Börse am Mittag BMW sonnt sich an der Dax-Spitze

Die Investoren schöpfen neuen Mut dank guter Konjunkturdaten. Der Dax hält nach einem fulminanten Turnaround seine Zugewinne. In der Dax-Spitze sonnen sich BMW und Infineon. MAN bildet nach der Gewinnwarnung das Schlusslicht.


Frankfurt am Main - Sollten die vorbörslichen Barometer in den USA ihr sattes Plus bis zum Nachmittag halten, könnte das ein durchweg erfreulicher Handelstag für die darbenden Aktienmärkte in Deutschland werden. Nach überraschend guten Konjunkturdaten hatte der Dax am Vormittag einen großen Satz aus der Verlust- in die Pluszone gemacht und stand gegen 12.30 Uhr noch mit 1,3 Prozent im grünen Bereich. Die Wachstumswerte im Nemax 50 konnten ihr Minus von mehr als drei Prozent am Morgen auf zuletzt 0,1 Prozent bei 1076 Zähler reduzieren.

"Ifo sei Dank", begründete ein Händler die Kursgewinne. Der Juli-Geschäftsklimaindex des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung stieg zum ersten Mal seit Januar anders als von vielen Analysten erwartet von 89,5 auf 89,8 Punkte. In ersten Reaktionen hatten Händler die Zahlen euphorisch als "megapositiv" kommentiert. Der Anstieg der Erwartungshaltung sei ein gutes Zeichen. Damit gebe es Hoffnung, dass auch der Dax sich nun deutlich erhole.

An der Dax-Spitze sonnten sich gegen Mittag abwechselnd die Papiere von Infineon und BMW: Die Halbleitertitel stiegen 3,72 Prozent auf 24,80 Euro, die Auto-Papiere kletterten um 3,86 Prozent auf 36,35 Euro. Auch andere Technologiewerte waren gefragt: Siemens stiegen um rund zwei Prozent auf 55,61 Euro, SAP zeigten sich 1,32 Prozent fester auf 155,52 Euro.

Autotitel profitierten allerdings auch von der Nachricht, dass General Motors seinen Ausblick für das dritte Quartal bestätigt hat. Wie GM mitteilte, rechnet der Konzern weiter damit, die Konsensprognosen von Analysten zu übertreffen. DaimlerChrysler hatte zuvor erklärt, dass der Konzern trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche in den USA einen "weiter relativ starken Kfz-Markt" erwartet. DaimlerChrysler stiegen um 2,10 Prozent auf 49,64 Euro. Volkswagen zeigten sich 2,81 Prozent stärker auf 49,87 Euro.

Die Lufthansa hat trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs in den ersten sechs Monaten 2001 ihre Ergebnisprognose für das gesamte Geschäftsjahr bekräftigt. Die Aktie legte zuletzt noch 0,73 Prozent auf 16,67 Euro zu.

Preussag-Aktien um 2,17 Prozent auf rund 34 Euro. Händler begründeten die Kursaufschläge mit den für Donnerstag angekündigten Geschäftszahlen. Allgemein wird erwartet, dass Preussag wesentlich besser der weltweiten Konjunkturschwäche trotzen wird als seine Konkurrenten.

Gegen den Trend notierten die Aktien von MAN weiter schwach und standen zuletzt noch mit sechs Prozent bei 23,55 Euro im roten Bereich. Der Konzern hatte am Morgen seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nochmals deutlich herabgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr könne das operative Ergebnis um ein Drittel zurückgehen, berichtete der MAN-Vorstand. Neben der rückgängigen Nachfrage nach Nutzfahrzeugen werde der Konzern durch die Bilanzfälschungen bei der britischen Tochter ERF erheblich belastet. Im ersten Halbjahr habe sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 245 Millionen Euro mehr als halbiert.

Die T-Aktie drehte nach Verlusten von 1,80 Prozent am Morgen zuletzt mit 1,35 Prozent auf 17,33 Euro ins Plus. Das Papier war zuvor von verschiedenen Meldungen belastet worden: Der Verkauf des Fernsehkabelnetzes der Deutschen Telekom an die Liberty Media Group droht zu scheitern, meldet das "Handelsblatt". Widersprüchliche Meldungen gab es zu dem möglichen Verkauf weiterer T-Aktien-Pakete: "Focus-Money" berichtet, dass nach der Hongkonger Hutchison Whampoa und der finnischen Mobilfunkgesellschaft Sonera nun offenbar auch der US-Großaktionär Telephone & Data Systems (TDS) den Verkauf seiner T-Aktien erwägt. Ein TDS-Sprecher sagte hingegen der "Financial Times Deutschland", dass der Konzern seine 131,5 Millionen T-Aktien als langfristige Investition betrachte und sich in diesem Jahr nicht von seinen Papieren trennen werde.

Schwache Vorgaben aus den USA

Die New Yorker Aktienmärkte haben am Dienstag nach der Zinssenkung der US-Notenbank kräftig nachgegeben. Die Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte sei bereits in den Kursen vorweggenommen worden, sagten Händler. Da Fed-Chef Alan Greenspan den Anlegern keine Hoffnungen auf ein Anziehen der amerikanischen Konjunktur machen konnte, sondern vielmehr seine Entscheidung mit dem anhaltenden Risiko einer Rezession für die US-Wirtschaft begründete, zeigten sich die Investoren enttäuscht und verkauften.

Die Kurseinbrüche in den USA warfen vor den ifo-Zahlen somit zunächst ihren Schatten auf den Handelstag in Deutschland: Der Dow Jones fiel um 1,41 Prozent auf 10.174 Zähler zurück. Die Technologiebörse Nasdaq gab 2,66 Prozent auf 1831 Punkte nach. Analysten zufolge habe sich die Notenbank mit ihrer Begründung des Zinsschrittes die Tür für eine weitere Zinssenkung bei ihrem Treffen am 2. Oktober offen gelassen habe. Nach mittlerweile sechs verblassten Zinssenkungen konnte dies jedoch die Märkte nicht beflügeln.

Massiver Stellenabbau in den USA hält an

Belege für die von Greenspan konstatierte Schwäche der US-Unternehmen hatten gleich mehrere Konzerne geliefert. So hatten die zweitgrößte US-Bank J.P. Morgan Chase, der weltgrößte Büromöbelhersteller Steelcase und der Elektronik-Zulieferer Agilent Technologies massive Stellenstreichungen angekündigt. Nachbörslich wurde in New York bekannt, dass der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner 1700 Arbeitsplätze abbauen will.

Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich von dem Kursrutsch an der Wall Street wenig beeindruckt. Der Nikkei schloss mit einem Prozent auf 11.396 Punkte im Plus.



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