Blackout-Angst bei Firmen Hersteller meldet boomende Nachfrage nach Notstromaggregaten

Um sich vor Blackouts zu wappnen, greifen viele Unternehmen tief in die Tasche. Ein großer Produzent meldet für Notstromaggregate nun Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten. Man sei für 2023 »so gut wie ausverkauft«.
Notstromaggregat vor der Installation in einem Londoner Hochhaus: Datenflüsse sicherstellen

Notstromaggregat vor der Installation in einem Londoner Hochhaus: Datenflüsse sicherstellen

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Rolls-Royce Power Systems / dpa

Die Frage, ob im Winter mit großflächigen Stromausfällen zu rechnen ist, hat übers Wochenende für Unruhe gesorgt. Schon länger jedoch investieren zahlreiche Unternehmen dagegen an: Beim Großmotorenhersteller Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen am Bodensee boomt entsprechend das Geschäft mit Notstromaggregaten.

Im ersten Halbjahr 2022 sei man schon für das komplette Jahr 2023 so gut wie ausverkauft, sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur dpa. »Die Wartezeiten für die Aggregate betragen aktuell sechs bis zwölf Monate.«

In den vergangenen Tagen hatten Äußerungen des Chefs des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Ralph Tiesler, für Aufregung gesorgt. Tiesler warnte in einem Interview der »Welt am Sonntag« vor regional und zeitlich begrenzten Blackouts: »Das Risiko dafür steigt ab Januar und Februar, sodass wir davon ausgehen, dass es von da an stellenweise für eine gewisse Zeit zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommt.«

Ansturm begann vor Kriegsbeginn

Eine BBK-Sprecherin und die Netzagentur versuchten kurz darauf, die Äußerungen wieder einzufangen. Ein großflächiger Stromausfall im Winter sei »äußerst unwahrscheinlich«, sagte die BBK-Sprecherin. »Das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen, um das Stromnetz bei Störungen zu stabilisieren.«

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur sagte den Funke-Zeitungen, die Wahrscheinlichkeit, dass erzwungene Abschaltungen im kommenden Winter erforderlich werden, sei gering: »Es gibt zahlreiche Mechanismen und Reserven zur Stabilisierung des Stromnetzes in angespannten Situationen.«

Viele Krankenhäuser, Rechenzentren oder Flughäfen wollen darauf offenbar nicht vertrauen – und sichern sich mit den Dieselaggregaten der Marke MTU vor möglichen Stromausfällen ab. Der große Run habe allerdings auch schon vor dem Ukrainekrieg begonnen, sagte der Unternehmenssprecher. »Der Datenverkehr nimmt fast in allen Branchen zu – Mittelständer wollen so wie große Konzerne den Datenfluss absichern.«

2,75 Milliarden Pfund für Aggregate

Im vergangenen Jahr hat Rolls-Royce Power Systems rund 2,75 Milliarden Pfund umgesetzt – etwa ein Drittel davon im Geschäftsfeld Power Generation, zu dem auch die Notstromaggregate zählen. Der Anteil steige weiter. Wie viele Notstromaggregate in diesem Jahr verkauft wurden, gab der Motorenhersteller nicht preis.

Rolls-Royce Power Systems vertreibt als Geschäftsbereich unter der Marke MTU schnell laufende Motoren und Antriebssysteme zur Energieerzeugung für Schiffe sowie schwere Land-, Schienen- und Militärfahrzeuge.

apr/dpa
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