Börse am Abend T-Aktie bleibt am Boden

Die deutschen Aktien folgen Dow und Nasdaq – und zwar abwärts. Mit dem verhaltenen Optimismus vom Vortag ist es vorbei. Die Börsen werden mit Verlusten ins Wochenende gehen.


Frankfurt am Main - Schlechte Nachrichten aus den USA drücken weiter auf die Stimmung an den Börsen. Nachdem erst gestern eine Reihe von High-Tech-Unternehmen massive Gewinnwarnungen ausgegeben hatten, kam heute die Nachricht der sprunghaft angestiegenen Erzeugerpreise. Diese Zahlen schüren erneut Ängste einer steigenden Inflation in den USA und dämpfen die Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung. Bis 18.20 Uhr gab der Dow Jones um 0,8 Prozent auf 10.804 Zähler nach. Die Nasdaq verlor sogar 4,5 Prozent auf 2435 Punkte.

In Frankfurt sind die Börsen dem schwachen Verlauf der Wall Street gefolgt. Um 18.20 Uhr notiert der Dax mit 1,5 Prozent im Minus bei 6490 Punkten. Noch drastischer geht es bei den Wachstumswerten bergab: Der Nemax-50 rutscht 5,3 Prozent auf 2329 Zähler. Einen Hoffnungsschimmer verbreiten die Nebenwerte im M-Dax. Sie verharren mit 4836 Punkten nahe der Vortagesschlusslinie.

Die defensiven Werte im Dax führen weiterhin das Gewinnerfeld an: Linde steht mit einem Aufschlag von 1,98 Prozent ganz oben. Es folgen die HypoVereinsbank mit einem Plus von 1,52 Prozent und Preussag(plus 1,2 Prozent).

Händler erklären die Kursgewinne bei den defensiven Werten mit Umschichtungen. Anleger steigen aus den risikoreichen Technologiewerten aus und suchen den sicheren Hafen der "Old Economy". Dieser Trend könnte in den kommenden Handelstagen noch verstärkt werden, nachdem die renommierten Investmenthäuser an der Wall Street in Reaktion auf die enttäuschenden Zahlen von Nortel, Dell & Co ihre Einschätzungen für den Technologiebereich weiter gesenkt haben.

Die Schwäche bei den High-Techs bekommt am Freitag vor allem Infineon zu spüren. Die Aktie des Halbleiterherstellers fällt um 3,7 Prozent. Aber auch die Walldorfer Software-Schmiede SAP muss mit einem Minus von 2,6 Prozent Federn lassen. "Was wir sehen ist eine Reaktion auf die Unternehmensnachrichten aus den USA, insgesamt ist der Verlust bei uns aber nicht so dramatisch", kommentierte ein Händler den umsatzarmen Handelsverlauf. "Gestern hatten die Technologiewerte im Dax stark zugelegt, heute geben sie ab, aber nicht ihren ganzen Vortagesgewinn", sagte er weiter.

Mit zu den größten Verlierern gehört auch die Aktie der Dresdner Bank. Sie gibt 4,7 Prozent ab und gehört gemeinsam mit der T-Aktie zu den beiden schwächsten Dax-Werten. Die Bank präsentiert in der kommenden Woche die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres, in dem zwei Fusionsversuche mit Deutscher und Dresdner Bank fehl schlugen. Aber auch die Konkurrenzbanken stehen unter Druck. "Nachdem die Europäische Zentralbank die Leitzinsen am Vortag unverändert gelassen hatte, könnte ein wenig Enttäuschung bei den Marktteilnehmern aufgekommen sein", vermutete Andreas Kehl, Aktienhändler bei der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank-Aktie verliert 1,4 Prozent auf 96,20 Euro.

Die T-Aktie verharrt mit einem erneut kräftigen Minus von 4,3 Prozent unter der 28-Euro-Marke. Um 18.20 Uhr notiert das Papier der Deutschen Telekom bei 27,22 Euro.

Am Neuen Markt verlieren die Aktien von Adva Optical 20 Prozent auf 27,85 Euro. Fantastic Corporation folgt mit einem Minus von elf Prozent auf der Verliererliste im Nemax 50.

Nach ihrem kräftigen Aufstieg am Donnerstag legen die Aktien von EM.TV am Freitag wieder den Rückwärtsgang ein. Ein Einspruch von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone stellt die Einigung zwischen der Kirch Gruppe und dem Münchner Rechtehändler in Frage. Wie EM.TV am Morgen außerdem mitteilte, ist der ehemalige Kirch-Manager und Vorsitzende des EM.TV-Aufsichtsrats, Nickolaus Becker zurückgetreten. Becker wolle eine "Neupositionierung des Unternehmens nicht belasten", hieß es. Der Vorsitzende galt immer als vehementer Gegner eines Kirch-Einstiegs, während EM.TV-Chef Thomas Haffa diesen befürwortete. Die Aktie gibt bis 18.30 Uhr um 6,5 Prozent auf 7,10 Euro nach.

Der Euro ist im Vorfeld des G7-Treffens am Wochenende in Palermo gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9113 (Donnerstag 0,9090)Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1462 Mark.



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