Bilanzbetrug Xerox steht am Pranger

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat ein Verfahren gegen den US-Drucker- und Kopiergerätehersteller Xerox eröffnet. Dessen Manager sollen kräftig die Gewinn- und Umsatzzahlen frisiert haben.


Xerox-Hauptsitz in Stamford, Connecticut
Xerox

Xerox-Hauptsitz in Stamford, Connecticut

Stamford - Angesichts der nicht abreißenden Kette von Bilanzskandalen könnte man meinen, der amerikanische Wirtschaftsboom der letzten Jahre habe sich vor allem auf einer Methode begründet: Führungskräfte frisierten nach Lust und Laune die Gewinn- und Umsatzzahlen, um so das Konzernergebnis und die Aktienkurse in die Höhe zu treiben.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC verdächtigt bereits seit zwei Jahren den Kopiergerätehersteller Xerox, seine Bilanzen gefälscht zu haben. Nun hat die Behörde am Montag ein formelles Verfahren gegen das Unternehmen eröffnet.

6,4 Milliarden Dollar soll Xerox erfunden haben, um die Umsätze des Unternehmen in den Geschäftsjahren von 1997 bis 2001 künstlich aufzublähen. Laut Verdacht der SEC hat die Führungsetage von Xerox vier Jahre lang ein System aufgebaut, mit dem sie die tatsächlichen Ertragsergebnisse verschleierte, um die Verkaufszahlen der Kopierer und den anderen Produkten in die Höhe zu treiben.

Neben den frisierten Umsätzen soll das Unternehmen, dass immense Schulden hat und unter mächtigem Konkurrenzdruck steht, mit raffinierten Buchungstricks auch seine Gewinne um 36 Prozent oder 1,5 Milliarden Dollar kräftig aufgebläht und so die Anleger hinters Licht geführt haben. Weder Xerox noch die SEC wollten am Montag eine Stellungnahmen abgeben.

Seit mehr als zwei Jahren hat die SEC den Verdacht, dass beim Kopiererhersteller nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Im April einigte sich Xerox mit den SEC-Ermittlern auf einen paradoxen Vergleich, woraufhin der Konzern zehn Millionen Dollar Strafe zahlte und im Gegenzug eine Schuld an den Unregelmäßigkeiten nicht offen zugeben musste. Es war die höchste Zivilstrafe für Bilanzverstöße, die es bisher in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte gegeben hatte.

Auch der Telekommunikationskonzern WorldCom hatte im Juni eingestanden, rund 3,8 Milliarden Dollar falsch verbucht zu haben.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.