Börse am Mittag Allianz auf Jahrestief

Über alle Branchen hinweg trennen sich Investoren von ihren Aktien, auch von der Wall Street ist wenig Unterstützung zu erwarten. Besonders starke Verluste verzeichnen die Finanzwerte.


Frankfurt am Main – Die deutschen Aktienmärkte standen am Montagmittag weiter im tiefroten Bereich. Der Dax gab bis 12.45 Uhr um 3,1 Prozent ab und blieb nur knapp Marke von 3400 Punkten. Auch die Wachstumswerte am Neuen Markt präsentierten sich schwach. Der Auswahlindex Nemax50 fiel unter die Marke von 500 Punkten und standen mit 4,3 Prozent im Minus.

"Schlechte Vorgaben, schlechte Wirtschaftsdaten, schlechte Stimmung", sagte ein Händler lakonisch zu dem Handelsverlauf. Einzelnachnachrichten spielten gegenüber der schlechten Gesamtstimmung kaum eine Rolle. Die vorbörslichen Barometer in New York standen am Mittag ebenfalls im roten Bereich und ließen einen schwachen Auftakt der Wall Street erwarten.

Bei stark schwankenden Kursen führte die Aktie von MLP Chart zeigen die Gewinnerliste im Dax an. Zeitweilig legte das Papier rund 20 Prozent, gab zuletzt aber wieder auf plus acht Prozent oder 8,70 Euro ab. Händler bezeichneten die Kursgewinne als rein technische Gegenreaktion auf die Verluste vom Freitag. Der Titel des Vortages hatte nach einer Gewinnwarnung etwa die Hälfte seines Wertes verloren. Jetzt droht dem Finanzdienstleister noch der Rauswurf aus dem Dax. HSBC stufte die Aktie am Vormittag auf "Verkaufen" ab. J.P Morgan senkte sein Rating für das Papier auf "Underperformer" von zuvor "Kaufen" herab.

Vor diesem Hintergrund ist wichtig, dass die Deutsche Börse in dieser Woche die Rangliste für die Dax-100-Unternehmen veröffentlichen wird. Die Entscheidung über die neue Zusammensetzung fällt der Vorstand der Deutschen Börse jedoch erst am 13. August. Die Neuregelung tritt dann im September in Kraft. Für eine Mitgliedschaft im DAX-30 müssen die Unternehmen bei Börsenkapitalisierung und Handelsumsätzen mindestens auf Platz 35 liegen.

Allianz fällt auf Jahrestief

Starke Verluste verbuchten Finanzwerte. Allianz Chart zeigen markierten mit 125 Euro zeitweilig ein Jahrestief und gaben zuletzt 5,60 Prozent ab. "Der Wert hat gegenüber der stark gefallenen Münchener Rück Chart zeigen noch Nachholbedarf", sagte ein Marktbeobachter. Zudem belasteten die Sorgen vor erneuten Terroranschlägen mit dem Näherrücken des 11. Septembers. Münchener Rück rutschten um mehr als vier Prozent auf 180 Euro. Versicherungskonzerne gehörten nach Aussagen von Händlern indes erneut zu den großen Verkäufern am Markt.

Papiere der HypoVereinsbank Chart zeigen gaben rund sechs Prozent auf 18,60 Euro nach. Deutsche Bank Chart zeigen verloren mehr als drei Prozent auf 55,88 Euro. Commerzbank Chart zeigen-Titel kamen dabei mit Verlusten von rund einem Prozent noch vergleichsweise gut weg.

T-Aktie nähert sich Marke von zehn Euro

Die Aktien der Deutsche Telekom Chart zeigen haben zum Wochenauftakt zunächst behauptet eröffnet, drehten dann allerdings deutlich ins Minus. Zuletzt verlor die Aktie mehr als vier Prozent auf 10,30 Euro.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, aktiven und ehemaligen Spitzenmanagern des Bonner Konzern drohten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue. Ihnen werde vorgeworfen, durch einen Aktienoptionsplan im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Deutsche Telekom wies die Vorwürfe zurück.

"Die Nachricht kommt nicht unerwartet", sagte Christian Schmidt von Heleba Trust. Aktionärsschützer hätten bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es zu Untersuchungen kommen müsste, da sich die Vorstandsgehälter im Vergleich zum sinkenden Aktienkurs in drastische Höhen entwickelt hätten. "Für das Unternehmen ist so eine Nachricht natürlich sehr negativ", sagte Schmidt.

Die Vorwürfe richten sich unter anderem gegen den zurückgetretenen Telekom-Chef Ron Sommer sowie gegen den neuen Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler und den Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus. "Da muss auf eklatante Weise die Aufsichtspflicht verletzt und einige Kontrollebenen durchbrochen worden sein", sagte Schmidt. "Das wirft natürlich auch kein gutes Licht auf den größten Anteilseigner - den Bund".

Schering Chart zeigen gehörte mit Verlusten von 1,24 Prozent auf 54 Euro noch zu den besseren Werten im Dax. Finanzchef Klaus Pohle hat einer Fusion des Pharmakonzerns erneut eine deutliche Absage erteilt. "Ich sehe nicht das notwendige Synergiepotenzial. Der wirtschaftliche Nutzen wäre zu gering", sagte Pohle in einem Interview mit der "Welt".

In der Vergangenheit war in Branchenkreisen über eine mögliche Übernahme oder Fusion von Schering spekuliert worden. Nach der Bekanntgabe der Übernahme von Pharmacia durch den weltgrößten Pharmakonzern Pfizer Inc. im Juli waren die Gerüchte neu aufgeflackert. Hintergrund ist die im internationalen Vergleich eher geringe Größe des Schering-Konzerns und der niedrige Aktienkurs.

Volkswagen will kräftig sparen

Ungehört verhalten bei Investoren die neuen Sparabsichten von Volkswagen Chart zeigen-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder. Die Aktie gab mehr als drei Prozent auf 43,69 Euro nach. Der Vorstandschef will nach einem Bericht der "Automobilwoche" ein Sparprogramm verkünden und noch in diesem Jahr mehrere hundert Millionen Euro im Konzern einsparen. Das bereits eingeschränkte Gewinnziel für 2002 solle nicht verfehlt werden, gab die "Automobilwoche" als Begründung an, ohne Quellen zu nennen.

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" drängt der Energiekonzern Eon Chart zeigen offensichtlich das Bundeswirtschaftsministerium, die Verfahrensfehler bei der Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas AG zu beseitigen. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, der Energiekonzern prüfe nun, ob die vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf beanstandete Anhörung wiederholt werden könne. So könne die drohende Blockade vor Gericht vermieden, und die Fusion realisiert werden. Die Aktie notierte zuletzt mit rund zwei Prozent im Minus.

Singulus bestätigt Prognose

Am Neuen Markt hatte vor Handelsbeginn Singulus Chart zeigen ihre Prognose für ein 20-prozentiges Umsatz- und Ergebniswachstum für das Gesamtjahr bekräftigt. Wie das Unternehmen mitteilte, betrug der Auftragseingang im zweiten Quartal 92,1 (59,9) Millionen Euro. Für das erste Halbjahr wies Singulus 169,6 (108,9) Millionen Euro aus. Beim Ergebnis nach Steuern erreichte das Unternehmen im ersten Halbjahr 12,624 (12,220) Millionen Euro und beim Umsatz 110,290 (104,509) Millionen Euro. Die Aktie drehte nach einem positivem Auftakt zuletzt deutlich ins Minus mit mehr als sieben Prozent auf 21,20 Euro.



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