Boeing gegen EADS Tankflugzeug wird zum US-Wahlkampfthema

Streit um das künftige Tankflugzeug der US-Air-Force: Die Demokraten werfen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain vor, den Europäern bei der Vergabe eines Milliardendeals geholfen zu haben. Die Maschine wird jetzt zum Wahlkampfthema.


Washington - Die Vergabe des Auftrags für die künftigen Tankflugzeuge der US-Luftwaffe soll neu ausgeschrieben werden - das hat gestern der US-Rechnungshof gefordert. Die Luftwaffe will die Einwände der Behörde gegen ihre Entscheidung, den Milliardenauftrag an den europäischen Luftfahrtkonzern EADS zu vergeben, gründlich prüfen. Und der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain hat schon dazu aufgerufen, die Empfehlungen des Rechnungshofes "so schnell und umfassend wie möglich" umzusetzen. Es sei ihm immer wichtig gewesen, dass die Luftwaffe die besten Maschinen zum vernünftigsten Preis kaufe, teilte sein Büro mit.

Airbus-Tanker (Computerbild): Streit um 100-Milliarden-Deal
DDP

Airbus-Tanker (Computerbild): Streit um 100-Milliarden-Deal

Die schnelle Reaktion hat ihren Grund: Die Demokraten hatten McCain vorgeworfen, er habe geholfen, EADS den Auftrag überhaupt erst zuzuschanzen und damit zur Auslagerung von zehntausenden Arbeitsplätzen ins Ausland beigetragen. Mindestens drei Berater McCains sollen Berichten zufolge Lobbyarbeit für EADS geleistet haben.

Der US-Rechnungshof hatte am Mittwoch der Beschwerde des EADS-Konkurrenten Boeing gegen die Auftragsvergabe stattgegeben. Boeing hatte eine fehlerhafte Berechnung der Kosten und nachträgliche Änderungen der Ausschreibungsbedingungen moniert.

Der Auftrag zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen hat ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar, einschließlich der Servicearbeiten beträgt er sogar rund hundert Milliarden Dollar. Der Großauftrag ist einer der bedeutendsten der vergangenen Jahre. Bislang hatte Boeing seit fast 50 Jahren ein Monopol auf die Ausrüstung der Air Force. EADS würde sich durch den Auftrag den lange erhofften Zugang zum größten Rüstungsmarkt der Welt verschaffen.

Die US-Luftwaffe kann jetzt den Auftrag trotz der Empfehlung des Rechnungshofes bestätigen, neu ausschreiben, oder von den beiden Anbietern Boeing und EADS mit dessen Partner Northrop Grumman zusätzliche Angaben für eine neue Entscheidung einfordern. Die Behörde empfahl der Air Force, von beiden Konkurrenten überarbeitete Angebote einzuholen und neu darüber zu entscheiden. Der erste Teilauftrag geht um 80 Flugzeuge. Bis zuletzt hat die Air Force deutlich gemacht, dass sie den Airbus-Tanker will.

Bundesregierung und EADS-Chef zuversichtlich

Boeing hatte den Auftrag für die Tankflugzeug-Flotte ursprünglich im Jahr 2003 erhalten, eine von McCain geführte Untersuchung des Senats führte aber wegen unrechtmäßiger Begünstigung des US-Herstellers zur Neuausschreibung des Auftrags. Diese gewann dann EADS zusammen mit dem US-Partner Northrop Grumman. Womöglich kommt es nun zu einer weiteren Ausschreibung.

Die Bundesregierung äußerte sich heute ebenso wie EADS-Chef Louis Gallois zuversichtlich, dass der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern den Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe behält. In Regierungskreisen hieß es am Donnerstag in Berlin, der Optimismus gründe darauf, dass es sich um ein faires Verfahren in den USA handele. EADS habe seinerzeit den Zuschlag aufgrund des inhaltlich besseren Angebots gegenüber Boeing erhalten.

Politiker in Paris äußerten sich dagegen verärgert über die Entscheidung des US-Rechnungshofes. "Die Verteidigung der amerikanischen Wirtschaftsinteressen ist den Amerikanern wichtiger als die Wahl des besseren und billigeren Militärflugzeugs", sagte der konservative Abgeordnete Bernard Carayon. "Das ist ein schwerer Schlag für die europäisch-amerikanische Freundschaft."

kaz/AFP/dpa/AP



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