Börse am Morgen Bilanz-Zweifel drücken MLP

Die deutschen Aktienmärkte sind schwach in den Handel gestartet. Gerüchte um zweifelhafte Bilanzierungsmethoden lasten auf der Aktie von MLP. Die Geschäftszahlen von Eon kommen bei Anlegern gut an.


Frankfurt am Main - Der Dax hat seine Verluste im frühen Handel ausgebaut und fiel bis 9.55 Uhr um 0,6 Prozent auf 5043 Punkte. Nur leicht schwächer präsentierten sich die Nebenwerte. Der MDax gab um 0,2 Prozent auf 4475 Zähler nach. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 rund 0,9 Prozent auf 874 Punkte.

Nach der Vorlage einer Quartalsbilanz über den Erwartungen gehörte die Aktie des Düsseldorfer Versorgerkonzerns Eon Chart zeigen zu den wenigen Gewinnern im Dax. Das Papier kletterte um 1,5 Prozent auf 57,44 Euro. Die Zahlen wurden vom Markt positiv aufgenommen. Das Betriebsergebnis stieg auf 1,293 Milliarden Euro nach 884 Millionen Euro im Vergleichszeitraum (plus 46%).

Mit Abstand der stärkste Verlierer war indessen die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP Chart zeigen , die im frühen Geschäft förmlich einbrach und um über zwölf Prozent auf 52,55 Euro verlor. Am Morgen hatte das Anlegermagazin "Börse Online" berichtet, MLP habe mit geschickter Bilanzierung jahrelang hohe Gewinne erwirtschaftet und zugleich hohe Schulden außerhalb seiner Bilanz aufgebaut. Die Aktie wurde zudem bei hohem Volumen verkauft und machte bereits in den ersten Handelsminuten ein Viertel des Gesamtumsatzes vom Vortag.

Im Zentrum des Interesses stand auch die Aktie der Deutschen Telekom Chart zeigen . "Das liegt vor allem daran, dass die Telekom die Streichung von 30.000 Stellen angekündigt hat", erklärte ein Broker. Die T-Aktie notierte leicht unter dem Vortagesschlusstand bei 14,06 Euro.

Abwartend verhielte der Markt sich noch bei dem Quartalszahlen der Allianz Chart zeigen . "Die können noch nicht eingeschätzt werden", sagten Händler. Der Versicherer hat im ersten Quartal 2002 den Gewinn vor allem durch Beteiligungsverkäufe deutlich gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern und Firmenwertabschreibungen sei um 70 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen, hieß es. Die Bruttobeitragseinnahmen des nach Prämieneinnahmen weltgrößten Versicherers seien um 10,6 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro gesteigert worden. Jedoch bereitet der Banksektor weiter Sorgen: Unter dem Strich ergab sich im Banksegment wegen der schwachen Kapitalmärkte und der anhaltenden Kundenzurückhaltung ein negatives Ergebnis nach Unternehmenswert-Abschreibungen (Goodwill), Steuern und Anteilen Dritter von 126 Millionen Euro.

Technologiewerte gerieten dagegen unter Abgabedruck: SAP-Tiel Chart zeigen verloren 2,3 Prozent auf 134,50 Euro und Infineon-Papiere Chart zeigen gaben um 0,7 Prozent auf 20,17 Euro ab.

Verschnaufpause in den USA

In den USA haben die Börsen unterdessen eine Verschnaufpause eingelegt. Der Dow-Jones-Index fiel am Mittwoch um 54,46 Zähler oder 0,5 Prozent auf 10.243 Punkte. Die Nasdaq legte um 6,51 Zähler oder 0,4 Prozent auf 1725 Punkte zu. Ölwerte wie ExxonMobil sowie die Ölfeldausrüster standen unter Druck. Im Technologiebereich konnten sich Halbleiterwerte wie Intel Chart zeigen verbessern.

Die Anleger sorgten sich über die Inflationsbelebung im April. Die Verbraucherpreise hatten um 0,5 Prozent zugelegt, während die Fachleute mit einem Preisauftrieb von 0,4 Prozent gerechnet hatten. Höhere Zigaretten- und Benzinpreise waren in erster Linie für den scharfen Inflationsanstieg verantwortlich. Die Industrieproduktion stieg um 0,4 Prozent und die Auslastung der Kapazitäten in den US-Fabriken erreichte 75,5 Prozent. Heute werden weitere wichtige Konjunkturdaten erwartet: Vor US-Börsenbeginn gibt das Arbeitsministerium die neuesten Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe bekannt. Im Handelsverlauf wird der Konjunkturindex der Philadelphia Fed veröffentlicht.

Die Aktie des Computerkonzerns Hewlett-Packard gab nach Vorlage der Quartalsergebnisse des Unternehmens nach. Das Papier des Software-Anbieters Computer Associates verlor ebenfalls an Boden. Dagegen konnte sich die Aktie von Applied Materials, des weltgrößten Herstellers von Maschinen für Halbleiter-Firmen, behaupten.



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