Börse am Abend Hightechs lasten auf dem Dax

Die deutschen Aktienmärkte haben ihre Gewinne wieder abgeben. Hohe Kursverluste bei den Technologiewerten lasten auf den Indizes. Am krisengeschüttelten Neuen Markt überrascht Biodata mit einem deutlichen Plus.


Frankfurt am Main - Der Dax ist nach einem kurzen Ausflug ins Plus wieder in die Verlustzone gefallen. Der Blue-Chip-Index notierte um 18.30 Uhr mit 0,3 Prozent im Minus bei 5847 Punkten. Am Vormittag wurde der Tagestiefststand bei 5778 Zählern gemessen. Ähnlich die Situation am Neuen Markt: Nachdem der Nemax 50 kurz nach der Eröffnung tief ins Minus fiel, kletterte der Auswahlindex am Nachmittag kurz ins Plus und gab am Abend wieder 0,8 Prozent auf 1188 Zähler nach.

In New York präsentierten sich die Börsen uneinheitlich: Der Dow Jones pendelte unentschlossen um die Schlusslinie vom Freitag bei 10.252 Punkten, während die Nasdaq 0,7 Prozent auf 2018 Zähler gewann.

An der Wall Street wird mit Spannung die anstehende Berichtssaison für das zweite Quartal erwartet. Im Blickpunkt der Anleger stehen vor allem die Zahlen der Schwergewichte General Electric, Motorola und Yahoo. Vor Börseneröffnung überraschte zudem der Telekom-Riese AT & T. Das drittgrößte US-Kabelfernsehunternehmen Comcast will die Kabelfernsehsparte von AT & T im Zuge eines Aktientauschs für 44,5 Milliarden Dollar kaufen. Comcast würde damit auf einen Schlag zum dominierenden amerikanischen Kabelfernsehanbieter mit 22 Millionen Kunden. Nummer zwei wäre dann der Medien- und Online-Konzern AOL Time Warner.

In Frankfurt sorgten die Daten zur deutschen Industrieproduktion für eine etwas bessere Stimmung. Im Mai habe das Produktionsniveau saisonbereinigt zum Vormonat um 0,9 Prozent zugenommen, teilte das Bundesfinanzministerium am Mittag mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit einer stagnierenden Produktion gerechnet.

Die defensiven Werte blieben in der Käufergunst oben. Die Dax-Gewinnerliste wurde angeführt von RWE. Die Aktie legte um 2,4 Prozent auf 48,90 Euro zu. Der Versorger profitiert noch immer von positiven Analystenstimmen.

Ebenfalls fester präsentierten sich die Aktien von Henkel (plus 2,1 Prozent auf 73,55 Euro), Münchener Rück (plus 1,7 Prozent auf 344,50 Euro) und Adidas Salomon (plus 1,6 Prozent auf 71,30 Euro).

Die Verliererliste wurde erneut von den Technologietiteln angeführt. Ganz unten notierte Infineon. Die Anteilsscheine verloren 3,9 Prozent auf 25,60 Euro. Siemens-Titel verloren 3,4 Prozent auf 61,85 Euro. Die Aktien der Konzern-Tochter Epcos gaben 2,9 Prozent auf 53,46 Euro nach.

Spekulationen, die Konzernmutter Siemens müsse Infineon unter die Arme greifen, falls die geplante Kapitalerhöhung am schlechten Marktumfeld scheitert, belasteten beide Werte massiv. Offenbar wollen institutionelle Anleger nicht mehr als 25 Euro für die neu ausgegebenen Infineon-Aktien zahlen - dies scheint Infineon Schumacher zu wenig zu sein. Man wolle die Kapitalerhöhung "nicht um jeden Preis", hieß es in der vergangenen Woche.

SAP-Titel notierten mit einem Minus von 1,4 Prozent bei 138 Euro - nach den massiven Verlusten der vergangenen Tage ist der Abwärtstrend noch nicht gestoppt. Gegen den Abwärtssog der Technologieaktien stemmte sich die Deutsche Telekom. Die T-Aktie notierte nahezu unverändert bei 26,12 Euro.

