Böckler-Stiftung Unternehmen behindern oft Wahl von Betriebsräten

Für die Gründung eines Betriebsrats kämpfen Beschäftigte des Berliner Fintech-Unternehmens N26 erbittert. Massive Gegenwehr an der Firmenspitze ist offensichtlich kein Einzelfall.
Betriebsratsbüro: nur in großen Unternehmen an der Tagesordnung

Betriebsratsbüro: nur in großen Unternehmen an der Tagesordnung

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Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Dass Arbeitgeber die Wahl von Betriebsräten behindern, kommen nach Einschätzung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung häufiger vor. Sie versuchten schätzungsweise jede sechste Neugründung eines Betriebsrats zu unterbinden, berichteten die Forscher Martin Behrens und Heiner Dribbusch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Stiftung. Sie berufen sich dabei auf eine Umfrage unter regionalen Gewerkschaftsfunktionären.

In rund einem Drittel der Fälle hätte sich der Arbeitgeber der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats erfolgreich entgegengestellt. Deutlich seltener können Arbeitgeber die Neuwahl von bereits etablierten Betriebsratsgremien verhindern.

Inhabergeführte Unternehmen oft ohne Mitbestimmung

Besonders verbreitet sei der Druck gegen Beschäftigte, die einen Betriebsrat gründen wollen, in mittelgroßen eigentümergeführten Unternehmen, schreiben die Wissenschaftler. Arbeitgeber schüchterten Kandidaten ein, drohten mit Kündigung oder verhinderten die Bestellung eines Wahlvorstands.

Auch bei N26, einem Fintech-Unternehmen, das Finanzdienstleistungen anbietet, hatte die Gründung von Betriebsräten zuletzt für Konflikte gesorgt. Die Stimmung im Unternehmen ist allerdings so schlecht, dass sich Arbeitnehmer von Schikanen offenbar nicht mehr abhalten lassen.

Betriebsräte gibt es in Deutschland vor allem in größeren Unternehmen. So hatten laut WSI 87 Prozent der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten im Jahr 2018 eine Arbeitnehmervertretung. In Betrieben mit 51 bis 100 Beschäftigten betrage der Anteil 32 Prozent, bei Firmen mit fünf bis 50 Beschäftigten sogar nur fünf Prozent

Das sei jedoch nicht immer eine Folge von Abwehrreaktionen des Managements. Eine bedeutende Anzahl von Betrieben habe deshalb keinen Betriebsrat, weil weder die Gewerkschaft noch die Beschäftigten versucht hätten, einen zu gründen.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft hatte Anfang des Jahres festgestellt: "Vor allem inhabergeführte Unternehmen machen einen Bogen um die betriebliche Mitbestimmung." Gleichzeitig setzten 18 Prozent aller Unternehmen auf alternative betriebliche Vertretungsorgane wie Mitarbeitervertretungen, Belegschaftssprecher oder runde Tische.

mik/dpa-AFX
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