Börse am Mittag "Herr Sommer erzählt immer viel"

Die deutschen Aktienmärkte haben ihre Verluste ausgebaut. Gewinnmitnahmen bei den Technologiewerten drücken auf die Indizes. Die Deutsche Telekom verliert trotz kursstützender Worte von Konzernchef Ron Sommer.


Frankfurt am Main - Die Kursrallye der vergangenen Tage hat am Montag ein jähes Ende gefunden. Nicht einer der 30 Dax-Werte notierte am Mittag im Plus. Bis 13 Uhr gab der Blue-Chip-Index mehr als zwei Prozent auf 4718 Zähler nach. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 um 1,6 Prozent auf 1102 Zähler.

In den USA erwarten Händler unterdessen eine leichtere Eröffnung. Die vorbörslichen Barometer kündigten Kursverluste an. Der Nasdaq Future notierte mit 0,6 Prozent im Minus, der S&P Future präsentierte sich 0,4 Prozent schwächer.

"Wir sehen heute ganz normale Gewinnmitnahmen", sagte ein Händler. Die Kursverluste seien nach den guten Tagen in der vergangenen Woche völlig normal. Zudem bauten die Anleger vermehrt Sicherungspositionen an der Terminbörse auf, hieß es am Markt. Damit sicherten sie ihre Positionen vor den diese Woche anstehenden Konjunktur- und Unternehmensdaten ab. Auch die ungewissen Aussichten für das kommende Jahr wirkten belastend auf die Stimmung, fügte ein Beobachter hinzu.

Telekom fällt trotz bestätigter Prognosen

Die T-Aktie Chart zeigen sackte um knapp drei Prozent auf 18,61 Euro, obwohl Konzernchef Ron Sommer in einem Gespräch mit dem Handelsblatt die Prognosen bestätigt hatte. Das Dax-Schwergewicht wird voraussichtlich am Mittwoch seine Geschäftszahlen vorlegen. "Ja, ja, der Herr Sommer erzählt immer viel", gab sich ein Händler skeptisch. "Da warten die Anleger lieber erstmal ab, was für Zahlen am Mittwoch wirklich auf den Tisch kommen."

Der Tourismuskonzern Preussag Chart zeigen führte die Dax-Verliererliste an. Die Aktie verbilligte sich um 4,4 Prozent auf 27,01 Euro. Dem Kursrutsch ging eine Herabstufung durch die Investmentbank HSBC voran. Die Analysten stuften die Papiere von "Kaufen" auf "Halten" zurück und gaben mit 29 Euro ein neues Kursziel an. Zudem reagierte der Markt nervös auf die schlechten Branchennachrichten der LTU. Der "FTD" zufolge kämpft die Charterfluggesellschaft ums Überleben. Wie die Zeitung berichtet, reicht die Zahlungsfähigkeit nach Angaben unternehmensnaher Kreise noch bis Mitte November. Für LTU sei die Lage besonders dramatisch, weil der Anteilseigner Rewe keine zusätzliche Hilfe in Aussicht stelle.

Zu den größten Verlierern gehörten die Technologiewerte, die in den vergangenen Tagen jedoch deutlich Kursanstiege verzeichnen konnten. Die Titel von SAP Chart zeigen (minus 3,5 Prozent auf 114,30 Euro), Infineon Chart zeigen (minus 3,3 Prozent auf 17,64 Euro), Siemens Chart zeigen (minus drei Prozent auf 55,60 Euro) und Epcos Chart zeigen (minus 2,8 Prozent auf 52,30 Euro) gaben überdurchschnittlich nach.

Die Aktie der Commerzbank Chart zeigen verlor 1,1 Prozent auf 17,81 Euro. Auslöser für den Kursrutsch: Vorstandschef Klaus-Peter Müller räumte für das Gesamtjahr rote Zahlen ein. "Ich kann einen Verlust zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dafür ist das gesamte Umfeld zu unklar", sagte er im Gespräch mit Tageszeitung "Die Welt". Auch die Anteilsscheine der Rivalen Deutsche Bank Chart zeigen (minus 2,5 Prozent auf 62,48 Euro) und HypoVereinsbank Chart zeigen (minus 1,9 Prozent auf 35,42 Euro) notierten deutlich schwächer.

