Börse am Morgen Die Verkäufer schlafen noch

Die deutschen Börsen sind freundlich in den Handel gestartet. Für die Händler ist das dennoch kein Grund zur Entwarnung. Es sei lediglich eine technische Reaktion auf die massiven Verluste der vergangenen Handelstage.


Frankfurt am Main - Der Dax kletterte innerhalb der ersten halben Handelsstunde um 1,3 Prozent auf 2701 Punkte. Die Nebenwerte gewannen durchschnittlich um 0,3 Prozent und hoben den MDax auf 2801 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 316 Punkten, ein Plus von 0,95 Prozent.

Trotz des Kursanstiegs zeigten sich Händler skeptisch. "Für die weitere Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten sind wir sehr vorsichtig," sagte ein Händler der Deutschen Bank. Von einer "technische Gegenreaktion" der Börse sprach Raed Mustafa von der Baden-Württembergischen Bank. "Eine Nachhaltigkeit sehe ich aber nicht."

Mit deutlichem Abstand zum Nächstplatzierten legten Epcos-Aktien Chart zeigen um über drei Prozent auf 6,29 Euro zu. Freundlich zeigten sich auch die übrigen Technologiewerte. SAP-Titel Chart zeigen ignorierten negative Analystenkommentare und stiegen um 1,6 Prozent auf 42,30 Euro.

Die Aktien der Deutschen Telekom Chart zeigen verteuerten sich um 1,6 Prozent auf 8,88 Euro. Nach der Absage von Post-Chef Klaus Zumwinkel sucht das Unternehmen nach Informationen des "Handelsblatts" auch weiterhin nach einem externen Kandidaten für die Besetzung des Chefpostens. Allerdings erweise sich die Suche als schwierig, da T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke als interner Kandidat die besten Chancen habe, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Dennoch wolle die Telekom Ende des Monats dem Präsidium des Aufsichtsrats eine Auswahl an Kandidaten präsentieren. Der Konzern würde eine überzeugende externe Lösung bevorzugen.

Zu den wenigen Verlierern gehörten Metro-Aktien Chart zeigen. Der Kurs der Aktie des Einzelhandelskonzerns sank um 1,5 Prozent auf 16,80 Euro.

Deutliche Verluste in New York

Anlegerängste vor der sich zuspitzenden Irak-Krise und Sorgen um die Gewinnentwicklung bei den Unternehmen haben am Montag die amerikanischen Aktienindizes erneut in die Tiefe gezogen. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte fiel um 105,56 Punkte oder 1,4 Prozent auf 7422 Zähler. Der Nasdaq hingegen verlor 1,8 Prozent auf 1119 Zähler. Auch der S&P-500 gab deutlich nach.

Zu den Tagesverlierern gehörten die Aktien führender Einzelhandelsunternehmen wie Sears Roebuck Chart zeigen. Die zuvor von Sears bekannt gegebenen Quartalszahlen lagen unter den Erwartungen. Auch Wal-Mart Chart zeigen und Home Depot Chart zeigen kamen unter die Räder.

Im Technologiesektor belasteten Cisco Chart zeigen den Handel. Deutsche Banc Securities hatte die Ergebnisprognosen des Netzwerkausrüsters gesenkt.

Schwache US-Konjunktur drückt die Kurse

Alle drei Aktienindizes haben sechs Wochenverluste in Folge registriert, weil die Investoren davon ausgehen, dass die Gewinne der Unternehmen im dritten Quartal deutlich schlechter ausgefallen sind als erwartet. Eine der Hauptursachen der Börsenmisere in diesem Jahr ist nach Urteil von Wall-Street-Volkswirten die schwache US-Konjunktur. Der derzeitige Arbeitskampf in den Seehäfen der Westküste könnte das Wachstum weiter gefährden. 26 Häfen waren am Montag nicht in Betrieb.

Befürchtungen, dass das Volumen fauler Kredite bei den Geschäftsbanken im Ansteigen ist, setzten in den USA Citigroup Chart zeigen und Merrill Lynch Chart zeigen unter Druck.

Tokios Börse legt leicht zu

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Dienstag nach immer neuen Tiefständen der vergangenen Tage einen leichten Kursanstieg verbucht. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte um 0,2 Prozent oder 20,90 Punkte auf 8708 Zähler zu. Der breiter angelegte Topix verbesserte sich um 0,04 Prozent oder 0,32 Punkte auf 860 Punkte.

Der Markt sei vor allem von der Nachfrage nach Bankaktien gestützt worden, sagten Händler. Die japanische Regierung hatte am Vortag eine für kommenden April geplante Begrenzung der staatlichen Garantien auf Einlagen auf Girokonten um zwei Jahre aufgeschoben. Grund war die Sorge, dass die erwogene Begrenzung der Garantien auf zehn Millionen Yen (82.000 Euro) die Wirtschaft belasten könnte.

Euro hält sich über der Marke von 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro hat im frühen Dienstaghandel die zum Wochenauftakt erreichte Marke von 98 US-Cent verteidigt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9 Uhr 0,9816 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9808 (Freitag: 0,9865) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0196 (1,0137) Euro.

Keine Impulse für den Devisenmarkt hatte nach Einschätzung von Volkswirten die Irak-Rede von Bush. Sie habe keine neuen Fakten enthalten, sagten Beobachter. Der Kurs des Euro war am Montagnachmittag über die Marke von 98 US-Cent geklettert. Händler machten dafür den überraschend starken Anstieg der Auftragseingänge in der deutschen Industrie im August verantwortlich. Die Daten seien am Markt als Zeichen gegen ein Abgleiten der größten Volkswirtschaft der Eurozone in eine Rezession gewertet worden.



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