstand der Quelle AG, Mirko Meyer-Schoenherr, der Zeitung "Die Welt". Eine ähnlich positive Bilanz zieht danach die Metro-Tochter "Primus Online": Die avisierte Marke von 100 Millionen Mark Umsatz für das Gesamtjahr sei schon vor einigen Wochen übersprungen worden. "Bis zum Jahresende werden wir insgesamt 150 Millionen Mark erreichen", erklärt Geschäftsführer Thomas Schulte-Huermann. "Allein im Weihnachtsgeschäft haben wir die Verkäufe verfünffacht."

Auch der Online-Buchhändler amazon.de zeigte sich mit dem Geschäft in der traditionell umsatzstärksten Zeit des Jahres zufrieden. Amazon-Deutschland-Chef Philipp Humm sagte, mit etwa 150 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum seien seine hohen Erwartungen noch einmal deutlich übertroffen worden. Amazon-Konkurrent BOL hat nach eigenen Angaben den Umsatz in der Adventszeit sogar verfünffacht.

"Virtuelle Händler nicht mehr wegzudenken"

Nach HDE-Berechnungen haben die Deutschen im Weihnachtsgeschäft für etwa 150 bis 200 Millionen Mark im Internet eingekauft. Gemessen am gesamten Weihnachtsgeschäft, das dieses Jahr etwa 27 Milliarden Mark erreicht, seien das zwar nur 0,75 Prozent, gegenüber 1999 aber schon eine Verdreifachung.

Michael Mollenhauer, Vize-Präsident der Unternehmensberatung A.T. Kearney, sagte: "Die virtuellen Händler sind nicht mehr wegzudenken und entwickeln sich zu einer ernsthaften Alternative." Wichtig sei vor allem, "dass die Zahl der Käufer im Verhältnis zur Zahl der Nutzer stark gestiegen ist", so der Berater.

Logistik bleibt die Achillesferse

Entscheidend für den langfristigen Erfolg der Internet-Händler dürfte allerdings sein, inwieweit sie ihre Logistik-Probleme wirklich lösen können. Und da werde den Kunden zum Beispiel in Erinnerung bleiben, ob vor Weihnachten jedes Geschenk rechtzeitig ausgeliefert wurde. 1999 warteten zahlreiche Kunden noch vergeblich. "Inzwischen haben viele Anbieter ihre Hausaufgaben gemacht und ihren Service deutlich verbessert. Aber ganz reibungslos lief der Versand auch in dieser Adventszeit nicht", sagte Mollenhauer.

Die Firmen zumindest beteuern, nahezu alle Wünsche erfüllt zu haben. "Bei uns waren am Freitag 99,8 Prozent aller Bestellungen aus dem Lager an die Post ausgeliefert", so Amazon-Chef Humm. Konkurrent BOL hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr extra eine eigene Logistik aufgebaut und die Zahl der Schichten im Lager erhöht, um alle Bestellungen rechtzeitig auszuliefern.



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