Bayer Chart zeigen scheint im Streit um das Milzbrand-Medikament Ciprobay in den USA nun wohl doch zu verlieren. In der vergangenen Woche hatte sich der Chemie- und Pharmakonzern mit der US-Regierung noch auf eine neue Preisstruktur geeinigt, nun heißt es, dass Washington doch lieber das billigere Konkurrenz-Produkt Doxyzyklin einsetzen möchte. An der Börse ist die Nachricht negativ aufgenommen worden, die Bayer-Aktie gab 2,8 Prozent auf 33,06 Euro nach.

ThyssenKrupp-Titel Chart zeigen sind von einer negativen Analystenstudie belastet worden und verloren 1,2 Prozent auf 11,98 Euro. Die Wertpapierexperten von Morgan Stanley haben ihre Erwartungen für den Gewinn je Aktie nahezu auf Null reduziert. Ein Gewinn wird erst wieder für das Jahr 2003 prognostiziert.

Pennystocks wehren sich gegen den Rausschmiss am Neuen Markt

Die geplanten Regeländerungen der Deutschen Börse stoßen weiterhin auf Kritik der vom Delisting bedrohten Unternehmen. Am Montag teilten Ejay (plus 21,2 Prozent auf 0,63 Euro) und Tiscon (plus 20,1 Prozent auf 1,50 Euro) mit, eine gerichtliche Verfügung gegen die Verbannung vom Neuen Markt erwirkt zu haben. Damit haben sich bereits 18 Unternehmen erfolgreich gegen einen Zwangsausschluss der Wachstumsbörse gewehrt. Einen anderen Weg schlug Dino Entertainment ein. Der Medienkonzern verlässt freiwillig den Neuen Markt, da das Segment eigenen Angaben nach zu teuer sei. Stattdessen werde ein Wechsel in den Geregelten Markt angestrebt. Die Börse honorierte die Ankündigung mit einem Plus von 13,8 Prozent auf 3,55 Euro.

Im Auswahlindex Nemax 50 präsentierte sich die Aktie von IDS Scheer Chart zeigen mit einem Aufschlag von fünf Prozent auf 7,37 Euro fest. Die Softwareschmiede profitierte von einem Auftrag der Krankenkasse Bulgariens. Ersten Angaben zufolge soll IDS Scheer das Informationssystem liefern.

Ebenfalls deutlich zulegen konnten Intershop Chart zeigen und EM.TV Chart zeigen . Größter Verlierer war Pixelpark Chart zeigen .

Wichtige Unternehmensdaten in den kommenden Tagen

Im Laufe der Woche werden noch etliche kursbewegende Nachrichten erwartet. Von Unternehmensseite her sollten am Dienstag die Neunmonatszahlen von Fresenius Medical Care Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen im Fokus der Anleger stehen. Der Einzelhandelskonzern Metro Chart zeigen berichtet am selben Tag über das Neunmonats-Ergebnis. Am Donnerstag ist schließlich das größte Bankhaus der Republik an der Reihe: Die Deutsche Bank Chart zeigen gibt ihr Ergebnis für das dritte Quartal bekannt.

In den USA stehen ebenfalls eine Reihe von Daten an: Das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal dokumentiert nach Ansicht der Analysten der DGZ-DekaBank den "Einstieg in die Rezession". Das Verbrauchervertrauen am Dienstag und der Einkaufsmanager-Index (NAPM) am Donnerstag jeweils für Oktober dürften die Stimmung eintrüben. Am Freitag schließlich wird der Arbeitsmarktbericht den Experten zufolge für "eine negative Überraschung sorgen".

Euro leicht gestiegen

Die Gemeinschaftswährung wurde am Mittag mit 0,8992 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,8911 (Donnerstag: 0,8889) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,1948 (2,2003) Mark.



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