Boeings 787 Russische Fluglinie sagt Kauf von Dreamliner ab

Es ist die erste Fluggesellschaft, die den Kauf von Boeings Prestige-Projekt storniert: Die russische S7 hat ihren Auftrag über 15 Maschinen vom Typ Dreamliner abgesagt - wegen der Wirtschaftskrise will der Konzern die Maschinen jetzt nur noch leasen.


New York - Für Boeing kommt die Absage zur Unzeit: Der Dreamliner, das neue Flaggschiff des Airbus-Konkurrenten, ist bisher noch nicht vom Boden abgehoben - nun hat die erste Fluggesellschaft ihren Auftrag storniert. Die russische S7 stoppte den Kauf von 15 Boeing 787.

Der russische Aeroflot-Rivale S7 kündigte an, die 787-Maschinen, die 2014 ausgeliefert werden sollten, nun leasen zu wollen. In Russland hat die Wirtschaftskrise den Fluggesellschaften schwer zugesetzt. Rund ein Dutzend Airlines konnten deshalb im vorigen Jahr ihren Flugbetrieb nicht weiterführen.

Für Boeing könnte dieser Auftragstopp erst der Anfang sein: Wegen des schwachen Absatzmarktes und der Wirtschaftskrise erwartet der US-Konzern in diesem Jahr weitere Stornierungen.

Zudem drohen Boeing wegen des Dreamliners Entschädigungsforderungen. Boeing hinkt mit seinem neuen Flaggschiff 787 fast zwei Jahre hinter dem Zeitplan her. Probleme bei der Fertigung und ein zweimonatiger Mechaniker-Streik haben die Auslieferung immer wieder verzögert. Im Dezember hatte der US-Konzern die geplante Auslieferung zum vierten Mal verschoben. Sie soll nun Anfang 2010 beginnen.

Die Fluggesellschaft Qatar Airways forderte bereits Entschädigung: 30 Dreamliner hat die Airline bei Boeing bestellt. Die Lieferverspätungen hätten die Expansionspläne der Fluggesellschaft beeinträchtigt, sagte Konzernmanager Ali al-Rais. Deshalb werde über Ausgleichszahlungen bereits gesprochen. Es gebe noch keinen neuen Liefertermin.

Trotz der Probleme beim Dreamliner zeigte sich die Vize-Präsidentin von Boeing, Jean Chamberlin, für andere Projekte des Konzerns optimistisch. Sie sei hoffnungsvoll, dass die Anstrengungen zur Kosteneinsparung und schnellerer Auslieferung zu mehr Bestellungen in den kommenden Jahren führen werden.

Boeing habe zudem mit einer Reihe von Ländern gesprochen, um das Militärtransportflugzeug C-17 als Übergangslösung anzubieten, da das A400M-Programm von Airbus deutlich hinter dem Zeitplan zurückliege.

IATA fürchtet schwere Krise in der Luftfahrt

Neben den Flugzeugbauern blickt auch die internationale Luftfahrtbranche mit Sorge ins kommende Jahr. Nach Einschätzung des Branchenverbands IATA steuert die Branche auf eine ihrer schwersten Krisen zu. "2009 entwickelt sich zu einem der schwierigsten Jahre überhaupt", sagte Verbandschef Giovanni Bisignani am Donnerstag.

Wegen des weltweiten Wirtschaftsabschwungs sparen Firmen bei Geschäftsreisen und Urlauber verzichten zunehmend auf teure Flugreisen. Allein im Dezember ging der internationale Passagierverkehr den Angaben zufolge um 4,6 Prozent zurück. Die Frachtvolumina brachen im Jahresvergleich sogar um 22,6 Prozent ein. Dies sei ein "nie dagewesener und schockierender" Rückgang, sagte Bisignani. Selbst während der Krise nach den Anschlägen im September 2001, als viele Flugzeuge am Boden blieben, sei der Frachtverkehr nur um knapp 14 Prozent geschrumpft.

Am meisten machte der Rückgang im Dezember mit einem Minus von 9,7 Prozent asiatischen Fluggesellschaften zu schaffen. Moderater fiel der Abschwung in Nordamerika mit minus 4,3 Prozent aus. Viele US-Gesellschaften flogen denn auch im vergangenen Quartal hohe Verluste ein. Die viertgrößte US-Fluggesellschaft Continental Airlines weitete ihren Quartalsverlust auf 266 Millionen Dollar nach 32 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum aus. Neben Verlusten aus Treibstoffsicherungsgeschäften seien auch Ausgaben für die Frühpensionierung von Piloten ein Grund gewesen, teilte das Unternehmen mit.

Auch der US-Billigflieger JetBlue, an dem Lufthansa 19 Prozent hält, rutschte im vierten Quartal in die roten Zahlen. Vor Steuern verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 49 Millionen Dollar nach drei Millionen im Vorjahreszeitraum.

In Europa ging die Nachfrage den IATA-Zahlen zufolge zu Jahresende um 2,7 Prozent zurück. Angesichts der deutlichen Verschlechterung des Geschäftsklimas und dem Einbruch im Handel gebe es auch weiterhin wenig Grund für Optimismus, erklärte der Verband. Selbst die schnell wachsenden Fluggesellschaften im Nahen Osten bekommen die Krise zu spüren. Nach fünf Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten legte die Nachfrage im vergangenen Jahr nur um sieben Prozent zu. 2007 waren es noch gut 18 Prozent.

Im laufenden Jahr dürften die Airlines weltweit nach Einschätzung des Verbands einen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar einfliegen. Im Vorjahr waren es aufgrund der stark gestiegenen Treibstoffpreise fünf Milliarden.

ssu/Reuters



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