Billigbibeln Globalisierung, Gott und Geld

Kein Buch verkauft sich so gut wie die Bibel. Trotzdem geht es den kirchlichen Verlagen nicht gut: Weltliche Unternehmen überschwemmen den Markt mit Billigexemplaren. Jetzt wird auch noch das Dünndruckpapier teurer - weil die Chinesen so viel rauchen.

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Stuttgart - Es ist der Traum eines jeden Verlags: ein Buchmanuskript, das für ewige Einnahmen sorgt. Das sich über die Jahre millionenfach verkauft, ohne dass Werbung gemacht oder der Text immer wieder überarbeitet werden muss. Und das den Verlag reich macht.

Billigbibel bei Aldi: "Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft"
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Billigbibel bei Aldi: "Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft"

"Wenn das nur so einfach wäre", sagt Felix Breidenstein. Der promovierte Jurist arbeitet für einen Verlag, der die Rechte an so einem Buch besitzt - Breidenstein ist Geschäftsführer der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart, die insgesamt 60 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bibel ist ein Dauerbestseller, Werbung gibt es für das Produkt höchstens sonntäglich von der Kanzel. Trotz der Rechte an diversen Luther-Übersetzungen, die die Bibelgesellschaft hält, sei das mit dem Geld so eine Sache, sagt Breidenstein.

Zum Beispiel wegen China. Denn die Globalisierung sorgt selbst in der Bibelbranche für Kostendruck. Weil die Chinesen immer mehr rauchen und der Bedarf an Zigarettenpapier entsprechend steigt, wird das Dünndruckpapier teurer, sagt Breidenstein. Die Produktionskosten steigen dadurch. Aber die Verlage reagieren: Der deutsche Marktführer Bibelgesellschaft - 400.000 verkaufte Bibeln pro Jahr allein in Deutschland - lässt inzwischen auch in Brasilien, Indonesien und China drucken. "Den überwiegenden Teil produzieren wir aber in Deutschland", sagt Breidenstein.

Das Unternehmen denkt global: Die Deutsche Bibelgesellschaft ist einer der wenigen Verlage, der die Bibel auch in Ursprache - Griechisch und Hebräisch - verlegt. "Die ist in erster Linie für Studienzwecke gedacht", erklärt Jan Bühner aus der Geschäftsleitung. "In diesem Bereich sind wir Weltmarktführer, die USA sind hier unser größter Markt." Es gebe zwar noch ein paar kommerzielle Verlage, die ursprachliche Bibeln verlegten, allerdings in weitaus geringerer Stückzahl als die Stuttgarter.

Besser als "Harry Potter"

Weltweit werden Schätzungen zufolge jährlich 20 Millionen Bibel-Exemplare verkauft. Laut Weltbund der Bibelgesellschaften boomen vor allem die Märkte in Brasilien und Nigeria, neuerdings auch in China; in Simbabwe ist der Bibelmarkt - wie vieles andere auch - gänzlich zusammengebrochen.

Teile des Textes, insbesondere das Neue Testament, sind inzwischen in 2426 Sprachen übersetzt. In 429 Sprachen liegt der vollständige Bibeltext vor. Kein Buch kommt an diese Zahlen heran. Nicht mal "Harry Potter", wie Mitarbeiter der Bibelgesellschaft stolz sagen. Dass die Bibel nicht dauerhaft auf Platz eins der Bestsellerlisten steht, liegt nur daran, dass sich die Berechner solcher Rangfolgen dafür entschieden haben, dieses Buch - und den Duden - unberücksichtigt zu lassen. Sonst wären solche Listen dauerhaft langweilig.

Immer mehr Verlage entdecken, dass sich mit dem Buch der Bücher am Ende doch gut verdienen lässt. Sie bringen es als dicken Schinken in die Discounter, Tankstellen und Bahnhofskioske. Erlaubt sind allerdings nur Übersetzungen, die rechtlich nicht mehr geschützt sind. Während die evangelische Bibelgesellschaft und das Katholische Bibelwerk als gemeinnützige Unternehmen eine Null am Ende des Geschäftsjahres zum Ziel haben und dies, wie sie betonen, ohne Hilfe der Kirchen, sondern allein aus Einnahmen und Spenden erreichen, wollen andere ein gutes Geschäft machen. Und das funktioniert mit den bis zu 3000 Jahre alten Texten der Bibel durchaus.



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