Börse am Mittag Die Verkaufsorgie geht weiter

Starke Verluste bei den Technologietiteln zwingen den Dax in die Knie. Siemens, Infineon und T-Aktie sind enorm unter Druck. Der Neue Markt ist im freien Fall - die Indizes markieren im Minutentakt neue Jahrestiefs.


Frankfurt – Der Dax baute bis zum Mittag seine Verluste auf 0,8 Prozent aus und notierte nur noch knapp über 5800 Punkten. Besonders die Technologie- und Telekomtitel sind schwer unter Druck. Der Nemax All Share notierte 3,2 Prozent schwächer bei 1264 Zählern, der Nemax 50 (minus 3,8 Prozent)notierte zuletzt bei 1152 Punkten.

Stimmung auf dem Nullpunkt

Lediglich die defensiven Werte Henkel (plus 1,7 Prozent auf 73,33 Euro), Lufthansa (plus ein Prozent auf 18,80 Euro) und Adidas (plus 1 Prozent auf 70,85 Euro) waren am Vormittag gefragt. Die TMT-Titel waren erneut die größten Verlierer.

SAP gaben ihre Anfangsgewinne wieder ab und fielen deutlich unter 140 Euro –nach den massiven Verlusten der vergangenen Tage ist der Abwärtstrend noch nicht gestoppt. Zuletzt notierte die Aktie zwei Prozent schwächer bei 137,80 Euro.

Auch die T-Aktie verlor zuletzt 2,3 Prozent auf 25,48 Euro. Bei der möglichen Fehlbewertung des technischen Anlagevermögens könnte es sich laut "Spiegel" um eine Summe zwischen 15 und 21 Milliarden Mark handeln. Der Staatsanwaltschaft lägen interne Telekom-Vermerke vor, die von einer Falschbewertung in dieser Größenordnung ausgingen, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Siemens und Infineon stark unter Druck

Siemens verloren 2,9 Prozent auf 62,16 Euro. Die Chiptochter Infineon gab 4,1 Prozent auf 25,55 Euro nach. Spekulationen, die Konzernmutter Siemens müsse Infineon unter die Arme greifen, falls die geplante Kapitalerhöhung am schlechten Marktumfeld scheitert, belasteten beide Werte massiv. Offenbar wollen institutionelle Anleger nicht mehr als 25 Euro für die neu ausgegebenen Infineon-Aktien zahlen.

Auch Finanztitel blieben unter Druck. Die Deutsche Bank erwägt nach einem Bericht des "Spiegel", in die Übernahmeschlacht um die amerikanische Filialbank Wachovia einzugreifen. Das Institut, das an der Börse derzeit mit knapp 15 Milliarden Dollar bewertet wird, zählt mit 3,8 Millionen Kunden zu den größten US-Banken. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar zu dem Bericht ab. Die Aktie verlor 1,5 Prozent auf 80,30 Euro.

Am Mittwoch kommen die Anleger der Allianz zur Hauptversammlung zusammen. Der Versicherungskonzern hat bekräftigt, man liege bei der Übernahme der Dresdner Bank in der Zeit. Die Aktie notierte am Montag Vormittag 0,3 Prozent fester bei 335 Euro.

Bayer gaben um 0,7 Prozent auf 44,05 Euro ab. Der Pharmakonzern Aventis will laut einem Bericht der Financial Times Deutschland heute Exklusiverhandlungen mit Bayer über den Verkauf der Aventis-Pflanzenschutzsparte Aventis CropSience bekannt geben.

Weitere Zahlen aus den USA

Nach den Gewinnwarnungen von AMD und EMC stehen am Mittwoch die Zahlen von Motorola und Yahoo an. Die schwachen US-Arbeitsmarktdaten haben die Hoffnung auf eine schnelle Erholung gebremst. Der Dow Jones verlor am Freitag 2,2 Prozent, die Nasdaq rauschte um 3,7 Prozent in die Tiefe.

Neuer Markt: Wer macht das Licht aus?

Am Neuen Markt herrscht Untergangsstimmung. Am Freitag hatte der Nemax 50 die 1.200-Punkte-Marke durchbrochen und notiert damit auf neuem Jahrestief. Am Montag folgte Ejay mit einer Gewinnwarnung. Ein Indexstand unter 1000 Punkten ist für einige Marktteilnehmer nur noch eine Frage der Zeit.

Gewinner im Nemax 50 waren am Montag Biodata (plus 2,2 Prozent) und Heyde (plus 2,9 Prozent). Das Unternehmen hat mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Thomas Eisenbarth von seinem Amt abberufen. Eisenbarth hatte den Posten erst im Januar übernommen. Zudem trennte sich Heyde von seinen PSB-Anteilen. Die größten Verlierer im Nemax 50 waren am Mittag Telegate, Adva und SAP SI mit Verlusten von jeweils rund 15 Prozent.

Der Internet-Anbieter eJay hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht und Personalabbau angekündigt. Die im Nemax All Share notierte Aktie brach um kanpp 20 Prozent auf 0,70 Euro ein.

Der Euro wurde am Montag Morgen etwas fester mit 0,8451 Dollar gehandelt nach 0,8379 Dollar am späten Freitag. Die EZB hatte in der vergangenen Woche die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Börsianer trauen der Konjunktur in den USA inzwischen wieder mehr zu als in Europa und verheißen dem Euro weiter schwierige Zeiten. Die Gemeinschaftswährung profitierte jedoch von den schwachen US-Arbeitsmarktdaten. Heute stehen in Deutschland Zahlen zur Industrieproduktion an.



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