Bio-Supermärkte Öko-Ikone beschimpft Konkurrenten jahrelang im Netz

Er lebt vegan, betreibt Yoga und meditiert - doch Amerikas Öko-Ikone John Mackey hat auch weniger friedliche Seiten: Jahrelang hat der Chef der Ökosupermarkt-Kette Whole Foods seinen Konkurrenten im Netz mit anonymen Schimpftiraden überzogen.


Dallas - Er nannte sich "rahodeb" und er hatte eine klare Meinung: Als bekennender Bio-Anhänger kaufe er nur bei Whole Foods, der größten Biosupermarkt-Kette der USA. Für den kleineren Konkurrenz-Anbieter Wild Oats hatte der User eines Internetforums für Anleger nicht viel übrig, die Läden seien zu klein, das Unternehmen habe keine Zukunft. Erst jetzt allerdings wurde klar, warum die Meinung des eifrigen Internet-Users nicht besonders überraschend war - war es doch Whole-Foods-Gründer John Mackey selbst, der da schrieb. Das berichtet die "Financial Times".

Eine Whole-Foods-Filiale in San Fransisco: Vom Chef persönlich im Internet angepriesen
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Eine Whole-Foods-Filiale in San Fransisco: Vom Chef persönlich im Internet angepriesen

Von 1999 bis 2006 habe er eine Vielzahl von Beiträgen geschrieben, die sich auf seinen Konzern und das Konkurrenz-Unternehmen Wild Oats bezogen haben, beichtete Mackey demnach gestern auf der Internetseite seines Konzerns. Benutzt habe er dafür den Namen "rahodeb" - ein Pseudonym, mit dem er geschrieben habe, weil er "einfach Spaß daran hatte". Seine Beiträge hätten aber nicht offizielle Meinungen, Richtlinien oder Aussagen des Konzerns dargestellt.

Tatsächlich sorgen die über 1000 Beiträge des Gründers der größten US-Bio-Supermarkt-Kette für Aufregung in der amerikanischen Firmenwelt, wie es in der "FT" weiter heißt - hat er doch ausgiebig über die Konkurrenzfirma hergezogen. Die Aktien des kleineren Wettbewerbers seien zu hoch bewertet, das Management "inkompetent" und "visionslos". Im Gegenzug lobte "rahodeb" schamlos das eigene Unternehmen: "Ich liebe diese Firma und habe einen großen Aktienanteil. Ich kaufe dort ein. Ich stimme mit den Grundsätzen und Werten des Unternehmens überein - was soll daran falsch sein?"

Außerdem spekulierte er ausgiebig, ob Wild Oats demnächst pleitegehen oder aufgekauft werden könnte. Selbst Kritik an seiner Person begegnete er direkt: Als seine neue Frisur im Forum diskutiert und kritisiert wurde, schrieb er dazu: "Ich finde, er sieht süß aus damit." Mackey gilt der "FT" zufolge als Öko-Pionier, seit er vor 27 Jahren die erfolgreiche Bio-Lebensmittelkette Whole Foods gründete. Gemeinsam mit seiner Frau Deborah lebe der 53-Jährige auf einer Ranch in Texas, betreibe regelmäßig Yoga und Meditation und ernähre sich komplett vegan.

"Nicht illegal, aber bizarr"

Dass die Identität des Verfassers jetzt bekannt wurde, liegt daran, dass Whole Foods im Februar die Übernahme von Wild Oak bekannt gab - und seitdem von der US-Handelsaufsicht überprüft wird, die den Kauf verhindern will. Sie befürchtet, dass Mackey mit seiner Biokette den amerikanischen Markt dominieren würde. In mehreren tausend Dokumenten, die die Behörde derzeit sichtet, war auch die wahre Identität von "rahodeb" aufgetaucht - und von der Handelsaufsicht Anfang der Woche veröffentlich worden.

Empörte Anleger werfen Mackey dem Bericht zufolge jetzt vor, mit seinen Hetzereien den Aktienkurs von Wild Oats bewusst gedrückt zu haben. Außerdem soll er in dem Forum Insiderwissen ausgeplaudert haben - was von dem Whole-Foods-Chef aber bestritten wird. Allerdings sollen einige Webnutzer gewusst oder zumindest geahnt haben, dass sich hinter dem überzeugten Bioanhänger ein Topmanager verbarg.

Unter einem Pseudonym sein Unternehmen und den Aktienkurs zu rühmen, sei an sich nicht illegal, sagte Harvey Pitt, ehemaliger Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC dem Blatt. Allerdings sei das Verhalten zumindest bizarr und Mackey schlecht beraten gewesen. Dass die Beiträge im August 2006 abrupt zum Ende kamen, hat sich Mackey allerdings selbst zuzuschreiben: Er hatte mit einem anderen Nutzer gewettet, der Aktienkurs seines Unternehmens würde um 40 Prozent steigen - andernfalls würde er nie wieder einen Beitrag schreiben. Er hat verloren - und seine Wette eingelöst.

sam/AP



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