Börse am Mittag SAP rauscht abwärts

Nach den massiven Verlusten der vergangenen Handelstage können sich die Aktien der Münchener Rück und Allianz wieder leicht erholen. Deutliche Kursabschläge verzeichnen hingegen die Deutsche Bank und SAP. Börsianer befürchten eine Gewinnwarnung.


Frankfurt am Main - Der Dax hat seine Gewinne bis zum Mittag halten können und notierte bis 12.10 Uhr auf 2688 Zählern, ein Plus von 0,8 Prozent. Der MDax kletterte um 0,3 Prozent auf 2802 Punkte. Am Neuen Markt behauptete sich der Nemax 50 nur knapp im Plus auf 314 Punkten.

Trotz des Kursanstiegs zeigten sich Händler skeptisch. "Für die weitere Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten sind wir sehr vorsichtig," sagte ein Händler der Deutschen Bank. Von einer "technische Gegenreaktion" der Börse sprach Raed Mustafa von der Baden-Württembergischen Bank. "Eine Nachhaltigkeit sehe ich aber nicht."

Die Aussagen von EZB-Präsident Wim Duisenberg vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments haben keine Überraschungen gebracht. Duisenberg hat die Leitzinsen derzeit als angemessen bezeichnet. Zuvor waren die deutschen Arbeitsmarktdaten für September etwas besser als erwartet ausgefallen. Der Einfluss auf die Märkte sei allerdings gering gewesen, berichteten Händler.

Die mit Spannung erwartete Rede von US-Präsident George W. Bush zur Irak-Problematik in der Nacht zum Dienstag habe ebenfalls keinen größeren Einfluss. "Wir sind so klug wie zuvor", sagt ein Händler. Bush hatte gesagt, dass die Gefahr durch den Irak weiter zunehme, ein Krieg allerdings nicht unmittelbar bevorstehe.

Zu den größten Verlierern gehörte die Aktie der Deutschen Bank Chart zeigen, die sich um 2,6 Prozent auf 38,95 Euro verbilligte. "Der Markt erwartet immer noch, dass die Deutsche Bank eine Gewinnwarnung herausgeben wird", sagte ein Düsseldorfer Händler. Bereits in der vergangenen Woche wurde spekuliert, dass die Deutsche Bank eine Gewinnwarnung herausgeben wird. Zudem hätten bereits mehrere große Banken Stellenstreichungen angekündigt. Am Donnerstag hatte die Investmentbank Goldman Sachs die Aktie von "Outperformer" auf "Marketperformer" heruntergestuft. "Die Herunterstufung des großen US-Investmenthauses drückt immer noch auf den Aktienkurs", sagte ein anderer Händler.

Deutliche Abschläge verbuchten auch die Titel von SAP Chart zeigen, die zuletzt 1,1 Prozent niedriger auf 41,19 Euro gehandelt wurden. Die Investmentbank UBS Warburg habe am Morgen ihr Kursziel für den SAP-Titel wegen Befürchtungen um eine mögliche Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr von 65 auf 45 Euro gesenkt, sagten Händler. SAP wird seine Zahlen zum dritten Quartal am 17. Oktober vorlegen.

Die Aktien von Allianz Chart zeigen und Münchener Rück Chart zeigen und Hannover Rück Chart zeigen waren überdurchschnittlich gefragt. Während Allianz ihre Vortagesgewinne um weitere 3,3 Prozent auf 82,23 Euro ausbauten, erholten sich Münchener Rück um 2,1 Prozent auf 103,30 Euro. Im MDax erholten sich Hannover Rück um zwei Prozent auf 16,36 Euro.

Auch die Technologiewerte Epcos Chart zeigen, Infineon Chart zeigen und Siemens Chart zeigen standen im Plus. Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu Chart zeigen wird nun auch bei der Entwicklung und dem Teile-Einkauf für Personal Computer mit Siemens zusammenarbeiten.

Die Aktien der Deutschen Telekom Chart zeigen verteuerten sich um ein Prozent auf 8,83 Euro. Nach der Absage von Post-Chef Klaus Zumwinkel sucht das Unternehmen nach Informationen des "Handelsblatts" auch weiterhin nach einem externen Kandidaten für die Besetzung des Chefpostens. Allerdings erweise sich die Suche als schwierig, da T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke als interner Kandidat die besten Chancen habe, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Dennoch wolle die Telekom Ende des Monats dem Präsidium des Aufsichtsrats eine Auswahl an Kandidaten präsentieren. Der Konzern würde eine überzeugende externe Lösung bevorzugen.

