Kryptowährungen Bitcoin-Schürfer lassen Kohlekraftwerke wiederauferstehen

Das Kohlekraftwerk Hardin in Montana stand vor dem Aus – jetzt nutzt eine Firma den Strom, um neue Bitcoins zu schürfen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Energiebilanz von Kryptowährungen.
Kohlekraftwerk im US-Bundesstaat New York (Archivbild): überraschendes Comeback

Kohlekraftwerk im US-Bundesstaat New York (Archivbild): überraschendes Comeback

Foto: Ted Shaffrey / AP

Das Schicksal des Kohlekraftwerks von Hardin schien besiegelt. Umweltschützer rechneten fest damit, dass der Meiler im US-Bundesstaat Montana abgeschaltet wird. Schließlich hatte die 115-Megawatt-Anlage in der Nähe des berühmten Schlachtfeldes von Little Big Horn seit Jahren Verluste eingefahren. Bereits im Jahr 2018 hätte das Kraftwerk vom Netz gehen sollen – doch dann fand sich ein unerwarteter Abnehmer für den schmutzigen Kohlestrom: Miner, die Bitcoins schürfen.

Wie der »Guardian« berichtet, hat der Bitcoin-Boom dem totgesagten Kraftwerk ein zweites Leben beschert : Im Jahr 2020 sicherte sich die amerikanische Bitcoin-Mining Firma namens Marathon den Strom aus Hardin und errichtete in der Nähe des Kraftwerks ein Datenzentrum mit mehr als 30.000 Spezialrechnern. Der Meiler ist nur eines von zahlreichen »Zombie«-Kohlekraftwerken, die im Zuge des Bitcoin-Booms in den USA wieder hochgefahren werden – auch das Kraftwerk von Dresden im Bundesstaat New York liefert Strom für Kryptowährungen.

Neue Bitcoins werden mit komplizierten Rechenoperationen »geschürft«, die eine große Menge an Strom verbrauchen. Dem Bericht zufolge war das Kraftwerk von Hardin in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres an 236 Tagen in Betrieb. Allein im zweiten Quartal 2021 blies das Kraftwerk rund 187.000 Tonnen CO₂ in die Luft – das waren 5000 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Hardin arbeite »nahe an der vollen Kapazität«, teilte die Bitcoin-Firma Marathon im Dezember mit. Am ersten Dezember des vergangenen Jahres habe man 34 Bitcoin schürfen können – sie wären beim derzeitigen Kurs rund eine Million Euro wert.

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Das Comeback des Kraftwerks sei ein »Desaster für das Klima«, sagen Umweltschützer. »Hier geht es nicht um alte Damen, die sich zu Tode erfrieren, sondern um die Bereicherung einiger wenigen Menschen, die das Klima für uns alle zerstören«, zitiert der »Guardian« die Umweltschützerin Anne Hedges vom Montana Environmental Information Center.

Die Kritik am Energieverbrauch von Kryptowährungen ist nicht neu, gewinnt durch den Boom von Bitcoin und Co. jedoch an Relevanz. Denn je höher der Bitcoin-Preis steigt, desto mehr Bitcoin-Miner konkurrieren um das Schürfen neuer Münzen. Damit steigen die Komplexität der Rechenaufgaben und somit der Energieverbrauch. Allein das Bitcoin-Netzwerk verbraucht laut Berechnungen der Universität Cambridge derzeit rund 141 Terrawattstunden an Energie pro Jahr  – und damit mehr Strom als Länder wie Norwegen oder die Ukraine.

In der Kryptoszene wird der Energiebedarf immer wieder zum Thema: Als Tesla-Chef Elon Musk im vergangenen Jahr überraschend ankündigte, dass sein Unternehmen doch keine Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren möchte, begründete der Manager dies mit dem hohen Verbrauch an fossilem Brennstoff der Kryptowährungen. Bitcoin-Anhänger verweisen dagegen darauf, dass ein wachsender Anteil von Bitcoins mit erneuerbaren Energien geschürft wird.

Auch Fred Thiel, der Chef der Miningfirma Marathon, weist die Kritik an seiner Branche zurück. »Ich verstehe das Bedürfnis mancher Menschen, mit dem Finger auf die Bitcoin-Miner zu zeigen«, sagte er in einem Interview. »Aber verglichen mit jeder anderen Industrie spielt es keine Rolle«.