Finanztitel notierten uneinheitlich. Die Deutsche Bank erwägt, in die Übernahmeschlacht um die amerikanische Filialbank Wachovia einzugreifen. Das Institut, das an der Börse derzeit mit knapp 15 Milliarden Dollar bewertet wird, zählt mit 3,8 Millionen Kunden zu den größten US-Banken. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar dazu ab. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor 1,9 Prozent auf 80,02 Euro.

Am Mittwoch kommen die Anleger der Allianz zur Hauptversammlung zusammen. Der Versicherungskonzern hat bekräftigt, man liege bei der Übernahme der Dresdner Bank im Zeitplan. Die Aktie notierte ein Prozent fester bei 337,09 Euro.

Bayer-Titel gaben um 0,8 Prozent auf 43,99 Euro ab. Der Pharmakonzern Aventis will laut einem Bericht der Financial Times Deutschland heute Exklusiverhandlungen mit Bayer über den Verkauf der Aventis-Pflanzenschutzsparte Aventis CropSience bekannt geben.

Untergangsstimmung am Neuen Markt

"Der Neue Markt hat das Vertrauen vollends verloren", fasste ein Händler die Situation zusammen. Wenn die Deutsche Börse die Regeln nicht schnell und drastisch verschärfte, dann "droht für lange Zeit ein Totentanz". Zu den Maßnahmen würden auch Sanktionen gehören, wenn die Unternehmen die Planzahlen nicht erfüllen. "An der Nasdaq wird ein Verfehlen der Prognosen untersucht und gegebenenfalls auch geahndet", sagte er. Bereits am Freitag hatte der Nemax 50 die 1200-Punkte-Marke durchbrochen und markierte am Montag neue Jahrestiefs. Ein Indexstand unter 1000 Punkten ist für einige Marktteilnehmer nur noch eine Frage der Zeit.

Trotz der schlechten Stimmung bewiesen einige Titel wieder, warum sie einst als Wachstumswert bekannt wurden. Den Auswahlindex Nemax 50 führten die Aktien von Biodata mit einem satten Plus von 25,6 Prozent auf 13,80 Euro an. Aber auch Aixtron (plus 7,8 Prozent auf 24,15 Euro) und Umweltkontor (plus 5,9 Prozent auf 45 Euro) präsentierten sich deutlich fester.

Die Titel von Heyde gewannen 4,2 Prozent auf 2,48 Euro. Das Unternehmen hat mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Thomas Eisenbarth von seinem Amt abberufen. Eisenbarth hatte den Posten erst im Januar übernommen. Zudem trennte sich Heyde von seinen PSB-Anteilen.

Die größten Verlierer im Nemax 50 waren Pandatel, Morphosys und ACG. Die Aktien gaben zwischen 20 und 14 Prozent ab.

Die Anteilsscheine des Telekommunikationsunternehmens Mobilcom waren im frühen Handel wegen eines Gerüchts unter Druck geraten. Das Unternehmen leide unter Liquiditätsschwierigkeiten und habe die Quartalszahlen nicht erreicht, wurde von interessierte Kreisen gestreut. Mobilcom dementierte: Man habe noch 700 Millionen Euro Liquidität. Der Wert der Aktie sank im Handelsverlauf bis auf 10,91 Euro, erholte sich zum Nachmittag aber wieder auf 12,36 Euro - ein Minus von 3,3 Prozent.

Der Internet-Anbieter Ejay hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht und Personalabbau angekündigt. Die im Nemax All Share notierte Aktie brach um 23,5 Prozent auf 0,65 Euro ein.

Euro notiert fester

Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8459 (Freitag: 0,8384) Dollar. Der Dollar kostete damit 2,3121 (2,3328) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6014 (0,5996) Pfund, 106,19 (105,65) Yen und 1,5196 (1,5220) Schweizer Franken fest.



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