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10. Dezember 2001, 13:07 Uhr

Börse am Mittag

Infineon und SAP belasten den Dax

Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank nehmen Anleger besonders bei Technologietiteln Gewinne mit. MLP und Versorgerwerte sind gefragt. Consors wird von Verkaufsgerüchten gestärkt.

Frankfurt am Main - Der Dax baute am Mittag seine Verluste auf ein Prozent aus und notierte bei 5149 Punkten. Der Nemax 50 tendierte auf Grund der Verluste des Schwergewichts T-Online zuletzt 2,1 Prozent schwächer bei 1276 Zählern. Im Dax wirkten sich besonders die Verluste bei Infineon und SAP negativ aus.

Verkauft Eon Mobilfunktochter?

Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP gehörte am Montag gemeinsam mit den Versorgern Eon und RWE zu den wenigern Gewinnern im Dax. Am Markt werde spekuliert, dass Eon seine österreichische Mobilfunktochter One an die France Telecom-Tochter Orange verkauft, sagten Händler.

Zinssenkung eingepreist

Die deutliche Kurserholung im Wochenverlauf halten viele Marktteilnehmer auf Grund der nach wie vor schwachen Unternehmensdaten für fundamental nicht gerechtfertigt. Lediglich die hohe Liquidität im Markt und eine weitere Zinssenkung könne auf diesem hohen Niveau für weiteren Zuwachs zum Jahresende sorgen. Anleger erwarten, dass US-Notenbankchef Alan Greenspan am Dienstag die Zinsen um mindestens 25 Basispunkte auf 1,75 Prozent senkt. Eine Zinssenkung in dieser Höhe ist bereits eingepreist: Greenspans Ausblick auf die Lage der US-Konjunktur wird dann über die weitere Richtung an den Aktienmärkten entscheiden.

Gewinnmitnahmen im Tech-Sektor

Infineon war mit Verlusten von rund sechs Prozent am Mittag der größte Verlierer im Dax. "Die Technologieaktien sind in der vergangenen Woche sehr gut gelaufen und die Anleger nehmen nun Gewinne mit", sagte ein Händler in Frankfurt. Besonders die Infineon-Aktie wurde jüngst auf Grund positiver Unternehmenskommentare von Intel, Texas Instruments und Advanced Micro Devices gesucht. "Ich glaube, dass der Verkauf von STMicroelectronics-Aktien der Grund für die Gewinnmitnahmen ist", sagte ein anderer Händler. France Telecom (FT) und Finmeccanica SpA wollen 60 Millionen Aktien des Chipherstellers STMicroelectronics veräußern.

Auch der Softwarehersteller SAP gehörten mit Abschlägen von rund zwei Prozent zu den Verlierern. Auch SAP hatte in der vergangenen Woche deutlich zugelegt, rutschte nun aber erneut deutlich unter die 150-Euro-Marke.

Banken: Strafen wegen Preisabsprachen

Die Finanztitel tendierten zum Wochenstart uneinheitlich. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will nach Medienberichten gegen vier deutsche Banken ein Bußgeld wegen Preisabsprachen im Sortengeschäft verhängen. Monti werde voraussichtlich an diesem Dienstag die Commerzbank , die Dresdner Bank, die HypoVereinsbank und die Deutsche Verkehrsbank mit einer Strafe von insgesamt rund 100 Millionen Euro belegen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Banken hätten sich 1997 zusammengetan, um ihre Preispolitik für Sortengeschäfte abzusprechen. Die Commerzbank gab zuletzt 1,5 Prozent nach, während die HypoVereinsbank dagegen leicht zulegen konnte.

Neuer Markt: Gerüchte beflügeln Consors

Im Nemax 50 erwischten die Aktien von PrimaCom und Consors mit jeweils rund sechs Prozent Zuwachs den besten Start. Nach einer Aussage des Sanierers der Schmidt-Bank, Paul Wieandt, soll der ConSors-Verkauf sofort eingeleitet werden.

Auch der Filmrechtehändler Highlight setzte mit einem Plus von knapp drei Prozent seine Klettertour fort. Spekulationen um die Champions-League-Rechte haben der Aktie seit Ende November zu einem Höhenflug verholfen.

Deutliche Verluste bei T-Online , die zuletzt knapp sieben Prozent verloren, belasteten den Wachstumsindex. Einer der größten Verlierer war auch das Medienunternehmen EM.TV mit einem Verlust von fünf Prozent.

Tokio folgt schwacher Wall Street

An der Wall Street hatte zum Wochenschluss ein überraschend deutlicher Anstieg der US-Arbeitslosenquote den Aufwärtstrend gestoppt. Der Dow Jones büßte 50 Punkte ein, der Nasdaq gab um 33 Punkte nach. Nach Angaben des Labor Department kletterte die US-Arbeitslosenquote im November auf 5,7 Prozent, dem höchsten Stand seit August 1995. Die asiatische Leitbörse in Tokio hat daraufhin am Montag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte um 225,88 Punkte oder 2,1 Prozent auf 10.571 Punkte. Der Euro notierte am Morgen leichter mit 0,8907 Dollar nach 0,8934 Dollar am Freitag.

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