Bilanz der Luftfahrtmesse Trotz Rekord-Auftragswelle - bei Airbus wird hart weitersaniert

Es war laut Airbus die erfolgreichste Luftfahrtmesse jemals: In Le Bourget heimste der Flugzeugbauer hunderte von Bestellungen ein. Forderungen von Gewerkschaften, das Sanierungsprogramm "Power 8" abzumildern, erteilte das Management aber sofort eine Absage.


Paris – Airbus im Messerausch: Der europäische Flugzeugbauer vermeldete heut insgesamt 405 feste Bestellungen plus 303 Kaufabsichten für weitere Maschinen. Damit stehen im bisherigen Jahresverlauf in den Airbus-Auftragsbüchern 600 feste Bestellungen: Die Europäer haben damit ihre amerikanischen Konkurrenten abgehängt, die lediglich auf 510 kommen. Die Bilanz des kommerziellen Teils der Messe sei die beste jemals, erklärte Airbus-Verkaufschef John Leahy.

A380 bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget: Airbus liegt bei Bestellungen wieder vorn
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A380 bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget: Airbus liegt bei Bestellungen wieder vorn

Das Interesse der Kunden am Superjumbo A380 habe sich mit 13 zusätzlichen Aufträgen und Absichtserklärungen gekräftigt, hieß es. Wichtig für Airbus ist aber auch das Kundeninteresse am geplanten A350 XWG im hart umkämpften Segment der mittelgroßen Langstreckenflugzeuge. Insgesamt verbuchte Airbus 141 feste Bestellungen und 52 Kaufabsichten für den A350. Der neue Airbus geht erst ab 2013 an die Kunden, fünf Jahre später als das US-Konkurrenzmodell 787 Dreamliner. Beide Maschinen sind die ersten auf dem Markt, die zum großen Teil aus Kohlefaserverbundstoffen gefertigt werden. Deswegen sind sie leichter und verbrauchen weniger Sprit.

Nach der Auftragsflut auf der Pariser Luftfahrtschau rechnet der Flugzeugbauer dieses Jahr mit 900 festen Bestellungen. Damit wäre der Auftragseingang doppelt so hoch wie die schon am Limit laufende Flugzeugproduktion. Auch für die nächsten Jahre rechnet Airbus-Chef Louis Gallois mit einem regelrechten Boom in der Branche. "In den kommenden zwei bis drei Jahren mangelt es uns an Lieferkapazität. Wenn wir für 2009 noch Kapazitäten für die A320 frei hätten, könnte ich wesentlich mehr Flugzeuge verkaufen", sagte Gallois dem "Handelsblatt". "Wir teilen die Ansicht von Boeing, dass dieser Aufschwung länger andauern wird als die Boomphasen zuvor."

Die Nachfrage aus Asien sei immer noch sehr dynamisch und die großen US-Gesellschaften müssten ihre Flotten erneuern. "Dank ihrer finanziellen Gesundung haben sie jetzt auch die Mittel, das zu tun", sagte der Franzose. Zur besseren Anpassung der Produktionskapazität an die Konjunkturzyklen habe "ein signifikanter Teil unserer Beschäftigten Zeitverträge, um uns eines Tages einem möglichen Abschwung anpassen zu können", fügte er hinzu.

"Power 8" nötiger denn je

Nach der erfolgreichen Messe forderten deutsche und französische Gewerkschaften, das jüngst aufgelegte Sanierungsprogramm "Power 8" abzumildern. "Wir haben Airbus-Chef Louis Gallois aufgefordert, dass er auf ' Power 8' und insbesondere alle schwierigen Maßnahmen wie den Verkauf von Werken verzichtet", erklärte so etwa die Gewerkschaft Force Ouvriere. Wenn Gallois nicht hören wolle, müsse man "die Forderung härter stellen". Die Gewerkschaft CFE-CGC erklärte, die geplanten Stellenstreichungen würden die Lieferpläne gefährden, die Gallois selbst mit den Kunden auf der Messe vereinbart habe. Der Abbau von 10.000 Jobs über das Sparprogramm Power8 sei "nicht realistisch", sagte auch der Sprecher der IG-Metall Küste, Daniel Friedrich, in Hamburg.

Airbus-Verkaufschef Leahy hielt dem entgegen, "Power 8" sei "nötiger denn je", um die Aufträge zu bewältigen. "Wir schlagen Boeing bei den Verkäufen, aber nicht bei den Kosten", sagte Leahy auf der Messe in Le Bourget bei Paris. Anders als Boeing müsse Airbus die Hälfte seiner Kosten in Euro decken. "Power 8" sieht bis 2010 den Abbau von 10.000 Verwaltungsstellen, strukturelle Kostensenkungen von 2,1 Milliarden Euro pro Jahr und die Freisetzung von mehreren Milliarden an Barmitteln vor. Dies soll auch über den Verkauf von Werken und die Verlagerung von Fertigung an konzernfremde Partner geschehen.

ase/AP/dpa-AFX



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