Börse am Mittag Hightechs reißen Dax ins Minus

Zum Wochenausklang werden die Hightechs wieder massiv abgestoßen. Zu den Gewinnern im Dax zählen die Finanz- und Autowerte.


Frankfurt am Main – Am letzten Handelstag dieser Woche bleibt die Stimmung auf dem Frankfurter Aktienparkett trüb. Der Dax verlor bis zum Mittag 0,3 Prozent auf 6245 Punkte, der Nemax 50 rutschte um 1,5 Prozent auf 1961 Zähler ab. Um 0,7 Prozent auf 4780 Punkte sackte der M-Dax hinunter. Und selbst die Futures der Wall Street kennen am Freitag nur eine Richtung: nach unten.

Die Finanztitel haben an die freundliche Kurserholung vom Donnerstag angeknüpft und zugelegt. Zum Mittag hat die Commerzbank einen Gewinn von über drei Prozent auf 30,10 Euro verbucht und damit die Gewinnerliste angeführt. Die Rivalen Dresdner Bank (plus 0,6 Prozent), HypoVereinsbank (plus 0,3 Prozent) und Deutsche Bank (plus 0,1 Prozent) präsentierten sich ebenfalls freundlich.

Die Lufthansa hat von der Meldung über einen bevorstehenden Einstieg bei der Spanair profitiert. Über eine Kapitalverflechtung mit der spanischen Fluglinie soll die Kranichlinie ihre Präsenz in Europa deutlich ausbauen können.

Nach frühen Verlusten hat die DaimlerChrysler-Aktie ins Plus gedreht und 1,4 Prozent auf 56,15 Euro gewonnen. Einem Bericht des "Wall Street Journals" zufolge könnten auf den Konzern jedoch weitere Schwierigkeiten zukommen. Die Probleme mit Freightliner im US-LKW-Geschäft seien größer als zunächst angenommen, hieß es. Rund 45.000 gebrauchte Trucks sollen derzeit auf Halde stehen, für diese Fahrzeuge müßten nun mittels eines kostenintensiven Programms Käufer gefunden werden. BMW und Volkswagen notierten mit Aufschlägen zwischen 0,5 und 0,7 Prozent ebenfalls freundlich.

"Keiner will Technologiewerte übers Wochenende halten", sagte ein Händler. Die deutlichen Verluste führten Händler auf die schwachen Vorgaben der Nasdaq zurück. Diese hatten im Sog einer Reihe von Hiobsbotschaften leichter geschlossen. Neben Intel, dessen Umsatz im ersten Quartal deutlich geringer ausfallen wird als zunächst erwartet, hatte auch der US-Halbleiterspezialist National Semiconductor wenig Gutes berichtet. Das Unternehmen reduzierte erneut seine Erwartungen für das vierte Quartal. Nun sei das Vertrauen, das die Anleger in den vergangenen Tagen langsam aufgebaut hätten, erst einmal weg, hieß es.

Dies ließ auch die deutschen Technologiewerte im Dax nicht unbeeindruckt. Infineon führten mit minus 4,5 Prozent auf 38,40 Euro die Verliererliste an. Aber auch die restlichen Mitglieder der Siemens-Familie notierten schwächer: Epcos fielen um 1,1 Prozent auf 69 Euro, während die Aktien des Mutterunternehmens um 2,3 Prozent auf 129,55 Euro abgaben. SAP bröckelten um 2,9 Prozent auf 158,25 Euro ab.

Der im M-Dax notierte Medienwert ProSieben Sat 1 ist nach einer Herabstufung durch das amerikanische Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter unter Druck geraten und hat 5,5 Prozent auf 25,40 Euro verloren. Die Analysten haben aufgrund des Marktumfeldes die Wachstumsaussichten gesenkt.

Am Neuen Markt profitierte Aixtron von den soliden Zahlen, die das Unternehmen am Vortag präsentiert hatte. Das Papier führte mit einem Aufschlag von rund zehn Prozent auf 88,22 Euro die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Im gestrigen Handel führte das Aachener Unternehmen mit einem Minus von rund 13 Prozent noch die Verliererliste an. Doch die nach Börsenschluss veröffentlichten Geschäftszahlen überzeugten offenbar die Anleger.

Starke Verluste musste dagegen Gauss Interprise einstecken. Das Hamburger Softwareunternehmen setzte damit erst einmal seine Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage fort. Die Papiere verloren mehr als sechs Prozent auf 2,42 Euro. Größter Verlierer waren die Aktien der Direkt Anlage Bank, die 10,31 Prozent auf 22,79 Euro verloren. Pixelpark gaben annähernd neun Prozent auf 13,55 Euro ab.

Im breiter gefassten Nemax All Share, der um 1,3 Prozent auf 2067 Punkte abgab, konnte Fluxx überzeugen. Das Unternehmen hatte vor Börseneröffnung mitgeteilt, die Gewinnschwelle voraussichtlich früher als geplant zu erreichen. Noch schreibt die Internet-Firma jedoch rote Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) nach vorläufigen Angaben von 6,2 Millionen Euro auf 7,3 Millionen Euro. Dank des positiven Ausblicks konnte die Aktie dennoch gewinnen und stieg um über 15 Prozent auf 6,90 Euro.

Der Euro hielt sich stabil über der 93-Cent-Marke und wurde in Frankfurt mit 0,9357 zum Dollar gehandelt.



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