Firmenfuhrpark BMW-Händler verweigern Reifenwechsel für Lidl-Autos

BMW hatte 10.000 Fahrzeuge an den Fuhrpark von Lidl und Kaufland verkauft. Nun will der Hersteller, dass seine Händler Winterreifen montieren - zum Sonderpreis. Die sind nicht begeistert.

BMW-Logo auf Lidl-Einkaufswagen (Symbolfoto)
imago/onemorepicture

BMW-Logo auf Lidl-Einkaufswagen (Symbolfoto)


Zwischen BMW und seinen rund 150 größten Händlern bahnt sich neuer Streit an. Dabei geht es um die rund 10.000 BMW-Fahrzeuge, die der Münchner Konzern im Frühjahr zu Sonderkonditionen an den Fuhrpark der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) verkauft hatte.

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Dieser Deal war nicht nur gezielt an den eigenen Autohäusern vorbei platziert worden. Nun sollen die Händler in ihren rund 500 Betrieben auch noch Zusatzleistungen zu Dumpingpreisen erbringen.

Konkret geht es um die Winterreifen, die BMW mit den Autos zusammen verkauft, aber noch nicht ausgeliefert hat. Diese Reifensätze verschickt das Stammhaus seit einigen Wochen per Kurierdienst an die Händler. Sie sollen die Radsätze für die Lidl-Kunden montieren und einlagern - zum Festpreis von 58 Euro.

BMW hatte seine Händler im Vorfeld jedoch weder gefragt noch hat bis heute irgendjemand mit ihnen über den Preis gesprochen. Entsprechend giftig sei die Stimmung auf einer Verbandstagung in Hanau in dieser Woche gewesen, berichtet ein Teilnehmer.

Die Winterreifenaktion sei nun eine neue Provokation. Die 58 Euro reichten nicht einmal aus, die Kosten zu decken. Zudem fehle schon für die Stammkunden Platz für die Einlagerung von Reifen. Die Lidl-Kunden sehe man ohnehin nie wieder. Im Gegenteil: Die Händler befürchten, dass der Discounter ihnen demnächst auf dem Gebrauchtwagenmarkt Konkurrenz macht und die BMW zu Dumpingpreisen verkauft.

Und so beschlossen die Händler, die aus München eintrudelnden Winterreifen in Zukunft nicht mehr anzunehmen und sogar zurückzuschicken. BMW wollen sie auffordern, sich selbst um das Wechseln zu kümmern oder den geltenden Preis zu bezahlen. Die Antwort aus München dürfte nicht lange auf sich warten lassen

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
mwroer 23.11.2018
1.
Selten dämliche Aktion die Händler nicht mal zu fragen - vorher. Passt aber gut in meine Erfahrungen, geschäftlich, mit BMW Sitten. Kommunikation ist eher Glückssache, Zahlungsfristen von 6 Monaten werden für normal gehalten 'Da stehen 100 Firmen hinter Ihnen die gerne mit uns arbeiten'. Prima, sollen sie. Das man aber die eigenen Vertriebspartner und Fachhändler mittlerweile auch versucht so zu behandeln, das war mir neu.
hansulrich47 23.11.2018
2. Typisches Konzernverhalten!
Da hat das "obere" Management wohl den Verkauf von 10.000 Autos über Lidl abgenickt und gefeiert als zusätzlichen Absatz, ohne sich näher über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Die Händler haben schön recht, das so nicht zu akzeptieren! Aber wer so tolle Autos baut, braucht eigentlich keine "Zwischen"händler. Liebe BMW-Fahrer, fahrt zum Service doch mal nach Ingolstadt, dort freut man sich auf euch!
DieterKühne 23.11.2018
3. Aktionen, die nicht vom Ende gedacht sind
Ich war einige Jahre BMW-Fahrer bis mir das "wir sind die junge dynamische Marke, mir san mir" auf die Nerven ging. Als Marketingspezialist erkennt man sehr schnell, welche Maßnahmen kundenorientiert wirken sollen und welche einem als Kunden wirklich nützen. Beide mich betreuenden, rührigen Verkäufer bei BMW in Kassel haben stets versucht, vieles im Sinne seiner Kunden zu regeln, dank ihnen bin ich trotz einiger Ärgernisse bei BMW geblieben. Bei dieser selten dämlichen Aktion, bei der man seine Aktivposten - engagierte Verkäufer und Werkstätten - vor den Kopf stößt, bin ich mir nicht sicher, ob die Verkaufsleitung (vielleicht auf der Suche nach neuen Vertriebskanälen) oder Jung-Betriebswirte, die im Studium heutzutage überwiegend Kostenoptimierung lernen, dafür verantwortlich zeichnen. Was passiert denn langfristig, wenn Automobilfirmen sich neue - anonyme und billigere - Vertriebswege suchen? Es wird weniger Händler und Werkstätten geben und immer mehr Kunden hängen in der Luft. Maßnahmen um Probleme schnell zu lösen wie z. B. die umgehende Zurverfügungstellung von adäquaten Ersatzautos bei Defekten oder Gutscheine für Mietwagen werden aus Kostengründen sicher nicht gegangen. Die Automobilindustrie hat durch Abgasbetrug und anschließend zögerliches, nicht kundenorientiertes Handeln bereits viel Kredit bei den Kunden verspielt. Weitere Aktionen, die Kunden verärgern, werden diesen Imagewandel beschleunigen. Denkt doch einfach mal vom Ende her, nämlich aus der Sicht der Kunden!
bennic 23.11.2018
4. Unbeschreiblich
diese Haltung und Arroganz von BMW. Der Handel ist nun mal was Service und Verkauf betrifft (noch) der Hauptkontakt zu den Kunden. Kundenzufriedenheit und Loyalität wird zum großen Teil am Point of Sale und Service generiert. So mit seinen Partnern umzugehen, ist sowas von kurzsichtig.
qoderrat 23.11.2018
5.
Ich denke da wird es bald einige Umfirmierungen geben bei den Händlern, die nicht einknicken. Was für eine dumme Idee den eigenen etablierten Vertrieb für ein bisschen mehr Gewinn zu belasten, und das zu einer Zeit in der viele Vertretungen mit einem fast unverkäuflichen Bestand an Leasing-Rückläufern mit Dieselmotor sowieso schon zu kämpfen haben. Kann aber auch gut ausgehen, vor ein paar Jahren sollte unser örtlicher Opel-Händler eine mittlere 6-stellige Summe in seine Verkaufsräume investieren, die er mit seinem Umsatz in den nächsten 10 Jahren nicht hätte erwirtschaften können. Heute verkauft er als Hauptmarke Hyundai, die inzwischen die modernere Produktpalette haben, hat schon 2 mal angebaut und verkauft als Dankeschön an seine frühere Marke EU-Reimporte ebenfalls mit gutem Erfolg an die Stammkundschaft.
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