Bittere Pointe Insolvenzhilfe-Verein ist insolvent

Der drittgrößte, auf Insolvenzhilfe spezialisierte Verein Deutschlands ist mangels öffentlicher Fördermittel selbst offiziell zahlungsunfähig. In Bayern wurden derweil Pläne auf Eis gelegt, in Netz von Insolvenz-Beratungsstellen aufzubauen.


Wilhelmshaven - Der Verein mit Sitz in Wilhelmshaven hat sechs Angestellte und betreut nach eigenen Angaben circa 680 überschuldete Haushalte. Bisher hatte er von der Bundesanstalt für Arbeit eine jährliche Unterstützung von 50.000 Euro erhalten, diese Summe wurde nun gestrichen. Über einen Förderantrag an die Stadt soll erst im Februar beraten werden. Trotz des Insolvenzantrages vom Freitag wolle die Beratungsstelle ihre Arbeit fortsetzen und versuchen, die Arbeitsplätze zu retten, sagte der Geschäftsführer des Vereins, Timm Sommer.

Mit einem Verbraucherinsolvenzverfahren kann eine überschuldete Person bereits nach sieben Jahren schuldenfrei werden. Es gebe aber zu wenig Beratungsstellen, so Sommer, obwohl der Bedarf wachse: "Wir betreuen nicht nur Arbeitnehmer, sondern immer mehr Menschen aus dem Mittelstand, wie Ärzte und Anwälte". Die Durchschnittsverschuldung der deutschen Haushalte liege heute ohne Berücksichtigung von Hausfinanzierungen bei 40.000 Euro.

In Bayern wiederum sind Versuche, ein bundeslandweites Netz von Insolvenzberatungsstellen für Unternehmer und Haushalte aufzubauen, auf absehbare Zeit gescheitert. Das Sozialministerium und die Wohlfahrtsorganisationen konnten sich bislang nicht auf ein Konzept dafür einigen - dies geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Das Sozialministerium verwies unter anderem auf seine knappen Mittel: Die aktuelle Finanzlage zwinge den Freistaat, Prioritäten zu setzen.

Sozialministerin Christa Stewens (CSU) will die Verhandlungen zügig fortführen und abschließen. Ein konkreter Termin steht allerdings nicht in Aussicht. Die Grünen warfen Stewens vor, mit leeren Händen dazustehen. Für 25.000 überschuldete Haushalte in Bayern wäre eine funktionierende Insolvenzberatung dringend nötig. Im Haushalt für 2003 wurden die Gelder für die Insolvenzberatung von 2,5 auf 1,5 Millionen Euro gekürzt.



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