"Spekulationsblase, Schneeballsystem" Oberste Zentralbank sagt Kryptowährungen den Kampf an

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich will gegen Bitcoin und Co. vorgehen. Die Experten sprechen von einer "Bedrohung für die Finanzstabilität".
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Foto: Lucy Nicholson/ REUTERS

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) fordert eine schärfere Regulierung von Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssten frühzeitig eingreifen, um eine Gefahr für die Finanzstabilität zu verhindern, sagte der BIZ-Generaldirektor, Agustin Carstens, in Frankfurt laut vorab verbreitetem Redetext.

Die BIZ mit Sitz in Basel gilt als eine der mächtigsten Institutionen in der Finanzwelt. Bei der "Superzentralbank" treffen sich regelmäßig die Chefs der großen Notenbanken der Industrieländer, um die Regeln für das internationale Finanzsystem festzulegen.

Der Mexikaner Carstens betonte in seiner Rede nicht nur die wichtige Rolle der Notenbanken, sondern forderte diese auch zum vorbeugenden Handeln auf. "Der kometenhafte Aufstieg von Kryptowährungen sollte uns nicht vergessen lassen, welch wichtige Rolle die Zentralbanken als Verwalter des öffentlichen Vertrauens spielen", heißt es laut Redetext. "Private digitale Wertmarken, die sich als Währungen verkleiden, dürfen dieses Vertrauen nicht untergraben." Deshalb könnten die Zentralbanken es diesen Kryptowährungen nicht erlauben, dieselbe Infrastruktur zu nutzen wie das gesamte Finanzsystem "und von dessen Vertrauen zu schmarotzen".

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Neue Technologien seien zwar sehr vielversprechend, etwa für die Effizienz von Zahlungssystemen, so Carstens. Doch um diese Versprechen wahrzumachen, brauche es keine neuen Währungen. Starke Kursschwankungen, hohe Transaktionskosten und fehlender Verbraucherschutz machten Kryptowährungen unsicher und ungeeignet, um die Funktionen von Geld zu erfüllen. Diese Funktionen sind nach gängiger Definition der Einsatz als Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel.

"Kombination aus Spekulationsblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe"

Besonders harsche Worte fand Carstens für den Bitcoin. Möglicherweise sei dieser ja als alternatives Bezahlsystem gedacht, das ohne die Regierung auskomme. Er sei aber zu "einer Kombination aus Spekulationsblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe" geworden.

Dem Höhenflug des Bitcoin war in den vergangenen Wochen ein jäher Absturz gefolgt. Von seinem Rekordstand bei fast 20.000 Dollar Mitte Dezember hat er sich inzwischen weit entfernt. Am Dienstag fiel er unter 6000 Dollar. Als ein Grund für den Einbruch gelten die immer lauter werdenden Forderungen nach einer Regulierung des bislang weitgehend unkontrollierten Handels.

Die Sorgen der Bitcoin-Anhänger vor stärkerer Regulierung dürften nach den Äußerungen des BIZ-Chefs nun noch einmal zunehmen.

Finanz- und Aufsichtsbehörden müssten möglicherweise eingreifen, um die Finanzstabilität zu gewährleisten, sagte Carstens: "Wenn sie nicht präventiv handeln, könnten sich Kryptowährungen stärker mit dem Hauptfinanzsystem verflechten und so zu einer Bedrohung für die Finanzstabilität werden."

stk

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