Börse am Morgen Ausverkauf und kein Ende

Die deutschen Aktienmärkte fallen tief ins Minus, vor allem Chemiewerte und die Telekom stehen unter Druck. Bei MLP greifen die Investoren nach dem Kursmassaker vom Freitag zu und treiben den Wert in der Spitze um 20 Prozent in die Höhe.


Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben den Handel am Montag mit Verlusten eröffnet und diese dann deutlich ausgebaut. Der Dax rutschte zuletzt um 2,8 Prozent ab auf 3434 Punkte ab. Auch die Wachstumswerte am Neuen Markt tendierten leichter. Der Auswahlindex Nemax 50 gab 1,3 Prozent auf 512 Zähler ab.

Bei stark schwankenden Kursen führte die Aktie von MLP Chart zeigen die Gewinnerliste im Dax an. Zeitweilig legte das Papier rund 20 Prozent auf 9,61 Euro zu. Händler bezeichneten die Kursgewinne als rein technische Gegenreaktion auf die Verluste vom Freitag. Der Titel des Vortages hatte nach einer Gewinnwarnung etwa die Hälfte seines Wertes verloren. Jetzt droht dem Finanzdienstleister noch der Rauswurf aus dem Dax.

Vor diesem Hintergrund ist wichtig, dass die Deutsche Börse in dieser Woche die Rangliste für die Dax-100-Unternehmen veröffentlichen wird. Die Entscheidung über die neue Zusammensetzung fällt der Vorstand der Deutschen Börse jedoch erst am 13. August. Die Neuregelung tritt dann im September in Kraft. Für eine Mitgliedschaft im Dax 30 müssen die Unternehmen bei Börsenkapitalisierung und Handelsumsätzen mindestens auf Platz 35 liegen.

Zu den wenigen Gewinnern zählten zunächst auch die Papiere von Schering Chart zeigen, die dann allerdings leicht ins Minus auf 54,60 Euro drehten. Finanzchef Klaus Pohle hat einer Fusion des Pharmakonzerns erneut eine deutliche Absage erteilt. "Ich sehe nicht das notwendige Synergiepotenzial. Der wirtschaftliche Nutzen wäre zu gering", sagte Pohle in einem Interview mit der "Welt".

In der Vergangenheit war in Branchenkreisen über eine mögliche Übernahme oder Fusion von Schering spekuliert worden. Nach der Bekanntgabe der Übernahme von Pharmacia durch den weltgrößten Pharmakonzern Pfizer Inc. im Juli waren die Gerüchte neu aufgeflackert. Hintergrund ist die im internationalen Vergleich eher geringe Größe des Schering-Konzerns und der niedrige Aktienkurs.

Strafanzeige gegen Telekom-Führungsriege

Die Aktien der Deutsche Telekom Chart zeigen haben zum Wochenauftakt zunächst behauptet eröffnet, drehten dann allerdings mit mehr als zwei Prozent auf 10,55 Euro ins Minus. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, aktiven und ehemaligen Spitzenmanagern des Bonner Konzern drohten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue. Ihnen werde vorgeworfen, durch einen Aktienoptionsplan im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Deutsche Telekom wies die Vorwürfe zurück.

"Die Nachricht kommt nicht unerwartet", sagte Christian Schmidt von Heleba Trust. Aktionärsschützer hätten bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es zu Untersuchungen kommen müsste, da sich die Vorstandsgehälter im Vergleich zum sinkenden Aktienkurs in drastische Höhen entwickelt hätten.

"Für das Unternehmen ist so eine Nachricht natürlich sehr negativ", sagte Schmidt. Die Vorwürfe richten sich unter anderem gegen den zurückgetretenen Telekom-Chef Ron Sommer sowie gegen den neuen Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler und den Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus. "Da muss auf eklatante Weise die Aufsichtspflicht verletzt und einige Kontrollebenen durchbrochen worden sein", sagte Schmidt. "Das wirft natürlich auch kein gutes Licht auf den größten Anteilseigner - den Bund".

Volkswagen will kräftig sparen

Volkswagen Chart zeigen-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder will nach einem Vorab-Bericht der "Automobilwoche" ein Sparprogramm verkünden und noch in diesem Jahr mehrere hundert Millionen Euro im Konzern einsparen. Das bereits eingeschränkte Gewinnziel für 2002 solle nicht verfehlt werden, gab die "Automobilwoche" als Begründung an, ohne Quellen zu nennen. Die Aktie von Volkswagen gab 0,60 Prozent auf 44,78 Euro nach.

