Börse am Mittag Dax ohne klare Richtung

Der Schuldenanstieg bei der Deutsche Telekom stimmt die Investoren nachdenklich. Die Aktie gehört zu den größten Verlierern im Dax. Metro-Titel dagegen sind gefragt.


Frankfurt am Main – Während die Wachstumstitel am Neuen Markt weiter fest notierten, konnten die Standardtitel dem Dax am späten Vormittag noch keine klare Richtung geben.

Unter dem Eindruck der Halbjahreszahlen der Konzerne Metro, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care pendelte der Dax zuletzt wieder um sein Vortagesniveau bei 5794 Zählern, nachdem der Index zeitweilig mit einem halben Prozent im Minus gestanden hatte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben leicht nach, standen aber bis 11.30 weiter mit 0,4 auf 1238 Zähler im Plus.

Nach einem freundlichen Start hat die Aktie der Deutschen Telekom deutlich nachgegeben und stand zuletzt mit Abschlägen von 1,50 Prozent auf 25,37 Euro am Dax-Ende. Händler begründeten die Verluste zum Teil mit Gewinnmitnahmen. Der Markt reagiere aber auch auf die Halbjahresbilanz, die der Konzern vorgelegt hat. Negativ wurde der angestiegene Schuldenberg des Konzerns bewertet.

Wie die Telekom mitteilte, sei der Konzernumsatz um gut 17 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro (44,2 Milliarden Mark) gestiegen. Wesentlich verbessert habe sich die Ertragslage im Mobilfunk. Dennoch erwirtschaftete die Telekom in den ersten sechs Monaten einen Konzernverlust nach Sonderposten von 400 Millionen Euro.

Die Schulden der Deutsche Telekom sind auf knapp 69 Milliarden Euro angestiegen. Damit steigt die Zinslast und drückt in Zukunft auf Ergebnis und den Cash Flow. Jenseits aller Bilanzkosmetik muss vor allem dies jedem Investoren missfallen.

Die Telekom habe nach Ansicht von Werner Stäblein, Analyst bei der BHF-Bank, "lediglich zwei aussagekräftige Zahlen" vorgelegt, nämlich zum Umsatz und zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (Ebitda) von der Mobilfunk-Sparte T-Mobile. Das Ebitda von T-Mobile sei "sehr gut" ausgefallen, besser als von Stäblein erwartet. Einschränkend meinte der Experte, dass die Bilanz vorläufig sei. Interessanter sei, was die Telekom am 28. August präsentiert, weil dann die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche aufgeschlüsselt würden. "Die Zahlen von heute sind nur Stückwerk", gab sich der Analyst vorsichtig. "Man sollte sich da vor Kaffeesatzleserei hüten."

Deutlich positiv bewertete der Markt dagegen die Geschäftszahlen von Metro mit Kursaufschlägen von 3,22 Prozent auf 44,18 Euro. Der Wert führte damit die Gewinnerliste im Dax an. Der Umsatz des Handelskonzerns stieg um 5,8 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro (45,2 Milliarden Mark). Das Ergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern (Ebit) wuchs um 10,9 Prozent auf 206,4 Millionen Euro. Die Aktie setzte sich an die Dax-Spitze mit Kursaufschlägen von 1,31 Prozent auf 43,36 Euro.

Händler beschrieben die Zahlen für das zweite Quartal als erfreulich für den Markt. "Sie sind am oberen Ende der Erwartungen ausgefallen", sagte ein Händler von M.M. Warburg. Entsprechend werde das Ergebnis von den Anlegern honoriert. Zudem hätten die Aktien in den vergangenen Tagen etwas schwächer notiert. Die Konsumtitel würden aber derzeit auch allgemein von dem gut angelaufenen Sommerschlussverkauf profitieren.

Fresenius Medical Care hat im ersten Halbjahr 2001 das Ergebnis nach Steuern im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 116 Millionen Dollar gesteigert. Der Umsatz konnte um 16 Prozent auf 2,36 Milliarden Dollar erhöht werden. Die Aktie fiel nach positivem Start zuletzt 0,47 Prozent auf 88,04 Euro ins Minus.

Am Neuen Markt sprangen die Aktien von Heyde unter hohen Umsätzen um zuletzt noch mehr als 16 Prozent auf 2,77 Euro, nachdem das angeschlagene Unternehmen durch den Verlauf von Software-Töchtern 25 Millionen Euro einnehmen wird. "Das können die gut gebrauchen", sagte ein Händler. Wie das Kerngeschäft gelaufen sei, können man aber erst nach den Quartalszahlen sehen.

Nachdem sich die ersten Erfolge der Restrukturierung des Softwareunternehmen Ixos abzeichnen, stiegen die Aktien des ebenfalls im Nemax 50 notierten Unternehmens um mehr als 14 Prozent auf 7,70 Euro. Das Unternehmen hatte zuvor die Rückkehr zu schwarzen Zahlen gemeldet.

Nach Bekanntgabe der Zahlen für das erste Halbjahr verloren Singulus um zwei Prozent auf 23 Euro. Der Hersteller von Produktionsanlagen für optische Speichermedien hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet und die Analystenerwartungen verfehlt. Allerdings blickt der Vorstand optimistisch in die Zukunft, weshalb sich die Kursabschläge in Grenzen hielten.

Schwache Vorgaben aus New York

Bereits den dritten Handelstag in Folge haben die deutschen Aktienmärkte den Handel im Plus beendet. Allein der Neue Markt hat um 15 Prozent zugelegt und damit die "große Schwester", die US-Technologiebörse Nasdaq, abgehängt. Wenn auch Analysten und Händler noch von keiner Trendwende sprechen wollen, keimt gleichwohl Hoffnung vor allem bei privaten Anlegern auf, dass der schwer angeschlagene Patient langsam wieder zu Kräften kommt.

Fondsmanager dagegen, berichtet die "Welt", hielten dagegen ihr Pulver noch trocken. Rückschläge seien nicht auszuschließen. T-Online, Singulus und Steag Hamatech etwa müssen diese Woche noch mit Geschäftszahlen die Aufwärtstendenz des Marktes unter Beweis stellen.

Und letztlich bleibt den Investoren der Blick an die Wall Street nicht erspart. Wenn auch die Indizes seit vergangener Woche begonnen haben, ein Eigenleben zu entwickeln, so werden sich die deutschen Aktienmärkte nicht von der Entwicklung an der Wall Street abkoppeln können. Weniger die Tatsache, das die US-Börsen gestern leicht im Minus geschlossen haben, stimmt dabei bedenklich. Vielmehr sind es die andauernde Sorge um die US-Konjunktur und jüngste Prognosen zur Entwicklung des S&P 500, die aufhorchen lassen sollten. So haben drei namhafte Investmenthäuser ihre Prognosen für den Index zum Jahresende deutlich gesenkt.

Nachdem der Nikkei an der Tokioter Börse am Montag auf dem niedrigsten Stand seit Januar 1985 geschlossen hatte, setzte am Dienstag eine Erholung ein. Die 225 führenden Werte gingen mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 11.860 Punkte aus dem Handel.



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