Nach negativen Analystenkommentaren haben die im MDax notierten Aktien der Darmstädter Software AG Chart zeigen um annähernd drei Prozent auf 8,75 Euro nachgegeben. Händler verwiesen auf eine Analyse von UBS Warburg. Deren Analysten hatten demzufolge das Kursziel für den Titel von 16 auf zehn Euro gesenkt. "Der kritische Kommentar dürfte der Grund für die aktuelle Schwäche bei der Software-Aktie sein", sagte in Marktbeobachter. Schließlich hielten sich die anderen Techwerte im Dax-100 meist deutlich im Plus.

Anlegerängste vor der sich zuspitzenden Irak-Krise und Sorgen um die Gewinnentwicklung bei den Unternehmen haben am Montag die amerikanischen Aktienindizes erneut in die Tiefe gezogen. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte fiel um 105,56 Punkte oder 1,4 Prozent auf 7422 Zähler. Der Nasdaq hingegen verlor 1,8 Prozent auf 1119 Zähler. Auch der S&P-500 gab deutlich nach.

Zu den Tagesverlierern gehörten die Aktien führender Einzelhandelsunternehmen wie Sears Roebuck Chart zeigen. Die zuvor von Sears bekannt gegebenen Quartalszahlen lagen unter den Erwartungen. Auch Wal-Mart Chart zeigen und Home Depot Chart zeigen kamen unter die Räder.

Im Technologiesektor belasteten Cisco Chart zeigen den Handel. Deutsche Banc Securities hatte die Ergebnisprognosen des Netzwerkausrüsters gesenkt.

Alle drei Aktienindizes haben sechs Wochenverluste in Folge registriert, weil die Investoren davon ausgehen, dass die Gewinne der Unternehmen im dritten Quartal deutlich schlechter ausgefallen sind als erwartet. Eine der Hauptursachen der Börsenmisere in diesem Jahr ist nach Urteil von Wall-Street-Volkswirten die schwache US-Konjunktur. Der derzeitige Arbeitskampf in den Seehäfen der Westküste könnte das Wachstum weiter gefährden. 26 Häfen waren am Montag nicht in Betrieb.

Befürchtungen, dass das Volumen fauler Kredite bei den Geschäftsbanken im Ansteigen ist, setzten in den USA Citigroup Chart zeigen und Merrill Lynch Chart zeigen unter Druck.

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Dienstag nach immer neuen Tiefständen der vergangenen Tage einen leichten Kursanstieg verbucht. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte um 0,2 Prozent oder 20,90 Punkte auf 8708 Zähler zu. Der breiter angelegte Topix verbesserte sich um 0,04 Prozent oder 0,32 Punkte auf 860 Punkte.

Der Markt sei vor allem von der Nachfrage nach Bankaktien gestützt worden, sagten Händler. Die japanische Regierung hatte am Vortag eine für kommenden April geplante Begrenzung der staatlichen Garantien auf Einlagen auf Girokonten um zwei Jahre aufgeschoben. Grund war die Sorge, dass die erwogene Begrenzung der Garantien auf zehn Millionen Yen (82.000 Euro) die Wirtschaft belasten könnte.

Der Kurs des Euro hat im frühen Dienstaghandel die zum Wochenauftakt erreichte Marke von 98 US-Cent verteidigt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 11.15 Uhr 0,9810 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9808 (Freitag: 0,9865) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0196 (1,0137) Euro.

Keine Impulse für den Devisenmarkt hatte nach Einschätzung von Volkswirten die Irak-Rede von Bush. Sie habe keine neuen Fakten enthalten, sagten Beobachter. Der Kurs des Euro war am Montagnachmittag über die Marke von 98 US-Cent geklettert. Händler machten dafür den überraschend starken Anstieg der Auftragseingänge in der deutschen Industrie im August verantwortlich. Die Daten seien am Markt als Zeichen gegen ein Abgleiten der größten Volkswirtschaft der Eurozone in eine Rezession gewertet worden.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.