Billigflieger-Allianz Air Berlin verbündet sich mit Niki Laudas Airline

Air Berlin steigt mit einem Anteil von 24 Prozent bei der Fluglinie Niki ein. Die Allianz soll der neuen Gesellschaft des Ex-Formel 1-Piloten Niki Lauda Starthilfe geben.


 Air Berlin: Sommerflugstunden als Sahnehäubchen
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Air Berlin: Sommerflugstunden als Sahnehäubchen

Wien - Die österreichische Fluglinie Niki ist bereits der dritte Anlauf Laudas, im Fluggeschäft Fuß zu fassen. Nach zwei erfolglosen Versuchen mit Lauda Air hatte er erst im November vergangenen Jahres die insolvente österreichische Tochter von Aero Lloyd übernommen und sie zur Luftfahrt GmbH Niki umgebaut. Gemeinsam mit Air Berlin will Lauda jetzt den österreichischen und osteuropäischen Markt erobern.

Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen ist die erste europäische Allianz im Billigflugsektor. Dabei wird Air Berlin 24 Prozent der österreichischen GmbH erwerben, kündigte ihr Sprecher Joachim Hunold am Freitag in Wien an. Das Unternehmen werde für Niki den Vertrieb und das Streckenmarketing übernehmen.

Lauda bezeichnete die Allianz als vernünftige Lösung, eine Kooperation mit einem britischen Partner sei für ihn nicht in Frage gekommen. "Das Billigflug-Geschäft ist für mich die Zukunft in Europa", sagte er. "Der nächste Schritt war, einen richtigen Partner zu finden." Air Berlin habe die gleiche "Kultur" wie sein Wiener Unternehmen.

"Wir haben bei dieser Allianz echte Synergieeffekte", so Air-Berlin-Sprecher Joachim Hunold. "Lauda hat die Kapazität, die wir nicht haben." Die Air Berlin-Maschinen seien pro Jahr 4200 Stunden in der Luft, bei Lauda seien bisher 3600 Stunden geplant. "Diese anderen Stunden können wir im Sommer als Sahnehäubchen nutzen", erklärte Hunold.

Warschau - Palma für 29 Euro

Air Berlin stieg mit 9,6 Millionen beförderten Passagieren im vergangenen Jahr zur zweitgrößten deutschen Airline nach der Lufthansa und zum drittgrößten Billigflieger in Europa auf. Die Airline fliegt von 18 deutschen Flughäfen insgesamt 42 Ziele in Europa an. Hauptstütze des Unternehmens ist der so genannte Mallorca Shuttle: Auf dem Ferienairport in Palma ist Air Berlin Marktführer.

Auch der Flugzeughersteller Airbus dürfte die Entwicklung der neuen Gesellschaft mit großem Interesse verfolgen. Bisher hatte Air Berlin allein auf den US-Hersteller Boeing gesetzt. Unternehmenssprecher Hunold hatte jedoch kürzlich erklärt, das Unternehmen sei bei der geplanten Erweiterung um 40 bis 60 neue Maschinen auch für Angebote von Airbus offen. Mit den jetzt zwei und später vier Maschinen Laudas hat Air Berlin nun Maschinen diesen Typs. "So kommt in die Gespräche für neue Bestellungen richtig Schub", sagte Hunold am Freitag.

Den Zusammenschluss mit Niki will Air Berlin nutzen, um in den osteuropäischen Markt einzusteigen, denn ab Mai diesen Jahres hat das Unternehmen Flugrechte in den potentiellen EU-Beitrittsländern. Dann sollen auch von dort Billigflüge nach Mallorca angeboten werden. "Denkbar ist etwa eine Linie Warschau - Palma ab 29 Euro", so Hunold. "Niki in Wien können wir dabei als Tor nach Osteuropa nutzen."

Lauda will selber fliegen

Zunächst soll Laudas Unternehmen aber mit einer Verbindung in das Air Berlin Drehkreuz Palma de Mallorca eingebunden werden. Zudem wird Niki ab dem 16. Februar einen Code-Share-Flug Wien-Düsseldorf übernehmen, auf dem es die Passagiere von Air Berlin befördern wird. Air Berlin fliegt auf dieser Strecke zwei Mal täglich.

Auch Lauda selbst will die Maschinen seiner Airline fliegen. Der dreimalige Formel 1-Weltmeister hatte erst vor kurzem eine Fluglizenz für Airbus-Jets erworben, um selbst einspringen zu können, wenn Not am Mann ist.



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