Zu den Verlierern zählten überdies die Chemiewerte Bayer Chart zeigen und BASF Chart zeigen, die 2,80 Prozent beziehungsweise 1,40 Prozent verloren. Lufthansa Chart zeigen rutschten um 2,40 Prozent auf 12,32 Euro ab. Die Aktie hatte in der vergangenen Woche deutlich hinzugewonnen.

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" drängt der Energiekonzern Eon Chart zeigen offensichtlich das Bundeswirtschaftsministerium, die Verfahrensfehler bei der Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas AG zu beseitigen. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, der Energiekonzern prüfe nun, ob die vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf beanstandete Anhörung wiederholt werden könne. So könne die drohende Blockade vor Gericht vermieden, und die Fusion realisiert werden. Die Aktie notierte leicht im Plus auf 48,34 Euro.

Singulus bestätigt Prognose

Am Neuen Markt hat vor Handelsbeginn Singulus Chart zeigen ihre Prognose für ein 20-prozentiges Umsatz- und Ergebniswachstum für das Gesamtjahr bekräftigt. Wie das Unternehmen mitteilte, betrug der Auftragseingang im zweiten Quartal 92,1 (59,9) Millionen Euro. Für das erste Halbjahr wies Singulus 169,6 (108,9) Millionen Euro aus. Beim Ergebnis nach Steuern erreichte das Unternehmen im ersten Halbjahr 12,624 (12,220) Millionen Euro und beim Umsatz 110,290 (104,509) Millionen Euro. Die Aktie gewann 0,40 Prozent auf 22,99 Euro hinzu.

Warten auf Qiagen

Nachdem das Biotech-Unternehmen Qiagen Chart zeigen Anfang Juli seine Umsatz- und Gewinnschätzung für das laufende Geschäftsjahr nach unten revidiert hatte, rechnen Analysten für das zweite Quartal mit einem deutlichen Abschlag beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Qiagen dürfte an diesem Montag nach Börsenschluss ein Ebit von 11,82 Millionen Dollar nach 14,75 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum ausweisen. Beim Umsatz liegen die Erwartungen der Branchenexperten zwischen 72 und 73,50 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden 66,05 Millionen Dollar umgesetzt. Die Aktie notierte rund ein Prozent leichter auf 6,55 Euro.

Wall Street hofft auf Alan Greenspan

Kann US-Notenbankchef Alan Greenspan mit einer Zinssenkung noch einmal das Ruder herumreißen? Darauf zumindest hoffen die Märkte, nachdem in der vergangenen Woche eine Reihe negativer US-Konjunkturdaten die Börsen erneut unter Druck gebracht haben. Die Fed trifft am 13. August zusammen. Der Dow Jones konnte auf Wochensicht ein kleines Wochenplus von 0,6 Prozent retten. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, beendete die fünfte Woche in Folge mit Verlusten und gab 1,1 Prozent ab.

Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs etwa rechnet damit, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen von dem bereits extrem niedrigen Niveau von 1,75 Prozent möglicherweise im vierten Quartal auf bis zu ein Prozent senken wird. Damit wolle sie verhindern, dass die USA wieder in eine Rezession geraten, berichtet die amerikanische Wirtschaftsagentur "Bloomberg". Das wäre das niedrigste US-Zinsniveau seit 50 Jahren.

Erst in der vergangenen Woche hat Chefvolkswirt Stephen Roach von Morgan Stanley gewarnt, dass die weltgrößte Wirtschaftsmacht erneut in eine Rezession abgleiten könnte. Die Gefahr bezifferte auf 60 bis 65 Prozent.

Börse Tokio geht schwächer aus dem Handel

Die asiatische Leitbörse in Tokio ging am Montag mit Verlusten aus dem Handel. Der Nikkei gab 0,1 Prozent auf 9704 Zähler ab. Um elt Uhr Ortszeit wurde der US-Dollar leichter mit 118,85-87 Yen gehandelt nach 118,93-95 Yen am späten Freitag. Der Euro notierte im frühen Geschäft leichter mit 117,16-20 Yen nach 117,50-54 Yen am späten Freitag. Zum Dollar wurde der Euro ebenfalls leichter mit 0,9860-63 Dollar gehandelt nach 0,9880-82 Dollar am späten Freitag.



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