Blackstone-Börsengang Der größte Coup des Wall-Street-Königs

Der Gigant aller Finanzinvestoren geht heute an die Börse: 4,1 Milliarden Dollar will Blackstone einnehmen, so viel wie kein Unternehmen seit fünf Jahren. Für Konzern-Chef Stephen Schwarzman fallen 677 Millionen Dollar ab - dabei ist er schon heute einer der reichsten Fürsten an der Wall-Street.

Von , New York


Stephen Schwarzman ist ein Mann der Superlative. Der New Yorker Finanzier wohnt in einem 1900-Quadratmeter-Palast an der Park Avenue. Seinen 60. Geburtstag feierte er mit 1500 VIP-Gästen, und Rod Stewart röhrte "Happy Birthday". Zeitgleich landete seine Beteiligungsgesellschaft Blackstone den teuersten privaten Buy-out der Geschichte, den Kauf des US-Immobiliengiganten Equity Office. Und dann sickerte auch noch durch, dass Schwarzman allein im vorigen Jahr fast eine halbe Milliarde Dollar verdient hat.

Blackstone-Chef Schwarzman: "Der neue König der Wall-Street"
REUTERS

Blackstone-Chef Schwarzman: "Der neue König der Wall-Street"

Doch Schwarzman - "der neue König der Wall Street" ("Fortune") - wäre nicht Schwarzman, gäbe er sich zufrieden. Also prescht Blackstone heute an die US-Börse, es ist der größte Börsengang seit fünf Jahren. 12,5 Prozent der Firma stieß das Unternehmen gestern Abend vorab an die Emissionsbanken ab, zum Preis von 31 Dollar pro Anteil - ein Reingewinn von 4,13 Milliarden Dollar. Damit ist der Finanzkonzern, den Schwarzman und der frühere US-Handelsminister Peter Peterson 1986 mit 400.000 Dollar gegründet hatten, jetzt mindestens 33 Milliarden Dollar wert.

Das garantiert - allen jüngsten Stolpersteinen zum Trotz - eine fulminante Premiere, wenn Blackstone heute unter dem flotten Kürzel BX an der New York Stock Exchange (NYSE) den Handel aufnimmt: Die Aktie ist gut sechsfach überzeichnet. Die "New York Times" war darob so angetan, dass sie Blackstone gestern schon einen "Google-ähnlichen Mythos" zuschrieb.

Schwarzman persönlich verdient an dem Mega-Börsengang 677 Millionen Dollar. Hinzu kommen über acht Milliarden Dollar an Aktien für die 24 Prozent an dem Unternehmen, die er weiter in der Hand hält - ein Füllhorn für weitere Ausschüttungen. "Alles an diesem Deal", staunte der Analyst Phil Stiller von Renaissance Capital, "ist ungewöhnlich."

Weniger Steuern als der Chauffeur

Kompagnon Peterson streicht dabei sogar 1,8 Milliarden Dollar ein. Peterson feierte gestern Abend im Grill Room des Four Seasons, wo Tochter Holly Peterson im Blitzlichtgewitter der Paparazzi ihr Erstlingsbuch vorstellte - "The Manny", ein "Schlüsselroman über Sex, Reiche und reichen Sex", wie es der Wall-Street-Blog "Dealbreaker.com" laut verhöhnte.

Auch anderswo runzeln manche längst die Stirn. Im US-Kongress zum Beispiel, wo die wachsenden Geldspeicher von Schwarzman und anderen Private-Equity-Fürsten bei beiden Parteien auf Unbill stoßen. Der demokratische Vorsitzende des Finanzausschusses im Senat, Max Baucus, und sein republikanischer Vize Chuck Grassley haben deshalb kürzlich eine Gesetzesvorlage eingebracht, wonach Finanzinvestoren, sobald sie an die Börse gehen, künftig ganz normale Unternehmensteuern von 35 Prozent zahlen müssen - und nicht, wie bisher, einen reduzierten Satz von 15 Prozent.

15 Prozent, lästerte das "Wall Street Journal", seien "weniger, als Schwarzmans Chauffeur zahlt". Die höheren Steuern, warnte Blackstone dagegen seine Investoren schriftlich, "könnten den Wert unserer Anteile negativ beeinflussen". Dem Riesenrummel um die neue BX-Aktie hat das freilich keinen Abbruch getan.

Der "heilige Gral bei Private Equity"

Der Zwist hat seinen Ursprung in den bestehenden US-Steuergesetzen. Private-Equity-Firmen werden darin besser behandelt als öffentlich notierte Aktienunternehmen: Sie haben wesentlich günstigere Steuersätze. Dies wurde bisher mit dem größeren Risiko begründet, das die Beteiligungsgesellschaften tragen. Dank ihrer enormen Gewinne in den letzten Monaten kamen sie jedoch in die Kritik.

Der Senat will nun zu der Frage noch vor der Sommerpause Anhörungen abhalten. Dabei sollen auch die astronomischen Gebühren zur Sprache kommen, die die Manager aller Finanzgesellschaften wie Blackstone einstreichen. Die Provision beläuft sich derzeit auf 20 Prozent des Gewinns aus Transaktionen und wird ebenfalls nur mit 15 Prozent versteuert.

Ein heißes Eisen: Die Gebühren, weiß der Wirtschaftsanwalt David Scherl, der Buy-out-Firmen vertritt, "sind der heilige Gral bei Private-Equity-Investments". Wer diesen Anreiz anrühre, der riskiere, dass der ganzen Branche über kurz oder lang die Luft ausgehe.



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