Billig-Konkurrenz Lufthansa offensichtlich vor Strategiewechsel

Die Deutsche Lufthansa steigt möglicherweise bei einer Billigfluglinie ein. Damit würde sie ihr bisheriges Bekämpfungskonzept aufgeben und selber vom wachsenden Markt profitieren.


Lufthansa: Holt sie bald die Billig-Konkurrenz in den eigenen Flieger?
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Lufthansa: Holt sie bald die Billig-Konkurrenz in den eigenen Flieger?

Frankfurt am Main - Lufthansa-Sprecher Michael Lamberti bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht des "Handelsblattes", der sich auf ein internes Papier und den für Netzmanagement zuständigen Vorstand Ralf Teckentrup bezieht. "Es gibt diese Schublade, und in der liegt auch was drin", sagte Lamberti. Konkrete Pläne für einen Einstieg oder auch nur mögliche Kandidaten gebe es jedoch nicht. "Aber wir haben das in Gedanken schon durchgespielt."

Die Lufthansa überwache "mit Argusaugen" den Markt. Es gebe Schätzungen, wonach Billigflieger in den nächsten vier bis fünf Jahren ihren Anteil am europäischen Markt um drei bis sechs Prozent steigern könnten, sagte Lamberti. "Das kann uns nicht kalt lassen. Daher sind wir wachsam."

Angesichts hoher Anlaufkosten von 40 bis 80 Millionen Mark habe das Unternehmen aber vom Aufbau einer eigenen Marke Abstand genommen, berichtet die Zeitung. Eine Lösung könnte der direkte Einstieg in einen der vielen bestehenden Konkurrenten sein. Teckentrup bestätigte zwar nicht entsprechende Ansätze, nannte sie aber "eine interessante Option."

Eine Kooperation allein würde keinen Sinn machen, zitiert das Blatt den Manager weiter. "Notwendig wäre dann auf jeden Fall eine finanzielle Beteiligung an einer Billig-Airline, um die Renditen im Markt abschöpfen zu können." Zu konkreten Verhandlungen wollte er keine Angaben machen.

Börsennotierte Gesellschaften gelten aber immer als Übernahmekandidaten. Die Lufthansa könnte also von Ryanair oder Virgin Express die Aktienmehrheit kaufen. Auch Easyjet wird laut dem Bericht ab Herbst an der Börse zu haben sein.

Bisher bekämpft die Lufthansa ihre "Billig"-Konkurrenten nur auf ausgewählten Strecken. So steuert sie jetzt auch London Stansted an. Dieser Flughafen nördlich von London ermöglicht wegen seiner geringeren Größe günstigere Aufenthalte für die Gesellschaften als zum Beispiel Heathrow. Das macht ihn zum beliebten Anflugsziel und auch zum Heimathafen einiger Billig-Airlines.

Laut "Handelsblatt" flog die Lufthansa im vergangenen Jahr sogar für 50 Pfennig weniger von München nach London Stansted. Ryanair und Go hätten allerdings bei der EU Beschwerde gegen die Preispraktiken der deutschen Fluggesellschaft eingelegt, hieß es weiter. Sie missbrauche ihre Marktmacht, um die möglicherweise nicht kostendeckenden Preise zum Beispiel der Strecke München-London Stansted zu finanzieren.



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