Billig-Airline Deutsche BA für einen Euro verkauft

Die Krise in der Airline-Branche treibt bizarre Blüten: Die Deutsche BA, zweitgrößte Fluglinie der Nation, wird an den Textil-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl verkauft. Sonderlich viel zahlen muss er dafür nicht.


Deutsche BA: Günstig zu haben, aber vielleicht trotzdem kein Schnäppchen:

Deutsche BA: Günstig zu haben, aber vielleicht trotzdem kein Schnäppchen:

München - Nachdem der Verkauf der DBA an den Billigflieger easyJet im März gescheitert ist, wollte die Mutter British Airways wohl vor allem eines: Die seit einem Jahrzehnt chronisch defizitäre deutsche Tochter loswerden - um jeden Preis und schnell.

Dementsprechend konnte der Investor Hans Rudolf Wöhrl auch beeindruckende Konditionen herausschlagen: Er übernimmt den größten innerdeutschen Lufthansa-Konkurrenten zu einem symbolischen Kaufpreis von einem Euro, wie BA am Montag nach der Vertragsunterzeichnung mitteilte. British Airways wird zudem die Leasingkosten von drei Millionen Euro monatlich für die Maschinen für ein Jahr übernehmen - und 35 Millionen Euro zum operativen Geschäft beisteuern.

Der Luftfahrt-Liebhaber greift zu

Im Gegenzug soll British Airways bis Juni 2006 mit 25 Prozent am Gewinn beteiligt werden - wenn die DBA denn überhaupt Profite einfliegt. Auch wenn Wöhrl die Airline weiter verkauft, soll die BA ein Viertel der Erlöse erhalten. Für die zuletzt 800 Beschäftigten und die Passagiere werde sich durch den Besitzerwechsel nichts ändern, verspricht British Airways.

Der Textilunternehmer hatte 1970 gemeinsam mit seinem Bruder die Modehaus-Kette Rudolf Wöhrl von den Eltern übernommen und ist seit der Umwandlung des Unternehmens in eine Familien-AG 2002 Aufsichtsratschef. Das Unternehmen mit Sitz in Nürnberg hat fast 40 Filialen vor allem in Süddeutschland und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 350 Millionen Euro. Wöhrl übernimmt die DBA über seine Luftfahrtberatungsgesellschaft Intro Verwaltungsgesellschaft. Er gilt als leidenschaftlicher Luftfahrt-Freund.

Hektisch das Ruder rumgerissen

Bereits 1974 hatte Wöhrl den Nürnberger Flugdienst gegründet, aus dem später die Luftfahrtgesellschaft Eurowings hervor gegangen ist - inzwischen eine Beteiligung der Lufthansa und seinerseits Mutter der Billigairline GermanWings. Bei der DBA war Wöhrl nach Angaben des Unternehmens jahrelang Mitglied des Beirats, daher kenne er die Fluggesellschaft gut. Welche Funktion er künftig übernehmen will, ist noch unklar. Der neue Eigentümer ist mit der bekannten CSU-Bundestagsabgeordneten Dagmar Wöhrl verheiratet.

Sparsamer Investor Wöhrl vor dem Knopf-Logo seiner Firma: Zurück im Fluggeschäft
DPA

Sparsamer Investor Wöhrl vor dem Knopf-Logo seiner Firma: Zurück im Fluggeschäft

Die Deutsche BA mit Sitz in München bietet täglich 130 Flüge unter anderem zwischen den Städten Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn, München und Stuttgart an. Sie war 1992 gegründet worden, um innerdeutsch gegen den Ex-Monopolisten Lufthansa anzutreten. Seither hat das Unternehmen mit zuletzt 16 Flugzeugen der britischen Mutter aber nur Verluste beschert, deren genaue Höhe nicht veröffentlicht wurde. Die DBA hatte im vergangenen Frühjahr die Umwandlung in eine Billig-Airline beschlossen, den Service eingedampft und die Preise gesenkt.

Mehr Passagiere, weniger Umsatz

Dadurch stieg zwar die Auslastung zunächst deutlich an, die Passagierzahl stieg auf über drei Millionen jährlich. Gleichzeitig brachen die Umsätze ein, während die Kosten langsamer sanken. Im Mai hatte easyJet dann die Option zur Übernahme abgeschlossen. Nach kontroversen Verhandlungen mit der Piloten-Vereinigung Cockpit entschied sich das Management des Billigfliegers, die Option nicht auszuüben und einstweilen nicht auf den deutschen Markt vorzudringen.

Den letzten Wechsel im Management der DBA hatte es im Januar gegeben, als der langjährige Chef Adrian Hunt überraschend aus dem Amt schied; sein Nachfolger wurde der Engländer Martin Wyatt.

Wöhrl will die gnadenlosen Preiskämpfe nicht mitmachen. Ziel müsse es sein, nicht die billigste Airline zu sein, sondern das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bieten. "Konsequent wird die dba daher auf die im Markt üblich gewordenen Marketing-Gags mit kaum buchbaren Lockangeboten verzichten", kündigte er an. Der Verkauf soll am 1. Juli abgeschlossen sein.



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